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US-Präsident überrascht mit einer Kehrtwende
Donald Trump hält mit seiner Verärgerung über den syrischen Präsidenten nicht hinterm Berg. Foto: action press
Syrien

US-Präsident überrascht mit einer Kehrtwende

Donald Trump wendet sich nach dem Giftgasangriff von Machthaber Baschar al-Assad ab und lässt militärische Gegenreaktionen prüfen. Das bringt auch Russland in die Bredouille.

07.04.2017
  • Martin Gehlen und dpa, afp

Washington. Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien mit mehr als 80 Toten deutet sich eine Kehrtwende in der US-Politik gegenüber Moskau und Damaskus an. Mit der Attacke seien für ihn „eine Menge Linien“ überschritten worden, sagte US-Präsident Donald Trump in Washington. Seine Einschätzung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad habe sich „sehr geändert“.

Das Pentagon prüft US-Medien zufolge militärische Optionen gegen die syrische Regierung. Die Nachrichtenagentur afp berichtete unter Berufung auf einen US-Regierungsmitarbeiter, Verteidigungsminister James Mattis habe Trump mehrere Optionen präsentiert. Dazu gehörten Angriffe, welche die syrische Luftwaffe dazu zwingen sollen, am Boden zu bleiben.

Noch vor Tagen hatte US-Außenminister Rex Tillerson einen ganz anderen Kurs vertreten. Er sicherte Assad zu, er habe aus Washington nichts mehr zu befürchten. Dahinter stand eine möglicherweise ziemlich naive Vorstellung Trumps von der nahöstlichen Welt. Danach hält man sich Terroristen von dort mit einem Visastopp vom Hals und bombt ansonsten das „Islamische Kalifat“ in Grund und Boden. Den arabischen Potentaten dagegen versprach Trump freie Hand. Menschenrechte stuft er als frommen Luxus ein.

Seit Dienstag aber scheint vieles anders. Trump scheint zu begreifen, dass auch er dem syrischen Gemetzel nicht einfach den Rücken kehren kann. „Was Assad getan hat, ist furchtbar“, sagte er gestern Abend. Es sollte „etwas passieren“. Sein Außenminister erklärte, die USA wollten eine internationale Koalition zur Ablösung Assads formen. „Diese Schritte sind auf den Weg gebracht“, sagte Tillerson.

Außenminister Sigmar Gabriel dürfte die Kehrtwende begrüßen. Er hatte die US-Regierung gemahnt, der gemeinsame Kampf gegen den IS-Terror dürfe nicht dazu führen, den schrecklichen Bürgerkrieg in Syrien aus den Augen zu verlieren.

Das Regime in Damaskus schert das vorerst kaum. Wie schon bei dem Sarin-Massaker 2013 in Ghouta geht es Damaskus vor allem um eines – zu demonstrieren, dass der Bruch humanitärer Tabus ohne Folgen bleibt und sich fundamentale internationale Normen ohne Probleme durchlöchern lassen.

Die Vereinten Nationen haben durch den syrischen Bürgerkrieg mehr Schaden genommen als durch jeden anderen Konflikt zuvor. Und auch Trumps plötzliche Drohungen sind vorerst mit Vorsicht zu genießen. Denn sollte die US-Armee etwa syrische Fliegerhorste bombardieren, wäre eine direkte Konfrontation mit Russland nicht mehr ausgeschlossen.

Im Kreml wächst der Zorn

Nicht zuletzt wegen der Gefahr einer solchen Eskalation dürfte auch im Kreml der Zorn über Assad wachsen, den Moskau dieser Tage einmal mehr gegen die globale Empörung verteidigen muss. Abrücken von seinem skrupellosen Verbündeten kann Russland nicht, weil es in Syrien eine feste strategische Machtbastion etablieren möchte. Doch die Zweifel wachsen, wie viel Einfluss der Kreml auf das syrische Regime wirklich hat. Denn Assads Untat in Chan Scheichun zerstört die frischen Hoffnungen auf eine Entspannung mit den USA unter Donald Trump. Und sie bringt die mühsame Kooperation mit der Türkei bei den Waffenstillstandsgesprächen in Astana in Gefahr.

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07.04.2017, 06:00 Uhr

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