Kreis Freudenstadt · Kommunikation

Übers Klima ins Gespräch kommen

Der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord hat über den Sommer 16 Klimabotschafter ausgebildet. Sie wirken künftig von Calw bis Wolfach und in ganz unterschiedlichen Bereichen.

14.10.2022

Von Dunja Bernhard

Die Ausbildungsinhalte wurden häufig in der Natur vermittelt. Hier sitzen die angehenden Klimabotschafter an einem Hang gegenüber des Windparks Hohenlochen und lauschen den Ausführungen von Ingenieurin Lena Kircheisen. Bild: Florian Schmid

Die Ausbildungsinhalte wurden häufig in der Natur vermittelt. Hier sitzen die angehenden Klimabotschafter an einem Hang gegenüber des Windparks Hohenlochen und lauschen den Ausführungen von Ingenieurin Lena Kircheisen. Bild: Florian Schmid

Wie wirkt sich der Klimawandel im nördlichen und mittleren Schwarzwald aus und welche Veränderungen sind notwendig, um die Klimakrise aufzuhalten? Diesen Fragen gingen 16Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen Klimabotschafter-Ausbildung des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord nach. Am 8. Oktober nahmen sie von Naturpark-Klimaprojektmanager Florian Schmid ihre Klimabotschafterzertifikate entgegen. Im vorigen Jahr hatte der Naturpark dieses Format das erste Mal 16Schwarzwald-Guides angeboten. Macht insgesamt 32 Klimabotschafter. Im nächsten Jahr sollen die nächsten hinzukommen. Und weitere Naturparke haben Interesse an der Ausbildung signalisiert. Naturpark-Projektmanager Florian Schmid hat das Format konzipiert.

Zwischen Mitte 20 und fast 70

Doch was motiviert Menschen, drei Wochenenden lang, Vorträge zu hören, sich Klimaschäden anzuschauen, die Technik erneuerbarer Energien erklärt zu bekommen und über das Klima zu philosophieren? Diese Frage beantworteten die Teilnehmenden zwischen Mitte 20 und fast 70 Jahren so unterschiedlich, wie ihr Hintergrund ist: Kindergärtnerin, Verkäuferin, Unternehmer aus dem Energiesektor, Lehrerinnen, Touristikerin, Hochschuldozent, Übersetzerin. Wald- und Erlebnispädagogen, Landwirt und Redakteurin.

Sie wollten das Zertifikat als weiteren Qualifikationsnachweis, Tipps, wie sie Klimathemen mit Kindern bearbeiten und sie zu nachhaltigem Handeln motivieren können. Die eigene Klimabilanz interessierte und der Austausch mit den anderen Teilnehmern. Die angehenden Klimabotschafter versprachen sich von der Weiterbildung Argumentationsfestigkeit und vor allem einen Wissenszuwachs.

Den gab es vom ersten Tag an. Nach einem Kennenlernen und einer philosophischen Rund, in der jede Aussage stehen gelassen wurde, ohne sie zu diskutieren, bekamen die 16 Grundlagen über den Klimawandel vermittelt. Lehrer und Umweltpädagoge Thomas Fritz sprach dabei betont von Klimakrise. „Das ist die heftigste Krise der Menschheit, aber wir haben noch eine Chance“, machte er Mut.

An dieser Chance wollen die Klimabotschafter mitarbeiten. In der Abschlussrunde nach sechs vollgepackten Tagen mit Exkursionen und Vorträgen formulierten sie ihre Handlungsziele: „An Demonstrationen teilnehmen“, „Mit Politikern sprechen“, „Mich einer Klimagruppe anschließen“, „Vermehrt Texte über den Klimawandel veröffentlichen“, „Mich mit anderen vernetzen“, „Mitarbeitern durch ganz praktische Angebote Klimaschutz einfacher machen“, „Das Thema in Gästeführungen einbauen“ und „Angebote für Kinder entwickeln“.

Zwischen Stadt und Moor

Zwischen den Erwartungen und den formulierten Zielen lag der Besuch des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums (LTZ) Augustenberg in Rheinstetten und des Aspichhofs in Ottersweier (wir berichteten über beide Projekte), ein Tag mit Förstern in den Wäldern rund um Bühlertal sowie ein Besuch des Holohmoores in Kaltenbronn und eine Ausbildungseinheit in Offenburg, bei der es um Klimamanager, Fernwärme und Mobilitätskonzept ging, sowie ein Besuch des Windparks Hohenlochen bei Hausach.

„Die Erkenntnis, welch nachhaltiges Energie-Potential im Schwarzwald steckt, das war für die meisten sehr beeindruckend“, berichtet Naturpark-Projektmanager Schmid. Die Informationen kamen stets von Experten vor Ort, die keinen kritischen Fragen auswichen. Auf dem Hohenlochen rollten Gemeinderäte aus Hausach nochmal den Prozess von der Idee eines Windparks über den Bürgerprotest bis zur Verwirklichung auf.

Die Wissensmenge, die den Teilnehmern aus erster Hand vermittelt wurde, war enorm. Zwischen Daten und Fakten stachen immer wieder Anregungen hervor, das eigene Handeln zu überdenken. So mussten zwischen den Ausbildungsorten lange Strecken mit dem Auto zurückgelegt werden – nicht sehr klimafreundlich, wie gleich mehrere bemerkten. So bildeten sich Fahrgemeinschaften, um möglichst viele Menschen in möglichst wenigen Fahrzeugen zu transportieren. Und auch den Weg vom Wohnort nach Bühlertal und Offenburg legten viele Teilnehmer in Fahrgemeinschaften zurück. Nikolai Stotz aus Calw war es sogar gelungen, eine Kooperation mit dem Car-Sharing-Anbieter Deer zu schließen. So stellte die Firma den Klimabotschaftern, die aus der Nähe von Calw kamen, zwei E-Autos kostenlos zur Verfügung.

Wie Kommunikation gelingt

Doch wie können die Klimabotschafter künftig das neu erworbene Wissen weitergeben und so vermitteln, das es eine Auswirkung hat? Antworten hatte Umweltpsychologin Nathalie Niekisch von der Initiative „Wandelwerk“. Der Mensch hat zwei Reizverarbeitungssysteme, ein spontanes, emotionales und ein analytisch reflektierendes. Ersteres reagiert schnell, letzteres braucht länger. Katastrophenbilder lösen Gefühle aus und bewirken so eine schnellere und heftigere Reaktion als ein Vortrag ohne Bildmaterial. Gespräche laufen über die analytische Schiene. Damit sie Wirkung entfalten können, ist ein ansprechen der Gefühle notwendig, über besondere Aufmerksamkeit für das Gegenüber, ein Abfragen seiner Empfindungen. Menschen, die einem selbst ähnlich sind, lassen sich mit einer Botschaft eher erreichen, als solche, die ganz anders ticken, berichtete Niekisch.

Beste Voraussetzung, dass die Klimabotschafter, die aus der Region zwischen Calw und Wolfach und aus ganz unterschiedlichen Lebensbereichen und Berufen kamen, viele Menschen erreichen und mit ihnen über den Klimawandel, seine Auswirkungen und was jeder einzelne dagegen tun kann, ins Gespräch kommen.

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Erstellt:
14.10.2022, 16:47 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 50sec
zuletzt aktualisiert: 14.10.2022, 16:47 Uhr

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