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Syrien

Türkische Fahnen über Afrin

Erdogans Truppen nehmen Stadt im Kurdengebiet ein. Die Eroberungspläne des Präsidenten reichen aber viel weiter.

19.03.2018
  • GERD HÖHLER UND DPA

Afrin/Ankara. Seit Sonntagmorgen kontrollieren die türkischen Streitkräfte nach eigenen Angaben das Zentrum der nordsyrischen Stadt Afrin. Das Stadtzentrum sei seit 08:30 Ortszeit „vollkommen“ von türkischen Einheiten eingenommen, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag bei einer Rede anlässlich des „Tags der Märtyrer“ im westtürkischen Canakkale. Die türkische Fahne und die der verbündeten Freien Syrischen Armee (FSA) wehten nun in Afrin. Hunderttausende Menschen waren zuvor aus Afrin geflohen, vor allem kurdische Familien. Sie fürchten unter türkischer Besatzung um ihr Leben

Die türkischen Streitkräfte (TSK) teilten mit, das Gebiet werde nun von Minen und Sprengsätzen gesäubert. Auf von der Armee verbreiteten Bildern waren mit türkischen Fahnen geschmückte Panzer zu sehen, die demnach durch die Straßen Afrins rollten. Die Türkei hatte den Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordwestsyrien am 20. Januar begonnen. Sie sieht die YPG wegen ihrer Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation.

Einsatz verurteilt

Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste. Die YPG ist wichtiger US-Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). In Deutschland hatten Bundestagsabgeordnete mehrerer Parteien den Einsatz als völkerrechtswidrig verurteilt.

Erdogan plant bereits, seine Syrien-Invasion auch östlich des Euphrat auszudehnen und einen rund 400 Kilometer langen Streifen Nordsyriens an der Grenze zur Türkei unter seine Kontrolle zu bringen. Und danach, so hat Erdogan bereits angekündigt, werde die türkische Armee im Nordirak einmarschieren, um die dortigen Stützpunkte der kurdischen PKK zu zerstören.

Vergangene Woche warnte er, in Syrien drohe der Ausbruch eines Dritten Weltkriegs – darauf müsse man vorbereitet sein. Wie weit sich Erdogan in seine Kriegsphantasien hineingesteigert hat, zeigte sich kürzlich, als der Staatschef bei einer Kundgebung mit einem kleinen Mädchen in Soldatenuniform auftrat und die Sechsjährige fragte, ob sie Märtyrerin werden wolle. Wenn sie im Kampf sterbe, werde man sie mit einer türkischen Fahne zudecken, tröstete Erdogan das weinende Kind. Gerd Höhler (mit dpa)

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19.03.2018, 06:00 Uhr

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