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Prognose positiv

Uli Hoeneß versucht über einen Antrag, die Haft um die Hälfte zu verkürzen

Der wegen Steuerdelikten verurteilte Ex-Präsident des FC Bayern wird seine Gefängnisstrafe voraussichtlich Anfang März beenden können. Welche Rolle er danach bei dem Rekordmeister übernimmt, bleibt offen.

04.11.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm Vor ein paar Tagen, als im Münchner Norden der Grundstein für das neue Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern gelegt worden ist, war Uli Hoeneß voll in seinem Element. Der ehemalige Präsident des Rekordmeisters führte die Gruppe der Mitglieder aus Vorstand und Aufsichtsrats an, als er das provisorisch aufgestellte Festzelt auf dem neuen Klubgelände betrat. Er führte mehrere Gespräche, seine Augen glänzten ob des Vorzeigeprojekts, das mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 70 Millionen Euro bis zum Jahr 2017 aus dem Boden gestampft wird. Für Hoeneß, der aufgrund von schwerwiegenden Steuerdelikten seit Juni 2014 eine Haftstrafe zu verbüßen hat und seit Anfang des Jahres als Freigänger unterwegs ist, war es ein Schritt zurück in das Leben in Freiheit. Die nächste, wohl wichtigste Etappe ist vorbereitet: Hoeneß hat den Antrag auf vorzeitige Entlassung aus der Haft gestellt. Folgt das zuständige Gericht seiner Argumentation, ist der in Ulm geborene Spitzenfunktionär Anfang März 2016 ein freier Mann.

Auf juristischem Weg versucht Hoeneß, die eigentliche Haftstrafe von dreieinhalb Jahren um die Hälfte zu verkürzen. Im März 2013 wurde er verurteilt, weil er nachweislich Steuern in Höhe von 28,5 Millionen Euro hinterzogen hatte. Der Antrag auf Haftverkürzung ist bereits bei den zuständigen Justizbehörden eingegangen, Hoeneß' Anwalt bestätigte einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung.

Aufenthalte im Gefängnis zu halbieren, ist eine gängige Praxis, die den Rechtsprechern obliegt. Entscheidend ist generell, ob der Häftling die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt. Es geht grundsätzlich um den Gesamteindruck, das Verhalten des Verurteilten, auch muss es sich um die erste Straftat handeln und die soziale Prognose positiv ausfallen. Allein in Bayern sind in den vergangenen fünf Jahren mehr als 1000 Sträflinge vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Im Fall Hoeneß fällt auf, dass sich der früher omnipräsente Hauptdarsteller in der Rolle als Freigänger, der zwischen Schlafstätte im Gefängnis und Arbeitsplatz pendelt, extrem zurückhält. Auch auf Anraten der Behörden und seiner juristischen Berater verzichtet Hoeneß seit über einem Jahr auf groß angelegte Interviews, vereinspolitische Kommentare oder strahlende Auftritte im Blitzlichtgewitter. An seiner von der Justiz genehmigten Arbeitsstelle in der Jugendabteilung der Bayern ist er täglich präsent.

Er spricht regelmäßig mit den Kluboberen wie Präsident Karl Hopfner oder Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorsitzenden des Vorstands, und er debattiert mitunter gestenreich mit den Verantwortlichen im sportlichen Bereich wie Manager Matthias Sammer und Trainer Pep Guardiola. Manchmal plaudert er auch mit den Superstars wie Arjen Robben oder Philipp Lahm dem Kapitän. Es war ihm eine Herzensangelegenheit, 40 jugendliche Flüchtlinge, die ohne Anhang nach Deutschland gekommen sind, zum Training an die Säbener Straße und auf die Tribüne der Allianz Arena einzuladen. Hoeneß selbst stattete dem Fußballtempel der Münchner seit dem Antritt seiner Haftstrafe keinen Besuch mehr ab, dafür sitzt er mit Ehefrau Susi gerne bei den Heimspielen der klubeigenen Basketballer auf der Tribüne.

Dieser FC Bayern, der sportlich, gesellschaftlich wie wirtschaftlich rund um den Globus strahlt, ist sein Lebenswerk. In welcher Rolle er dem Klub in Zukunft zu dienen gedenkt, ist selbst langjährigen Weggefährten wie Rummenigge und Hopfner unklar. Die Hälfte von Hoeneß' Haftstrafe endet am 2. März 2016.

Uli Hoeneß versucht über einen Antrag, die Haft um die Hälfte zu verkürzen
Uli Hoeneß bei der Grundsteinlegung des Münchner Nachwuchsleistungszentrums. Foto: afp

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04.11.2015, 12:00 Uhr

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