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Giacomo Agostini: „Ich bin vergleichsweise höflich“

Über Männer, Motoren und begeisterte Massen

Von seinem Selbstbewusstsein hat er wenig eingebüßt: Giacomo Agostini, 70, ist Stargast beim „Retromotor“-Festival des Automuseums Boxenstop am Wochenende. Auch sonst ist er viel auf Achse. Mal Imola, mal Imatra, mal Mailand, mal Finnland. Seine Popularität ist ungebrochen.

06.09.2012
  • Eike Freese

TAGBLATT: Herr Agostini, den derzeitigen Moto-GP-Weltmeister Casey Stoner kennen nur echte Motorsport-Fans. Für Sie dagegen kommen am Wochenende Tausende nach Tübingen ...

Giacomo Agostini: Stimmt. Und wissen Sie, warum?

Nein. Erzählen Sie mal!

Ich war 15 Mal Weltmeister.

Na, das wussten wir jetzt schon. Aber davon abgesehen spricht das doch dafür, dass Motorradsport in der guten alten Zeit auch für die breite Masse populär war.

Über Männer, Motoren und begeisterte Massen
Auf den Pisten dieser Welt ist er immer noch der Größte – meistens jedenfalls: Giacomo Agostini, 15-facher Motorrad-Weltmeister, mit einem der unvermeidlichen „Grid Girls“ im Juli auf dem Sachsenring.

Vielleicht. Aber ich bin sicher auch deshalb so beliebt, weil ich immer mit den Fans in Kontakt war. Ich bin vergleichsweise höflich. Wenn es sich machen lässt, kriegt jeder ein Autogramm und ein Foto. Meistens lächle ich dazu.

Ist das nicht selbstverständlich?

Nein, überhaupt nicht. Erfolgreiche Fahrer meinen oft, sie sind die Könige. Und Könige reden nicht mit jedem.

Und warum machen Sie’s?

Weil man anständig bleiben muss. Die Leute lieben dich ja! Sie mögen dich für das, was du einmal auf der Rennstrecke getan hast. Du hast ihnen Emotionen gegeben.

Sie galten lange Jahre als unschlagbar. Jedes Jahr Weltmeister, zehn Jahre lang. Wann waren Sie zum ersten Mal davon gelangweilt?

Nie. Jeder Titel ist wichtig. Für jeden muss man viele, viele Rennen als Erster beenden. Du musst praktisch die ganze Saison mit dem Gewinnen verbringen.

Waren denn Sie oder Ihr Team damals die Wurzel des Erfolgs?

Beides. Es ging schon immer um das Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Eine Agusta war damals eine ernstzunehmende Maschine. Und ich selbst habe von meiner Mutter bei meiner Geburt vieles mitbekommen: Agostini war ein ernstzunehmender Fahrer.

Sie haben von 1966 bis 1975 gewonnen. Eine Zeit für heutige Nostalgiker. Elegante Maschinen, weniger Kommerz und ein nie dagewesenes mondänes Gefühl bei internationalen Rennen. War die Welt damals besser?

Na, für mich auf jeden Fall! Ich bin mit meiner Familie viel in Europa herumgekommen und habe Titel gewonnen. Und diese Zuschauerzahlen! 140.000 am Nürburgring, 160.000 am Hockenheimring. Das waren gute Zeiten! Die Wärme der Fans war unvergleichlich!

Was wollten diese Massen von Menschen denn da sehen?

Sie wollten Helden sehen. Motorradfahren ist nämlich vor allem etwas für junge Leute: Wenn man selbst von innen her brennt, mag man auch das Brumm-Brumm-Brumm der Motoren.

Das klingt sehr philosophisch.

Das ist so. Der „Motor“ beim Motorsport liegt zu 90 Prozent im Herz eines Menschen.

Über Männer, Motoren und begeisterte Massen
„Ago“ – der Unschlagbare: Giacomo Agostini, heute 70, gewann von 1966 bis 1975 jedes Jahr mindestens einen Weltmeistertitel: siebenmal in der 350er-, achtmal in der 500er-Klasse, auf Yamaha und MV Agusta. Agostini ist in Brescia geboren und in Bergamo aufgewachsen, wo er heute mit der Familie lebt. Er hat zwei erwachsene Kinder. IM Bild ist Agostini auf einer 350er-MV Agusta beim WM-Lauf 1976 auf dem Nürburgring zu sehen.

Sensationslust ist aber auch dabei. Die Gefahr gehört doch zum Motorradfahren wie der Rasen zum Fußball.

Stimmt, viele Leute sehen das Risiko gern. Und die Fähigkeit der Fahrer, damit umzugehen. Aber sie wollen keine wirklich bösen Unfälle sehen.

Woran machen Sie das fest?

Wenn wir Unfälle mit Toten hatten, kamen regelmäßig weniger Zuschauer zu den folgenden Rennen.

Mochten Sie selbst das Risiko?

Nicht wirklich. Das Risiko reizte mich nur, weil ich gleichzeitig die Sicherheit mochte. Ich sterbe nur äußerst ungern.

Trotzdem mussten Sie ihre Sportkarriere vor Ehefrau und Familie vertreten.

Ja, die mochten das nicht. Aber ich liebe Rennen. Deshalb hat mich das nicht geschert.

So einfach war das?

Ja, so einfach. Die wollten nicht. Aber ich wollte.

Dann passt jetzt vielleicht zwischendurch mal die Frage, inwiefern Motorradfahren in Ihren Augen ein Sport für Männer ist.

Motorradfahren ist Männersport. Das ist einfach so. Mädchen und Frauen versuchen es. Aber ihre Resultate stimmen nicht.

Resultate sind bei jeder anderen Sportart auch unterschiedlich.

Es gibt ja auch talentierte Frauen. Aber ich glaube, ein Motor ist mehr fürs Männliche als fürs Weibliche geschaffen. Das hat wohl Gott so entschieden.

Jetzt klingen Sie wieder ordentlich philosophisch.

Ja. Aber warum kriegen die Frauen die Kinder? Das ist doch die Natur der Dinge! Und Männer, die fahren halt Motorrad!


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