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Wenn der Charme der Heimat lockt

ULD-Rat Matthias Groß tritt zur Bürgermeister-Wahl an

Matthias Groß ist 49, hat einen guten Job als Verkaufsleiter bei Daimler in Stuttgart – und will Bürgermeister in Dettenhausen werden. „Das würde mich unheimlich reizen“, sagt er. Für seine Heimatgemeinde Dettenhausen zu arbeiten – das sei ihm einen großen Einsatz wert.

15.10.2010
  • Martin Mayer

Dettenhausen. Seit 1994 sitzt Matthias Groß im Gemeinderat, seit sechs Jahren ist er Fraktionssprecher der ULD sowie zweiter stellvertretender Bürgermeister. Schon durch diese Ehrenämter ist Groß, wie er zugibt, für die Dettenhäuser „kein unbeschriebenes Blatt“. Zudem ist er am Ort aufgewachsen. Doch „mit gutem Gefühl“ könne er sagen: „Ich bin wirklich unabhängig.“ Für ihn gebe es „kein Geflecht und keine Seilschaften“, auf die er „Rücksicht nehmen“ müsse.

Was ihn in seinem Engagement antreibt, das sei die Verbundenheit mit dem Heimatort. Dettenhausen hat für ihn einen „speziellen Charme“: „Wir leben in einem intakten Gemeinwesen mit gutem menschlichem Miteinander und ausgeprägtem Bürgersinn“, findet er. Und dass die Schönbuch-Gemeinde die eigenen „Standortvorteile“ besser nutze als bisher, daran will er als neuer Schultes mitwirken: „Der Wunsch dazu ist sehr, sehr stark – vom Inhalt her“, sagt Groß. Ihm gehe es nicht „um einen Karriereschritt“. Die jetzige Wahl sei für ihn Anlass, „eine Umorientierung“ zu wagen: Bürgermeister am Heimatort zu sein, das sei das, „was ich gerne machen möchte“, sagt der studierte Verwaltungswissenschaftler: „Die Grundlagen sind da und einfach auch das politische Interesse.“ Und an anderer Stelle fügt er an: „Ich würde es bereuen, wenn ich es nicht probieren würde.“

Groß hat am Wochenende, unterstützt von Familie und Freundeskreis, seine Wahlprospekte in Dettenhausen verteilt, hat „viele Gespräche geführt“ und manchen Zuspruch im Dorf und von Ratskollegen registriert. „Das war gut“, sagt er. Doch wenn man ihn auf die künftigen Dettenhäuser Aufgaben anspricht, auf das Millionen-Loch in der Gemeindekasse, auf die Deckungslücke, die jeden Bürgermeister noch Jahre zu einem unpopulären Sparkurs zwingen wird, gibt er zu: „Das ist ein Punkt, wo einem der Spaß schon vergehen kann.“ Matthias Groß will den Wählern nichts vormachen: „Alles muss auf den Prüfstand“ – von den kommunalen Serviceleistungen bis hin zu den Gemeinde-Immobilien.

Nur wenn man gemeinsam genau prüfe, was die Gemeinde wirklich selber machen müsse, werde man die nötigen „Spielräume“ für die Gemeinde-Entwicklung finden. Vieles werde nur mit mehr Engagement der Bürger und Vereine gehen. „Was wir im Freibad mit dem Bädlesverein positiv begonnen haben, das müssen wir jetzt weiterführen“, sagt Groß. Es gelte, „die Bevölkerung mehr einzubinden“.

Sparaktionen sind „mühsam – das ist nicht so sexy“. Aber gerade deshalb müsse man in der Gemeindepolitik transparent, offen und realistisch bleiben. Groß mag „keine Patentrezepte“ oder gar vorschnelle Lösungen. Zuhören, kommunizieren und „an einem Strang ziehen“ – das sind für ihn „Kernpunkte“, aus denen er sich seinen „Leitfaden“ für eine längerfristige Politik bastelt: In den kommunalen Debatten müsse man stets klar benennen, „wo das Gemeinwohl Vorrang vor Einzel- oder Gruppeninteressen erhalten muss“. Die „soziale Verantwortung“ sollte im „Zentrum des Handelns“ stehen: Wenn nötig, müsse man den Leuten eben durch gute Argumente die „Augen öffnen für den Wert von Bürgersinn und Mitmenschlichkeit“.

Weil er so denkt, ist Matthias Groß auch vor dem derzeit einzigen Konflikt-Thema Dettenhausens nicht bang: Den Protest gegen das geplante Einkaufszentrum auf dem Areal des alten Gasthofs „Bären“ findet er „völlig verständlich“ – obwohl er selbst für dieses Projekt votiert hat: Schließlich müsse man die Gemeinde auch für die Zukunft attraktiv halten. Doch die „negativen Begleiterscheinungen“, die das Markt-Umsiedlungsprojekt und Bauvorhaben bisher mit sich zu bringen scheint, seien „nicht von der Hand zu weisen“. All diese Bedenken müssten im Bebauungsplanverfahren einbezogen und, so gut es geht, bereinigt werden. „Zugegeben: Der Platz ist problematisch“, sagt Groß, „aber ich sehe keinen besseren“.

Den von der Bürgerinitiative durchgedrückten Bürgerentscheid hingegen findet er „klasse“. Der Protest sei „pfiffig“ organisiert gewesen. Diese Art von Engagement der Bürger für ihre Gemeinde entspricht fast seinem „Idealbild“ von der kommunalen Demokratie. Aber am Ende müsse man Dettenhausen auch gemeinsam für die Zukunft stärken. Die älter werdende Bevölkerung brauche ein gut funktionierendes Ortszentrum.

Dettenhäuser Kandidaten: Matthias Groß

Matthias Groß wurde 1960 in Dettenhausen geboren und wuchs dort als jüngstes von drei Kindern des 1987 verstorbenen Schulrektors, Dorfchronisten und Vereinsaktivisten Otto Groß auf. Seit 1994 ist er für die ULD im Gemeinderat, seit 2004 ist er deren Fraktionssprecher. Groß gehört keiner Partei an. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau, der Landschaftsarchitektin Silke Groß, eine Tochter (10) und einen Sohn (8). Seit 22 Jahren arbeitet der Verwaltungswirt bei Daimler. Derzeit ist er im Vertrieb und einer von drei Verkaufsleitern der Stuttgarter Verkaufsstelle.

ULD-Rat Matthias Groß tritt zur Bürgermeister-Wahl an
"Aus gelassener Position relativ locker" in die Wahl: Matthias Groß, 49, wird von seiner Frau Silke und den Kindern Elena, 10, und Manuel, 8, unterstützt.

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15.10.2010, 12:00 Uhr

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