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Dach ohne Keller

Tübinger Zeicheninstitut gerät in akute Raumnot

Das Tübinger Zeicheninstitut muss der Campus-Planung weichen: Künftig gibt es keine Kurse mehr in der „Alten Physik“.

12.07.2012
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Die Eberhard-Karls-Universität ist stolz auf sein musisches Angebot, das „nicht nur, aber besonders auch für Studierende“ ausgerichtet ist, wie es in der Selbstdarstellung der Uni heißt. Weiterbildung und Kultur als Ergänzung des reglementierten Studienalltags, das scheint ein wichtiges Anliegen zu sein. Zu diesen Angeboten zählt das Studio Literatur und Theater, für musikalisch Vorgebildete auch das Collegium musicum – und das Zeicheninstitut.

Gerade rühmt eine Ausstellung im Stadtmuseum, mithilfe des Uni-Museums zustande gekommen, diese verdienstvolle Errungenschaft. In dem Katalog zu „Künstler für Studenten“, einer eindrucksvollen Parade der bisherigen Universitätszeichenlehrer, wird Konrad Lange herbeizitiert. Dem Pionier der Tübinger Kunstgeschichte war „klar geworden, dass eine weitere Pflege der Archäologie und Kunstgeschichte auf den Universitäten gar keinen Sinn haben würde ohne eine gleichzeitige Pflege des Zeichenunterrichts auf der Schule und Hochschule. Das Geld, was man dafür ausgäbe, wäre weggeworfen. Man kann ein Haus nicht beim Dach zu bauen anfangen.“

Das seit rund zwei Jahrhunderten bestehende Tübinger Zeicheninstitut funktioniert dabei nicht nur nach innen, sondern zudem als Fenster nach außen. Es sind auch zahlreiche Nicht-Studierende oder Nicht-Angehörige des Uni-Apparats, die das Lehrangebot nutzen. In rund 20 Kursen pro Semester wir dafür gesorgt, das latente musische Talente nicht verkümmern, sondern geweckt werden.

Dampfheizung wird abgestellt

Unter dem Dach der Neuen Aula sind dies die klassischen Sparten wie Porträt- und Aktzeichnen, Malerei und Bildhauerei, im Kellergeschoss der „Alten Physik“ dagegen Fotografie, Keramik und experimentelle Maltechniken. Anerkannte Künstler(innen) wie Manfred Weckwerth, Margarete Luchting-Payan, Henriette Lempp und zeitweilig Jürgen Klugmann gingen oder gehen hier zu Werke.

Das ist jetzt gefährdet. „Die Dampfheizung in der ,Alten Physik‘ wird abgestellt“, berichtet Universitätszeichenlehrer Frido Hohberger. Der Hintergrund: Die Universitätsleitung liebäugelt stark damit, das ansonsten brachliegende Hörsaalgebäude auf dem Campus-Planungsaltar rund um eine neue Mensa zu opfern. Da spielen die Unter-Mieter im Hörsaalkeller offenbar keine große Rolle mehr.

Fünf bis sechs Kurse sind konkret davon betroffen. Seit fast 20 Jahren hat das Zeicheninstitut in der Dependance ganz in der Nähe Unterschlupf gefunden. „Ich gebe nicht auf“, hofft Hohberger noch immer auf eine verträgliche Lösung. Immerhin beteiligt sich nun die Univerwaltung an der Suche nach Ausweichstätten. Vize-Rektorin Stephanie Gropper brachte dabei das Schloss ins Spiel, daraus dürfte aber nichts werden. Betroffen sind auch die Keramikkurse. „Sie sind die beliebtesten Kurse überhaupt“, weiß Hohberger. Von dem Sinn und Zweck dessen, was das Zeicheninstitut leistet, ist er überzeugt: „Wir sparen der Uni drei Therapeuten.“

Info: Zum Semesterende wird am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in den Kellerräumen der „Alten Physik“ zur (im doppelten Sinne) „Schlussausstellung“ eingeladen: Gezeigt werden „Fotografie- und Tonarbeiten des Zeicheninstituts“ aus den aktuellen und vergangenen Kursen.

Tübinger Zeicheninstitut gerät in akute Raumnot
Sein Institut befindet sich unterm Dach der Neuen Aula am Geschwister-Scholl-Platz: Universitätszeichenlehrer Frido Hohberger, hier eingerahmt von seinen Porträts der Geschwister Scholl.

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12.07.2012, 12:00 Uhr

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