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Spion auf Bewährung

USA: Mossad-Spitzel nach 30 Jahren Haft frei

Weil er Geheimdokumente an Israels Geheimdienst weitergegeben hatte, saß Jonathan Pollard 30 Jahre in US-Haft. Nun kam er mit 61 Jahren frei.

21.11.2015
  • AFP

Butner Der israelische Spion Jonathan Pollard ist nach 30 Jahren Haft in den USA auf Bewährung freigekommen. Der 61-Jährige habe gestern das Gefängnis von Butner (North Carolina) verlassen, sagte Jacques Semmelman, einer seiner Anwälte. Pollard sei "nach drei langen und schwierigen Jahrzehnten endlich wieder bei seiner Familie", sagte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Der Fall hatte die Regierungen Israels und der USA immer wieder beschäftigt und belastet die bilateralen Beziehungen bis heute. Der für die US-Marine tätige Pollard hatte von Mai 1984 bis zu seiner Verhaftung im November 1985 Israels Geheimdienst Mossad tausende Dokumente mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum übergeben. Dafür wurde der US-Bürger zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ende Juli entschied eine Bewährungskommission, Pollard vorzeitig zu entlassen. Er darf aber die USA fünf Jahre lang nicht verlassen. Pollard hat seit 1995 auch die israelische Staatsbürgerschaft.

Der Sohn einer jüdischen Familie aus Texas hatte beim Geheimdienst der US-Marine, wo er seit 1979 als zivil angestellter Analyst tätig war, Zugang zu brisanten Unterlagen. Neben Dokumenten mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum spielte er dem Mossad ein Handbuch zu, das dokumentierte, wie die USA die Kommunikation der Sowjetunion abhörten. Der damalige US-Verteidigungsminister Caspar Weinberger soll ausgesagt haben, die Dokumente seien vermutlich auch in die UdSSR gelangt.

Zudem gibt es Hinweise, dass Pollard auch Material an Südafrika weitergab und drei weiteren Staaten Geheimdokumente zum Kauf anbot. Nach eigener Aussage kassierte er vom Mossad mehrere hunderttausend Dollar.

Alle israelischen Ministerpräsidenten, die sich seit seiner Verurteilung 1987 für Pollards Freilassung einsetzten, blieben erfolglos. In Teilen der Bevölkerung Israels genießt Pollard Helden-Status. Vor allem die Nationalreligiösen und Radikalen der Siedlerbewegung gehen regelmäßig für ihn auf die Straße.

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21.11.2015, 12:00 Uhr

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