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Ärger in der ARD

Turbulenzen nach der Absage von Xavier Naidoos ESC-Auftritt

Nur zwei Tage lang war Xavier Naidoo offiziell Deutschlands neuer Kandidat für den ESC. Nun kam der Rückzieher - am Ende eines ohnehin desaströsen ESC-Jahres für Deutschland. Und in der ARD kriselt es.

23.11.2015
  • RALF ISERMANN, AFP

Hamburg Das größtmögliche deutsche Desaster beim Eurovision Song Contest gibt es ausgerechnet vor dem sechzigsten Geburtstag des Wettbewerbs im nächsten Jahr: Nach dem Rückzug des Vorentscheid-Siegers Andreas Kümmert und dem Null-Punkte-Flop seiner Nachfolgerin Ann Sophie hat sich mit der Posse um Xavier Naidoo das zu den ESC-Gründerländern zählende Deutschland bloßgestellt. Wer nun überhaupt noch Lust hat, beim Jubiläum für Deutschland zu singen, ist nicht absehbar - in der ARD hat außerdem ein Hauen und Stechen begonnen.

Der NDR korrigierte binnen zwei Tagen eine Entscheidung, auf die seine Verantwortlichen wochenlang hingearbeitet hatten. Zuerst war Naidoo bekniet worden, als einer der aktuell erfolgreichsten deutschen Musiker im Mai in Stockholm für Deutschland anzutreten - dann entschied sich der NDR laut ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber wegen der heftigen Kritik an dem 44-Jährigen für die Notbremsung. "Wir haben das falsch eingeschätzt."

Es geht um die Vorwürfe der Homophobie Naidoos vor allem wegen eines Liedtextes, um einen Auftritt bei der teilweise rechtsextremen Reichsbürgerbewegung und um Verschwörungstheorien des Sängers. All diese Vorwürfe kannte der NDR vor der Kür Naidoos.

Womöglich wäre es gar nicht zum Eklat gekommen, wenn es beim herkömmlichen Vorentscheid geblieben wäre und das Publikum hätte entscheiden können, ob es Naidoo schickt. Beschädigt sind nun alle Beteiligten.

Während Künstler wie Komiker Michael Mittermeier oder Til Schweiger sich auf die Seite von Naidoo schlugen - der Schauspieler nannte die Kritik an dem Sänger sogar "eine Form von Terrorismus" -, ging in der ARD ein ungewöhnlich offen ausgetragener Streit los.

ARD-Programmdirektor Volker Herres bemängelte in der "Welt am Sonntag", die ARD hätte vorher intern diskutieren müssen, ob sich Naidoo "für eine Teilnahme am ESC disqualifiziert" habe. Herres scheint da eine andere Meinung zu haben als Schreiber: "Xavier Naidoo hat mehrfach Äußerungen getätigt, die man nicht gutheißen kann und missbilligen muss", sagte er. Herres nannte keine Namen. Aber es ist klar, auf wen seine Kritik zielt: Seit Jahren ist NDR-Mann Schreiber für den ESC verantwortlich. Er muss nun verantworten, dass Deutschland nach dem freiwilligen Verzicht von Vorentscheid-Sieger Andreas Kümmert vor dem diesjährigen Finale schon zum zweiten Mal in Folge einen Starter schicken muss, der den Malus einer Notlösung hat.

Wie jetzt überhaupt der deutsche Starter ermittelt werden soll, ist außerdem unklar. Der NDR kündigte zwar an, dies "so schnell wie möglich" entscheiden zu wollen. Aber ob die ARD die Norddeutschen nach dem nun heftigen Streit noch einmal einfach so machen lässt?

Und: Ob sie auch Schreiber weiter wie bisher machen lassen? Schon die letzten drei deutschen Starts waren Flops. In den vergangenen Jahren konnten sich deutsche Künstler nur vorne platzieren, wenn Stefan Raab mit im Boot saß. Doch der will sich ja am Jahresende vom Fernsehen zurückziehen.

Schreiber erklärte zur Begründung des Verzichts auf Naidoo auch, die Diskussionen um diesen könnten dem ESC ernsthaft schaden. Es droht die Gefahr, dass daran auch die unfeine Entlassung kaum noch etwas ändern kann.

Turbulenzen nach der Absage von Xavier Naidoos ESC-Auftritt

Turbulenzen nach der Absage von Xavier Naidoos ESC-Auftritt
Mit Andreas Kümmerts (links) Abgang fing das ESC-Desaster an. Ann Sophie floppte im Finale. Dann kam der Wirbel um Xavier Naidoo (oben). Nun kriselt es zwischen den ARD-Granden Volker Herres und Thomas Schreiber (rechts). Foto: dpa

  • Wirbel Um den Eurovision Song Contest (ESC) hat es schon vor der Absage von Xavier Naidoos Teilnahme durchaus häufiger Ärger gegeben. Einige Beispiele:
  • >Vor dem ESC 2015 in Wien Der Sänger Andreas Kümmert sorgt im Vorentscheid für eine große Überraschung. Aus der Wahl des deutschen Vertreters für den ESC in Österreich geht er zwar als Sieger hervor, im letzten Moment macht er aber einen Rückzieher. Letztlich tritt die zweitplatzierte Ann Sophie in Wien an. Sie landet dort auf dem letzten Platz.
  • >Vor dem ESC 2013 in Malmö Der Sieg der Band Cascada über die Bläsergruppe LaBrassBanda beim deutschen Vorentscheid löst 2013 eine erbitterte Diskussion aus. Vor allem das Urteil der Jury wird in Internet-Foren kritisiert. Die fünf Experten, darunter Sänger Tim Bendzko und Schlager-Ikone Mary Roos, hatten in der Live-Show LaBrassBanda nur einen Punkt gegeben, während die Ska-Bläser beim Publikum ganz oben rangierten: Radiohörer gaben ihnen einhellig die volle Punktzahl.
  • >Vor dem ESC 1999 in Jerusalem 1999 gewinnt Corinna May den deutschen Vorentscheid, darf aber nicht zum Finale nach Israel. Ihr Lied „Hör den Kindern einfach zu“ war 1997 mit anderem Text und anderem Sänger auf einer CD erschienen. Der Ersatz „Reise nach Jerusalem“ der Band Sürpriz schafft dann einen guten Platz drei beim internationalen Finale des Eurovision Song Contest. dpa

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23.11.2015, 12:00 Uhr

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