Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Überall kreiseln sich die Straßen, auch in der Region
Reif für die Verkehrsinsel

Überall kreiseln sich die Straßen, auch in der Region

Vor einigen Jahren gab es nur wenige Kreisverkehre im Kreis. Mittlerweile leisten sich auch Dörfer solche Verkehrsinseln. Das TAGBLATT widmet diesem Phänomen in den kommenden Wochen eine kleine Serie, die „Kreisverkehre im Kreis“ heißt.

05.08.2010
  • Ulla Steuernagel

Kreis Tübingen. In den Kreisverkehr-Charts ist Tübingen nicht gerade führend. „Tübingen ist keine Kreisverkehrsstadt“, bestätigt Winfried Köpschall vom Verkehrsplanungsamt der Stadt. Er muss nur seinen Blick ins Steinlachtal schweifen lassen. „Bei Mössingen“, so sagt er, „da denkt man gleich an blumige Kreisverkehre.“

Es gibt Städte, die – obwohl viel kleiner – in puncto Kreisverkehr viel mehr hermachen. Wer schon einmal ins Zentrum von Schorndorf vorgestoßen ist, wird ein Kreiseln im Kopf verspüren, bis er das Herz der Stadt erreicht hat. Dabei hat Schorndorf nur halb so viele Einwohner, aber mindestens dreimal so viele Kreisel wie Tübingen. Auf zehn Stück bringt es Schorndorf, während die Stadt Tübingen gerade mal für drei zuständig ist.

Warum Schorndorf so verrückt nach Kreisverkehren ist? Im Tiefbauamt dort begründet man es damit, dass man rechnen könne. Die Kreuzung mit Ampel sei die teurere Lösung, denn pro Ampel würden jährlich etwa 35 000 Euro für Strom und Wartung ausgegeben. Was die Unfallzahl angeht, machten sich die Kreisverkehre in Schorndorf dadurch bemerkbar, dass sie diese zwar nicht deutlich senkten, aber die Schäden dafür viel geringer ausfielen.

Vor allem nachts sind Maulwurfshügel gut

Bei der Tübinger Polizei sitzen ebenfalls viele Kreisverkehr-Fans. Pressesprecher Ewald Raidt nennt sogleich den wichtigsten Grund: „Weil der Kreisverkehr eine Geschwindigkeitsbremse ist.“ Und das wirkt sich im Einzelfall richtig segensreich aus. „Wir favorisieren bei Unfallbrennpunkten immer den Kreisverkehr.“

Raidt hat sich die Unfallzahlen an der ehemaligen Eckbergkreuzung bei Dettenhausen angeschaut, die seit September letzten Jahres zum Kreisverkehr umgebaut ist. 2007 gab es hier noch sechs Unfälle mit drei Schwer- und drei Leichtverletzten und einen Sachschaden von 70 000 Euro. 2008 kam es an dieser Stelle zu acht Crashs mit vier Leichtverletzten und 80 000 Euro Sachschaden. Im Jahr 2009 waren es, bis zur Kreisverkehrseröffnung am 18. September, vier Unfälle mit zwei Leichtverletzten und 30 000 Euro Schaden. Seit die Kreuzung nun ein Kreisel ist, kam es zu nur einem einzigen Unfall – Schadensbilanz 250 Euro. Damit ist auch schon das größte Problem einer solchen Runderneuerung benannt: die Gewohnheit der Fahrer. „Am Anfang kommt es manchmal zu Unfällen, obwohl“, so betont Raidt, „wir immer gut ausschildern.“

Rottenburgs Tiefbauamtsleiter Manfred Wanner erinnert sich, dass es in Wendelsheim an der L 370 trotz verkehrsberuhigendem Kreisverkehr mehrmals zu Unfällen kam. „Nachts haben manche den Kreisel nicht registriert“, sagt Wanner. Die Fahrer landeten dann mit ihren Fahrzeugen auf der Verkehrsinsel. Deshalb ähneln die Kreisel auch oft großen Maulwurfshügeln. Die aufgeschüttete Erde soll die Durchsicht verhindern, die vor allem nachts bei Gegenverkehr trügerisch sein kann.

Mitten in Rottenburg gibt es einen relativ neuen Kreisel am Eugen-Bolz-Platz. Hier wurden zwei versetzte Kreuzungen zusammengezogen. Bedenken gegenüber dieser Kreislösung richteten sich vor allem darauf, wie Auto- und Busverkehr an dieser Stelle mit den Fußgängern, besonders bei Schulschluss, harmonieren. Um die Mittagszeit werde es manchmal eng, aber das sei kein Vergleich mit den Rückstaus in den früheren Ampelzeiten, so Wanner.

In Tübingen sieht Verkehrsplaner Köpschall im innerstädtischen Bereich keinen weiteren Kreisverkehrsbedarf. Kreisverkehre bringen, seiner Ansicht nach, in der Stadt oft Probleme, weil sie die Fußgängerwege verlängerten. Dem Unfallschwerpunkt Kälberstelle wünschte er dagegen dringend eine Kreiselberuhigung. Diese Idee scheitert vorerst jedoch am Geld.

Wer zählt die Kreisel, nennt die Zuständigkeiten?

Das Kreisverkehr-Zählen leidet vor allem unter der Zuständigkeitsfrage, denn am Kreisverkehr treffen oder trennen sich die Behörden. Schließlich können Kreis-, Land- und Bundesstraßen in einen einzigen Kreisverkehr fließen. Das Regierungspräsidium Tübingen kommt auf zehn außerörtliche Kreisel im Kreis Tübingen und sieben im Kreis Reutlingen. Laut Landratsamt ist der Tübinger Landkreis mit 19 Kreiseln gesegnet. Hinzu kommen noch drei innerörtliche in Tübingen, fünf weitere in den Steinlach-Wiesaz-Gemeinden und noch zwei in der Rottenburger Kernstadt. Um die 29 Kreisel könnten es also im Kreis Tübingen sein. Für diese Zahl übernehmen wir jedoch keinerlei Gewähr. Außerdem gibt es auch noch so genannte falsche Kreisel wie etwa den Kreisverkehr beim Hornbach. Nicht jeder Kreisverkehr hat außerdem echte vier, mancher eben auch nur drei Arme.

Überall kreiseln sich die Straßen, auch in der Region

Überall kreiseln sich die Straßen, auch in der Region

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.08.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball