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Und über allem wacht Barbara

Tunnelanschlag am Scheibengipfel mit viel Prominenz

Mit einer symbolischen Sprengung – ausgelöst durch Tunnelpatin Barbara Bosch – ist gestern am Nordportal der Achalmröhre der Startschuss zum Bau des Kernstücks der drei Kilometer langen Reutlinger Ortsumgehung gefallen.

14.11.2012
  • uschi kurz

Reutlingen. Mehrere hundert Zaungäste, darunter auch zahlreiche Demonstranten, die für den Albaufstieg und die Stadtbahn warben, fanden sich gestern zum feierlichen Tunnelanschlag am Nordportal der Achalmröhre ein. Der Tübinger Regierungspräsident Hermann Strampfer nannte es eine große Freude, so zahlreiche Gäste zum Start des bedeutenden Vorhabens begrüßen zu dürfen. Der Tunnel sei ein Mammutprojekt und das „Schlüsselbauwerk für die Ortsumgehung“, betonte Strampfer, der die Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch schon mal mit ihren Pflichten als Tunnelpatin vertraut machte: Am 4. Dezember, dem Namenstag der Heiligen St. Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, werde von ihr erwartet, dass sie mit reichlich Kuchen bei den Mineuren auf der Baustelle erscheine.

Staatssekretär Andreas Scheuer vom Bundesverkehrsministerium schloss in seine Begrüßung auch die „verehrten Steuerzahler“ ein. Er erinnerte an die lange Vorgeschichte des Scheibengipfeltunnels, die bis in die 60-er Jahre zurückreiche. „Insgesamt werden 108 Millionen Euro in die Ortsumgehung investiert“, so Scheurer. Damit schaffe man eine leistungsfähige und sichere Verbindung für den überregionalen wie für den innerörtlichen Verkehr und entlaste die Ortsdurchfahrt nachhaltig. Das bedeute: „Weniger Lärm, weniger Abgase und eine spürbare Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität für die Anlieger.“

Das Land sei „dankbar für dieses Großprojekt“, versicherte der grüne Verkehrsminister Winfried Hermann. Es sei ein politischer Glücksfall gewesen, dass das Projekt 2008 ins Konjunkturprogramm aufgenommen worden sei. Reutlingen habe die am meisten mit Schadstoffen belastete Ortsdurchfahrt. Das bekomme man allein mit dem Tunnelbau nicht in den Griff, mahnte er ein umfassendes Verkehrskonzept an. Zum Schluss forderte Minister Hermann alle Anwesenden auf, durch Umsteigen auf ÖPNV und „eine andere Mobilitätspolitik einzuleiten“.

Tunnelpatin Barbara Bosch nahm ihren Beitrag zum Anlass, eine Lanze für den „Tunnelblick“ zu brechen. Der, so die Reutlinger Oberbürgermeisterin, sei nämlich eine zwingende Voraussetzung für die Spezialisten vom Tunnelbau. „Wir setzen nicht nur auf den Scheibengipfeltunnel“, versicherte sie, um sich sodann unter großem Beifall an die Lichtensteiner, die sich für einen Albaufstieg stark machen, und an die Stadtbahn-Freunde zu wenden: „Wenn ich nicht hier oben stünde, könnte ich bei Ihnen sein.“ Ihre Wahl zur Tunnelpatin bezeichnete sie als treffliche Fügung, da sie selbst aus einer Bergarbeiterfamilie stamme: „Man kam also quasi gar nicht an mir vorbei.“

Geschäftsführer Johann Heß von der Baufirma Max Bögl hatte beeindruckende Zahlen mitgebracht: 280 000 Tonnen Ausbruchmaterial wird aus dem Gebirge geholt, 150 000 Kubikmeter Beton werden verbaut, 100 000 Stahlsprieße und Anker sollen den Tunnel stützen. Auch bei bester Vorbereitung könnten die Risiken nicht gänzlich ausgeschlossen werden, deshalb sei er dankbar über die gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr.

Für den geistlichen Beistand des Tunnels, der über die Bauzeit hinausreichen soll, sorgten die Dekane Robert Widmann und Jürgen Mohr mit einer kleinen ökumenischen Andacht. Dabei wurde eine kleine Statue der heiligen Barbara geweiht, die dann von Barbara Bosch in die vorgesehene Nische am Tunneleingang verbracht wurde. Danach löste die Tunnelpatin eine symbolische Sprengung im benachbarten Rettungstunnel aus, womit der offizielle Startschuss lautstark gefallen war.

Tunnelanschlag am Scheibengipfel mit viel Prominenz
OB Barbara Bosch löste gestern die symbolische Sprengung aus, assistiert von Verkehrsminister Winfried Hermann (links) und Staatssekretär Andreas Scheuer.Bild: Franke

Tunnelanschlag am Scheibengipfel mit viel Prominenz

Am Tunnelrand machte die „Bürgerinitiative Alb-aufstieg“ aus Lichtenstein gestern mit Plakaten auf ihr Anliegen aufmerksam und hatte OB Barbara Bosch auf ihrer Seite. Auch die Verfechter einer leistungsfähigen Regionalstadtbahn nutzten die Gelegenheit. Sie hielten Plakate hoch mit „Herzlichen Glückwunsch Reutlingen“, die umgedreht ihre Forderung ergaben: „Jetzt muss der Albaufstieg kommen“. Sie forderten – im Einklang mit dem grünen Verkehrsminister Winfried Hermann – dass das Land auch nach dem Auslaufen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes im Jahr 2019 weiterhin Mittel vom Bund erhalte. Beispielsweise für die Finanzierung der Regionalstadtbahn.

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14.11.2012, 12:00 Uhr

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