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Kunden rümpfen die Nase

UDO muss sich mit Biogasanlage arrangieren

Eine Biogasanlage in unmittelbarer Nachbarschaft einer Großküche: Das verträgt sich schlecht. Was sich in Weilheim bei der Uniklinik-Tochtergesellschaft UDO zeigt.

30.08.2010
  • Matthias REichert

Tübingen. Die beiden Silos stehen seit vorigem Jahr direkt neben der UDO-Großküche in Weilheim. Biogasanlagen werden nicht zuletzt mit Gülle gespeist. Ergebnis: Es riecht nach Landwirtschaft, Mücken schwirren. Was sich schlecht mit einer Großküche verträgt. „Das führt zu Problemen mit unseren Kunden“, sagt der technische Betriebsleiter Tobias Henninger. Und die knapp 200 Mitarbeiter der Großküche könnten in den Pausen kaum an die frische Luft gehen, weil es dort säuerlich riecht.

UDO muss sich mit Biogasanlage arrangieren
Silos vor der Großküche: „Wir werden mit der Anlage leben müssen. Wir sind eben draußen auf dem Land“, sagt UDO-Betriebsleiter Tobias Henninger. Bild: Sommer

Kollidiert so eine Biogasanlage in der Nachbarschaft nicht auch mit den strengen hygienischen Standards für Großküchen? „Diese Probleme haben wir im Griff“, erklärt Henninger – dank „erhöhter Vorsicht und Extra-Kontrollen“.

Die Betreiber der Anlage, der Weilheimer Bio-Landwirt Friedrich Braun und seine Familie, seien bemüht, die aufgetretenen Schwierigkeiten „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ zu lösen, sagt Henninger. „Sie geben sich Mühe und sind gesprächsbereit.“ Anfangs hätten die Arbeiter die Gülle „recht großzügig“ in den Tank abgefüllt, mittlerweile seien sie vorsichtiger. Und die Gras-Silage werde „zu günstigeren Zeiten“ umgefüllt, so der Betriebsleiter.

Was Henninger nicht versteht: Die Stadtverwaltung habe ihnen damals versichert, die Biogasanlage sei ein „geschlossenes System“. Das sei schon durch die Anlieferung der Gülle und einen Gulli nicht der Fall. „Das ist nicht so geworden, wie wir uns das vorgestellt haben“, klagt der Betriebschef.

Friedrich Braun will sich nicht öffentlich äußern: „Das tragen wir nicht in der Zeitung aus“, erklärte uns der Bio-Landwirt auf Anfrage. Aber so recht glücklich ist er offenkundig nicht mit der neuen Anlage. Er betreibt schon seit 1998 eine kleinere Biogasanlage im Flecken – ohne größere Probleme, wie man hört. Die Weilheimer haben sich offenbar längst daran gewöhnt.

Die Abwärme der neuen Anlage nutzt die UDO-Großküche zum Kochen und Spülen. „Ich gehe davon aus, dass die sich bei der Vorplanung abgesprochen haben“, sagt Reiner Weberruß vom Tübinger Baurechtsamt. Wegen der Abwärme-Nutzung sei der nahe Standort durchaus sinnvoll, findet er. Die Brauns hätten die Anlage von Anfang an genau an dieser Stelle beantragt.

Die Abwärme „ist nicht unsere Primärenergiequelle“, schränkt Betriebschef Henninger ein. „Das ist eine sinnvolle Ergänzung.“ Die eigenen Küchenabfälle liefert UDO an eine andere Biogasanlage in der Region. Für Brauns Anlage seien sie nicht geeignet, weil diese nur biologisch angebaute Stoffe nutze. Die UDO-Küche hingegen verwendet für ihre Schulessen mindestens zu zehn Prozent biologisch angebaute Zutaten, wie sie der Stadt versichert hat.

Solche Biogasanlagen sind im Außenbereich planungsrechtlich privilegiert. Von der Stadt habe UDO bei der Planung vor anderthalb Jahren erfahren, dass der Betrieb dagegen wenig Einflussmöglichkeit habe, erzählt Henninger. Deshalb suchte der Großküchenbetreiber von Anfang an die Kooperation mit dem Bio-Landwirt. „Aber wir waren dann schon überrascht, wie nahe der Bau kam.“ Zwischen Biogasanlage und Großküche liegt nur ein öffentlicher Weg. Dieser Weg ist aber auch die Planungs-Crux. Nach damals gültiger Landesbauordnung wurden im Genehmigungsverfahren nur „Angrenzer“ gehört. Wegen des dazwischenliegenden Weges galt UDO indes nicht als Angrenzer, sondern nur als Nachbar der Anlage. Nach heutiger Rechtslage würden auch die Nachbarn gefragt, erläutert Baurechtler Weberruß: Denn die Landesbauordnung wurde zum März 2010 geändert.

Weberruß sagt, die Träger öffentlicher Belange seien im Genehmigungsverfahren gehört worden, darunter das Landwirtschaftsamt und der Ortschaftsrat. „Im Ortschaftsrat waren keine Bedenken bekannt“, berichtet Ortsvorsteher Roland Glaser. Baurechtler Weberruß sagt, auch die Geruchsbelastung sei untersucht worden: „Das ist umfänglich geprüft worden. Wenn ein Vorhaben zulässig ist, dann muss ich genehmigen.“

Bei der Stadt ist UDO seither nicht mehr vorstellig geworden. „Wir werden mit der Anlage leben müssen. Wir sind eben draußen auf dem Land. Auf der grünen Wiese gibt es andere Probleme als in der Stadt“, sagt Betriebsleiter Henninger. Was die UDO-Chefs indes nicht verstehen: Die Stadtverwaltung habe bei der Planung der Großküche Wert auf eine optisch ansprechende Gestaltung des Baukörpers auf dem Weg zum Stadtzentrum gelegt. Henninger: „Wenn man sich jetzt die Baustruktur unseres Nachbarn anschaut, fragt man sich, warum wir extra in den Gestaltungsbeirat gegangen sind.“

Die Großküche versorgt künftig auch Schulen

Die 2003 gegründete „Universitätskliniken-Dienstleistungs-Organisation“ UDO betreibt ihre Großküche seit März 2009 am Weilheimer Ortseingang auf dem ehemaligen Möck-Areal. Von hier aus ist UDO für Patientenverpflegung an den Tübinger Universitätskliniken zuständig, dazu für Mitarbeiterverpflegung in Kliniken und Betriebsrestaurants sowie Catering. Vom neuen Schuljahr an versorgt die Tochtergesellschaft der Unikliniken, wie berichtet, sechs Tübinger Schulen: die Walter-Erbe-Realschule, die Grundschulen Bühl, Kilchberg und Hirschau, die Ludwig-Krapf-Schule, das Kinderhaus in der Weststadt und die Aischbachschule. Weitere Arbeitsfelder von UDO sind gewerbliche Gebäudereinigung und Logistik – Blut- und Labortransporte bis hin zu Werkstransporten.

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30.08.2010, 12:00 Uhr

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