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Justiz

U-Boot-Mord vor Gericht

In Kopenhagen beginnt heute der Prozess gegen den Erfinder, der die schwedische Journalistin Kim Wall im August 2017 gequält, ermordet und zerstückelt haben soll.

08.03.2018
  • ANDRé ANWAR

Kopenhagen. Es ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle in der dänischen Rechtsgeschichte: Heute beginnt in Kopenhagen der Prozess gegen den Erfinder Peter Madsen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 47-Jährigen vor, die 30-jährige Schwedin Kim Wall bei einer gemeinsamen Rundfahrt in seinem selbstgebauten U-Boot „UC3 Nautilus“ im August 2017 gequält, ermordet und zerstückelt zu haben, bevor er ihre Einzelteile ins Meer warf. Die freie Journalistin Wall wollte eigentlich über „Raketen-Madsen“ schreiben. Der exzentrische Erfinder wollte als erster Amateur der Welt mit einer selbstgebauten Rakete ins Weltall fliegen.

Voller grausiger Details

Die Anklageschrift ist voller grausiger Details. Madsen soll den Mord in seinem U-Boot geplant haben, indem er unter anderem „Säge, Messer, zugespitzte Schraubenzieher, Halteschlaufen, Kabelbinder und Röhren“ auf die Fahrt mitnahm, wie es in der Anklageschrift heißt. Er soll Wall „am Kopf, Armen und Beinen“ festgebunden haben, bevor er sie misshandelte, indem er sie „schlug, stach, schnitt und tötete“. Auch grausame sexuelle Übergriffe soll er an ihr begangen haben.

Der Mord soll zwischen 22 Uhr am 10. August und 10 Uhr morgens am Folgetag geschehen sein. Dann hat Madsen sein Opfer laut Anklage in „Kopf, Beine, Arme und Torso“ zersägt. Teils mit Gürteln befestigte Metallgegenstände soll er als Gewichte genutzt haben, um die Körperteile in Plastikbeuteln in der Kögebucht zu versenken. Danach versenkte er demnach auch sein U-Boot und ein Messer. Beides hat die Polizei geborgen.

Warum Madsen diese Wahnsinnstat begangen haben soll und dabei auch sein teures U-Boot versenkte, ist nicht klar. Laut rechtspsychiatrischer Untersuchung gilt Madsen als zurechnungsfähig. Vermutlich soll ein sexuelles sadistisches Motiv nachgewiesen werden. Auf seinem Computer wurden Filme gefunden, in denen Frauen gefoltert und hingerichtet werden.

Madsen streitet bislang ab, Wall ermordet zu haben. Dabei änderte er seine Version der Vorgänge dreimal. Zunächst hatte er behauptet, Wall wohlbehalten an Land gesetzt zu haben. Als Walls Torso gefunden wurde, sagte er aus, ihr sei der schwere Deckel der U-Boot-Luke auf den Kopf gefallen. In einer panischen Kurzschlussreaktion habe er die Leiche zersägt und „im Meer beerdigt“. Als ihr Kopf dann am 6. Oktober ohne entsprechende Schäden gefunden wurde, behauptete er, Wall sei durch einen anderen Unfall im U-Boot gestorben, möglicherweise an einer Luftvergiftung, während er an Deck in der frischen Luft war.

37 Zeugen sollen an zwölf Prozesstagen gehört werden. Mit einem Urteilsspruch wird am 25. April gerechnet.

Schnell wieder in Freiheit?

Sollten die Beweise beim Prozess nur für eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und Leichenschändung ausreichen, dürfte Madsen relativ schnell wieder ein freier Mann sein. In Dänemarks Rechtspraxis wird fahrlässige Tötung mit Geldbußen und bis zu eineinhalb Haftjahren geahndet. Für Mord gibt es von zwölf Jahren Haft bis lebenslänglich; das wären in Dänemark rund 16 bis 17 Jahre.

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08.03.2018, 06:00 Uhr

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