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Kompromisse, die beleben

Über 200 Interessenten kamen zur Präsentation der Entwürfe fürs Egeria-Areal

Zwei zweite Plätze, zwei vierte plus viele andere Entwürfe mit guten Ideen: In der Shedhalle sind seit Samstag alle Architekten-Lösungen zu sehen, die beim Wettbewerb für die Neugestaltung des Egeria-Geländes eingereicht wurden.

08.02.2010
  • Veronika Renkenberger

Tübingen. Dass der Sekt warm wird, war die große Sorge von Baubürgermeisterin Ulla Schreiber am Samstag. Unnötig: In der Shedhalle herrschte auch zur Mittagszeit Eiseskälte. Das hielt mehr als 200 Tübinger und Architektur-Interessierte nicht davon ab, bis zu zwei Stunden dort auszuharren bei der Ausstellungseröffnung. Drei Wochen lang werden alle 56 Entwürfe gezeigt, die beim Wettbewerb zur Bebauung des ehemaligen Egeria-Geländes eingereicht worden sind. Mit dabei auch die besten sieben, die am Samstag vorgestellt und prämiert wurden.

Auch zahlreiche Lustnauer schauten, was die Wettbewerber für das Neckarufer und das alte Industriegelände ersonnen haben. Darunter die Konrektorin der Dorfackerschule, Ingrid Hassberg, die mit im Ortsbeirat und am eigens für die Egeria-Bebauung gegründeten Runden Tisch Lustnau-Süd sitzt. „Die Entwürfe haben einen ganz guten Kompromiss gefunden“, fand sie. Es sei ja nicht einfach, zugleich Stadtplanung zu machen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und noch den Wunsch der Anwohner zu berücksichtigen, die es in ihrer dörflichen Struktur gern weiterhin dörflich hätten.

Kritik kommt von Alteingesessenen

Sie hat nun, da die beiden Erstplatzierten des Wettbewerbs öffentlich vorgestellt wurden, prompt kritische Stimmen gehört: „Den meisten ist es zu blockig, zu sehr Mühlenviertel und Südstadt.“ Diese Sorge teilt sie nicht: Später in der praktischen Ausführung werde es anders wirken. Das sagte auch Reinhard Volle vom Runden Tisch: „Jetzt beschäftigen sich die Leute mit pdf-Dateien. Dabei sind diese Pläne wie der Serviervorschlag auf einer Wurst-Dose. Wie die Architektur später im Detail aussehen wird, kann man gar nicht erkennen.“

Dezent im Hintergrund hielt sich Südstadt-Planer Andreas Feldtkeller. Erst auf Nachfrage ließ er durchblicken, dass das Lustnauer Konzept nicht ganz seinen Idealen entspricht. Was das Parken angeht und weil zu wenig Gewerbe eingeplant worden sei. Um einen lebendigen Stadtteil zu schaffen, bräuchte man Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche, die zu Fuß erreichbar sind – „das ist etwas anderes, als sie mit dem Auto in die Trompetenstunde zu bringen“. Er hofft, dass die Entwürfe noch weiter gedacht werden, so dass mehr Vielfalt einziehen wird.

Auch Tübingens frühere Bürgermeisterin Gabriele Steffen, die Feldtkeller begleitete, deutete Skepsis an. Sie fragte nach Schulen, Arbeitsplätzen und sagte: „Man kann nicht einfach in einen Plan reinschreiben: Lebensmittel – und dann kommt ein Laden und hält sich auf Dauer.“

Fürsprecherin Lustnauer Interessen am Runden Tisch war Silke Saur-Nagel, die am Samstag im Rahmen der Präsentation die Entwürfe aus Lustnauer Sicht kommentierte. „Wir wollten nie ein Quartier, ein zweites Französisches Viertel“, sagt sie. Wohnsilos und massive Fronten habe man ebenso bekämpft. Mit den jetzt ausgewählten Entwürfen samt Nachbesserungen kann sie leben. „Die hohe Bebauung geht zum Neckar hin, da hatten wir bisher durch das Heizwerk ja auch schon große Höhe.“ Richtung Ortskern werde es kleinteiliger, dort habe man das Mögliche getan „und den alten Teil ein bissle gerettet“. Kritikern hält sie entgegen: „Man hätte alles lassen können, wie es ist – oder aber was tun. Dafür war ein Kompromiss nötig, denn es muss sich ja rechnen.“

Längst nicht alle Lustnauer mäkeln. „Von den Ideen her sind hier ganz tolle Sachen dabei“, schwärmte Annegret Schwarz. „So etwas wie eine Insel ist nicht realisierbar, aber ich find's klasse.“ Ihr gefiel, dass die Stadt die Entwürfe ausstellt, und sie freut sich auf die Umsetzung: „Das wird den Stadtteil beleben.“

Wie es weitergeht, fasste OB Boris Palmer für die Besucher zusammen: Vier Wochen lang werden die beiden Sieger-Entwürfe nachgebessert. Dann entscheiden das Preisgericht und letztlich der Gemeinderat darüber, welcher der beiden realisiert wird. 2010 sollen die Abbrucharbeiten laufen, im Herbst 2011 können im Idealfall erste Bauarbeiten beginnen. „Jetzt wäre also ein guter Moment für Baugemeinschaften, mit den Vorbereitungen zu beginnen.“

Info

Die Entwürfe sind noch bis 25. Februar in der Shedhalle zu sehen: mittwochs und donnerstags von 17 bis 19 Uhr, freitags von 12 bis 14 sowie sonntags von 14 bis 16 Uhr.

Ausrutscher und Entschuldigung von Palmer

In seiner Rede zur Ausstellungseröffnung vergriff sich OB Boris Palmer in der Wortwahl: Er verglich die Architekten, die schon zur Egeria-Neugestaltung bereit stehen, mit Aasgeiern. Das sorgte unter den Anwesenden, darunter nicht wenige Architekten, für Irritationen und Ärger. Palmer gab sich später Mühe, das Ganze wieder einzufangen. Er entschuldigte sich stellvertretend für alle Architekten bei Burkhard Sambeth von der Tübinger Gruppe der Architektenkammer Baden-Württemberg.

Über 200 Interessenten kamen zur Präsentation der Entwürfe fürs Egeria-Areal
Merlin musste Fußball spielen, angeleitet von Reiterin Rebecca Müller aus dem Team „Die blonden Ringer“. Bild: Rippmann

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08.02.2010, 12:00 Uhr

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