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Tiefflug über Tübingen

Über Reutlingen müssen Kampfjets höher hinaus

Ein lautes Donnern, brüllende Motoren – am Freitagvormittag brauste ein Kampfjet der Bundeswehr gleich zwei Mal im Tiefstflug über Tübingen. Ob er die nur in Ausnahmefällen zulässige Mindesthöhe von 150 Metern einhielt, konnte ein Luftwaffensprecher nicht sagen.

24.08.2012
  • Volker Rekittke

Tübingen. Nein, es war kein „Ami aus Afghanistan“, der sich nach Süddeutschland verflogen hatte, wie ein Tübinger in einer E-Mail ans TAGBLATT witzelte. Und auch kein russischer Mig-Jet konnte unbemerkt so tief in den deutschen Luftraum eindringen und kratzte am Freitag gegen 10.15 Uhr mit ohrenbetäubendem Krach beinahe am Tübinger Österbergturm. Sondern? „Wahrscheinlich ein Tornado aus Lechfeld“, sagt Martin Pfeiffer vom „Bürgertelefon Militärischer Flugbetrieb“ (kostenfreie Nummer: 0800 – 86 20 730). Auf dem Fliegerhorst Lechfeld bei Augsburg ist das Jagdbombergeschwader 32 mit seinen Tornado-Jets stationiert.

Nicht nur beim TAGBLATT meldeten sich einige Tübinger, die von donnernden Fliegermotoren aufgeschreckt worden waren. Anrufe gab es auch bei der Polizei und der Luftwaffen-Bürgerbeschwerdestelle. Bereits in den vergangenen Tagen und Wochen waren über Tübingen und über dem Steinlachtal extrem tieffliegende Kampfjets gesichtet und vor allem: gehört worden. Wie auch bei dem Düsenjäger, der am Freitag eine enge Schleife über die Universitäts- und Klinikstadt flog, waren zuvor wegen der geringen Höhe deutlich Cockpit und Form des Fliegers zu erkennen.

„Manöver oder große Übungen gibt es derzeit nicht in der Region“, sagt Luftwaffen-Mann Pfeiffer. Es handele sich um „individuelle Übungsflüge“. Aber dürfen Kampfjets überhaupt so tief über dicht besiedeltem Gebiet röhren? Sie dürfen, klärt Pfeiffer auf, wenn sie nicht unter 300 Meter gehen – unter der Woche von 7 bis 17 Uhr, Mittagsruhe ist von 12.30 bis 13.30 Uhr. Die Mindestflughöhe könne in Einzelfällen („es gibt da ein bestimmtes Kontingent“) auch schon mal 150 Meter betragen.

Wie tief und wie schnell der Kampfjet am Freitagvormittag tatsächlich flog, sei registriert worden, so Pfeiffer weiter. Auf eine entsprechende Anfrage des TAGBLATTs an die zuständige Luftwaffenstelle gab es bisher noch keine Antwort („wir haben Freitagmittag, schicken Sie doch eine Mail“).

Glück haben auf jeden Fall die benachbarten Reutlinger: Über Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern – also allen Großstädten – müssen Kampfjet-Piloten sich an eine Mindestflughöhe von 600 Metern halten. Pech für Tübingen mit seinen 89.000 Bewohner(inne)n.

Über Reutlingen müssen Kampfjets höher hinaus
Tornado-Kampfflugzeug von unten.

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24.08.2012, 12:00 Uhr

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