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Tübinger Universitätszeichner (4): Heinrich Leibnitz
Das Leibnitz-Selbstbildnis aus jüngeren Jahren.Bild: Kunsthistorisches Institut
Lockerheit in der Pinselführung

Tübinger Universitätszeichner (4): Heinrich Leibnitz

Mit ihm erfuhr das Berufsbild des Tübinger Universitätszeichners den entscheidenden Wandel: Heinrich Leibnitz kam als Erster zu höheren akademischen Weihen.

15.08.2012
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Bis dahin war das ein ziemlicher Hungerleider-Posten. Selbst Vorgänger Christoph Friedrich Dörr kam mit schmalem Salär und Frau und vier Kindern kaum über die Runden, von den vormaligen besseren „Hilfs“-Kräften Partzschefeld und Helvig ganz zu schweigen. Heinrich Leibnitz hingegen hatte es schließlich geschafft. Bereits als 17-Jähriger kam der gebürtige Stuttgarter an die Münchner Akademie, mit 23 Jahren ging der Maler nach Paris, und 26-jährig bereist er für drei Jahre Italien.

Hinterher war er ein recht kompletter Künstler, der sein Handwerk verstand, und der 1841 im Alter von 30 Jahren zum Universitätszeichenlehrer in Tübingen berufen wurde.

Leibnitz muss ein selbstbewusster Vertreter seiner Zunft gewesen sein. Als er im Zuge einer Forderung nach mehr Gehalt sein Aufgabengebiet umschrieb, nannte er die ursprüngliche, vorgefundene Arbeit eine Lehre des „Dilettantismus“. Nach Louis Helvigs Entlassung im April 1844 versuchte Leibnitz das Institut, wie der Katalog zur aktuellen Kornhaus-Ausstellung vermerkt, „vom reinen Kopieren und Abzeichnen von Gegenständen und Vorlagen zu lösen, um eine Aufwertung des Unterrichts zu erreichen.“

Parallel dazu promovierte er, wurde außerordentlicher Professor, gab zwischen 1847 und 1879 pro Semesterwoche sechs Stunden Mal- und Zeichenunterricht und zwei Stunden Vorlesungen. 1861 trachtete er die Leitung des Instituts endgültig selbst zu übernehmen und es als eigenständiges Institut unter Aufsicht der philosophischen Fakultät zu stellen. Ein Ruf nach Kiel, der ihn erreichte, blieb ungehört, Leibniz nährte sich lieber redlich in Tübingen, wo er 1861 zum Extraordinarius befördert wurde. Seine Pension, die er noch knapp zehn Jahre genießen konnte, betrug 1375 Gulden.

Als Zeichenlehrer der Universität wollte Leibnitz neben den handwerklichen Fähigkeiten auch die Wahrnehmung schulen. Sein Angebot richtet sich nun außerdem nicht mehr nur an Naturwissenschaftler und Mediziner, sondern am besten gleich an alle. Der Kunsthistoriker Otto Fischer, in dessen Buch „Schwäbische Malerei des 19. Jahrhunderts“ das einzige bekannte Leibnitz-Selbstporträt zu finden ist, sagte dem Künstler „wohl mehr eine rezeptive und gelehrte als künstlerisch produktive Natur“ nach. Womöglich hat aber auch Werner Fleischhauer recht, der in „Das Bildnis in Württemberg 1760-1860“ schreibt, Leibnitz stehe „ziemlich allein in seiner künstlerischen Haltung“. Und: „Seine außerordentlich gepflegte Haltung und seine Lockerheit in der Pinselführung war innerhalb der württembergischen Kunst neuartig.“

Laut Fleischhauer fühlte sich der Maler in Tübingen in den „kleinen Verhältnissen“ unglücklich, er gab das Porträtieren auf „und widmete sich ganz dem Unterricht und als Professor für Kunstgeschichte theoretischer Kunstbetrachtung.“

Nach 1841 sind tatsächlich nur noch wenige Werke von Heinrich Leibnitz bekannt geworden. Darunter allerdings seine Porträts für die Tübinger Professorengalerie: Er verewigte den Mathematiker Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger ebenso wie den Theologen Theophil Christian Storr, den Juristen Karl Georg Wächter wie den Mediziner Ferdinand Gottlob Gmelin. Heinrich Leibnitz, der in der Neckarhalde 32 wohnte, starb am 6. Januar 1889.

Info: Die Ausstellung „Künstler für Studenten Bilder der Universitätszeichenlehrer 1780-2012 ist zu den üblichen Öffnungszeiten noch bis zum 16. September im Kornhaus-Stadtmuseum zu sehen.

Tübinger Universitätszeichner (4): Heinrich Leibnitz
Odyssee im Kunstweltraum: Heinrich Leibnitz‘ „Künstlervolk und Fischerfrauen vor einer Osteria am Tiberufer“ aus dem Jahr 1840, vor fünf Jahren in Bern für 33000 Schweizer Franken versteigert, danach zwei Mal in München und 2011 in Luzern in Auktionshäusern, bis das Bild schließlich im römischen Kunsthandel aufgetaucht ist, also gar nicht weit vom Ursprungsort entfernt.

Tübinger Universitätszeichner (4): Heinrich Leibnitz
Heinrich Leibnitz‘ Lithografie „Zur Einweihung der neuen Aula in Tübingen, den 31. Oct. 1845“. Unter dem Bogen „Florat Academia!“ heißt es: „Es wünscht die Alte/Grau an Jahren/daß euer Ausgang /Glücklich sey!/Der alma mater/Ruhm zu wahren/Dem alten Ernste/Bleibet treu!“Bild: Katalog

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15.08.2012, 12:00 Uhr

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