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Mit neuem Profil zur Elite

Tübinger Universität will besser abschneiden

Die nächste Runde beginnt: Tübingen bewirbt sich erneut um die Förderung als Elite-Universität. Ob erfolgreich oder nicht: Die Universität stehe vor entscheidenden Weichenstellungen, sagt Uni-Rektor Bernd Engler.

29.08.2010
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Mit Prognosen hält sich Rektor Engler zurück. Klar ist aber, dass die Universität alles Denkbare unternehmen wird, um bei dieser Förderrunde besser abzuschneiden als 2007. Damals war nur ein Exzellenzcluster bewilligt worden. Mit dem Konzept „Hightech und Hegel“ war die Tübinger Uni im Wettbewerb um das Elite-Label gescheitert.

Diesmal will die Uni mit einem deutlich naturwissenschaftlich und medizinisch geprägten Profil und einem zwischen den Fächern besser abgestimmten Konzept erfolgreicher sein. Denn das war letztes Mal eines der Defizite : Es gab zu viele Doppelungen und zu viele Einzel-Spieler, wo Team-Bildung gefragt gewesen wäre. Solche strategischen Fehler will die Uni in dieser Runde vermeiden. Sie hat deshalb ihre Projekte unter anderem durch internationale Gutachter vorbegutachten lassen.

Ins Rennen geht sie jetzt mit fünf Exzellenz-Clustern:

Infektionsforschung: Hier hat die Uni bereits mehrere Forschungsschwerpunkte vorzuweisen. Unter anderem wird Antibiotika-Forschung betrieben. Weitere Standbeine sind die Forschung über Staphylokokken und multiresistente Erreger, über entzündliche Herzerkrankungen und Immuntherapie bei Infektionskrankheiten.

Molekularbiologie der Pflanzen: Für 35,5 Millionen Euro wird derzeit auf der Morgenstelle ein neues Gebäude für das Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) gebaut. Möglich war das nur durch eine Sonderförderung des Bundes für exzellente Forschung. Mit dem Neubau und der verbrieften Forschungsstärke der Tübinger Molekularbiologie will man im Vergabeverfahren für die Cluster punkten.

Linguistik: Auch hier baut man unter anderem auf einem Sonderforschungsbereich auf, in dem die neusprachlichen Fächer mit Computerlinguisten, Psychologen und Neurowissenschaften zusammenarbeiten – mit der Frage: Wie bekommt Sprache ihre Bedeutung?

Wasserforschung: Mit Stuttgart und Hohenheim hat die Tübinger Uni bereits das Institut Water & Earth System Science (WESS) gegründet. Dessen Ziel ist die Erforschung des Klimawandels und die Erarbeitung von Strategien, um mit globalen Veränderungen umzugehen.

Neurowissenschaften: Dieser Forschungsverbund war 2007 das einzig erfolgreiche Projekt und brachte der Uni 32,5 Millionen Euro ein. Für das so entstandene Werner Reichardt Centrum für integrative Neurowissenschaften (CIN) wird ein Verlängerungsantrag gestellt.

„Wir müssen uns deutlicher vergewissern, wo wir hin wollen. Wir legen in der Bewerbung nichts auf, was wir nicht ohnehin auf den Weg bringen wollen“, sagt Engler auch mit Hinblick auf das Gesamtkonzept, das im Vollantrag zur Elite-Universität ausformuliert wird. Man wolle Strukturentscheidungen treffen, welche die Universität international wettbewerbsfähiger machen sollen. Insofern sei die Exzellenz-Initiative auch ein „Akt der inneren Profilbildung“.

Das spiegelt sich auch in den Graduiertenschulen wider. In ihnen werden Stärken gebündelt und Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet. Etwa die Graduiertenschule zur Archäologie – einem Fach, in dem Tübingen von den Grabungen im syrischen Qatna bis zu den spektakulären Eiszeitfunden in der Hohle-Fels-Höhle Erstaunliches vorweisen kann.

Eine zweite Schule will sich mit „Intellectual History“ befassen, Geistesgeschichte im weiteren Sinn. Dabei geht es nicht nur um große Denkschulen, sondern auch um die Prägung des Denkens, um die Frage, wie Denkschulen in die Gesellschaft hineinwirken. Auch ist der Ansatz international: Das Asien-Orient-Institut ist ebenso integriert wie die christlichen Theologen. Zwei weitere Graduiertenkollegs befassen sich mit Zellbiologie und mit der Bildungsforschung. Bei letzterem will man auf die neue Allianz mit der Leibniz-Gemeinschaft und dem gemeinsam getragenen Wissenschaftscampus (wir berichteten) aufbauen.

Der Zeitplan für Elite-Kandidaten

Erst im Sommer 2012 wird entschieden sein, wer in den Kreis der Exzellenz-Universitäten aufgenommen wird. Die erste Zwischenentscheidung fällt im März 2011: Dann werden die Universitäten ausgewählt, die aufgrund ihres Erstantrags zu einem Vollantrag aufgefordert werden. Dieser muss bis

1. September 2011 vorliegen. Anschließend werden die geplanten Forschungs-Cluster und Graduiertenschulen begutachtet. Die Entscheidung, welche Projekte gefördert werden, fällt dann im Juni 2012. Beantragt werden können Graduiertenschulen (Förderung bis zu 2,5 Millionen Euro jährlich) und Exzellenz-Cluster (bis zu 8,5 Millionen Euro pro Jahr). Wer mit dem dritten Standbein, einem strukturprägenden Gesamtkonzept überzeugt, erhält zusätzlich 50 bis 60 Millionen Euro in fünf Jahren.

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29.08.2010, 12:00 Uhr

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