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Deutschland als Abenteuer

Ultralaufen: Die Mühringerin Heike Christ läuft 17 Tage lang durch die Republik

Von Rügen bis nach Lörrach – diesem Wagnis stellt sich die Mühringer Ultraläuferin Heike Christ beim sechsten Deutschlandlauf von Montag an bis zum 22. September. „Meine Familie weiß, dass die Mama verrückt ist“, sagt die 40-Jährige.

04.09.2010
  • Diana Nägele

Mühringen. Heike Christ (LT Sulz am Eck) läuft und läuft und läuft – und das für ihr Leben gern. Am Montag startet sie beim 1200 Kilometer langen Deutschlandlauf. Durch sechs Bundesländer geht es in 17 Tagen vom Kap Arkona auf der Insel Rügen ins süddeutsche Lörrach. Der Deutschlandlauf ist die bisher größte läuferische Herausforderung, der sich die 40-Jährige stellt. „Mein Ziel ist es, den Lauf zu finishen“, sagt Christ, die erst vor sechs Jahren mit dem Laufen begonnen hat. Bisher hat sie bereits bei vielen Ultraläufen teilgenommen, doch noch nie ist sie bei einem Lauf angetreten, der in etwa der Größe des Deutschlandlaufs entspricht oder auch nur annähernd vergleichbar wäre.

Vom Arbeitsplatz nach Hause im Jogging

Warum also diese Strapazen? „Mich reizt es, Grenzen zu verschieben und zu überwinden“, sagt Christ, die schon an vielen 24-Stunden-Läufen teilgenommen hat und von sich behauptet, dass sie sich dabei am wohlsten fühle. Außerdem wird es wahrscheinlich der letzte Deutschlandlauf sein, den Laufkollege Ingo Schulze organisiert (siehe „Anpfiff“). „Wenn ich jetzt nicht antrete, würde ich es sicherlich irgendwann bereuen“, sagt Christ. Außerdem reize sie am Deutschlandlauf die Heimat einmal per Fuß zu durchqueren. „Man kann das Land, in dem man lebt und aufgewachsen ist, mit dem Hobby verbinden und gleichzeitig besser kennen lernen – das finde ich einfach toll.“

Während sie an ihrer Leistung noch zweifelt, glauben Freunde und ihre Familie fest an sie und sprechen ihr Mut zu. Sätze wie „Du schaffst das locker!“, hört die 40-Jährige häufig. Dieser Mutzuspruch ist nicht abwegig: Immerhin war Heike Christ beim siebentägigen 442,195 Kilometer-Lauf in der französischen Stadt „Chartres“ im „Département Eure et Loire“ Zweite bei den Frauen und Sechste in der Gesamtwertung .

Für das Training joggt sie jeden Tag von ihrem Arbeitsplatz im Horber Industriegebiet zu ihrem Wohnort nach Mühringen. „Mit einem kleinen Umweg über die Felder habe ich dann immerhin schon 20 Kilometer hinter mir“, sagt Christ. Der Körper müsse sich an das tägliche Laufen gewöhnen.

Beim Deutschlandlauf müssen die Teilnehmer täglich das drei- oder sogar vierfache an Kilometern zurücklegen. Im relativ flachen Norden warten auf die Läufer die längeren Etappen, bei denen sie bei einer Geschwindigkeit zwischen sechs und zehn Kilometern bis zu 15 Stunden unterwegs sein werden. Im bergigen Süddeutschland sind die Etappen kürzer geplant, doch auf dem Feldberg im Schwarzwald warten auf die Teilnehmer andere Schwierigkeiten. „Der Lauf ist für mich ein großes Abenteuer“, sagt Christ. Bei den vorangehenden fünf Deutschlandläufen haben insgesamt nur neun Frauen durchgehalten und seien durchs Ziel gelaufen. Heike Christ hat großen Respekt und ist froh, wenn ihr Lauf überhaupt gewertet wird.

Denn nicht nur die Kilometer sind von Veranstalter und Organisator Ingo Schulze vorgegeben, die Sportler müssen dies alles auch in einer bestimmten Zeit schaffen. Mit den Details der Strecke hat sich Heike Christ nicht beschäftigt. „Das macht mich nur nervös, wenn ich weiß, was alles auf mich zukommt und ich bezwingen muss“, sagt sie und lacht. Dafür hat sie sich mit dem Inhalt ihres Koffers für alle Eventualitäten gewappnet: vier Paar Turnschuhe, Kleidung für jedes Wetter, Sprays, Kühlpacks und Binden. Und nicht zu vergessen: etwas zu essen. Denn kaum ist eine Etappe erreicht, braucht die Mühringerin etwas zwischen den Zähnen. „Ich könnte dann nicht noch eine Stunde warten, bis es etwas zu essen gibt“, sagt Christ. Auch unterwegs kaut sie gerne mal auf einer Scheibe Brot. „Dann habe ich beim Laufen was zu tun, und die Zeit vergeht schneller“, sagt sie. Schließlich verbrauche sie über 3000 Kalorien pro Tag. „Das muss wieder rein kommen“, sagt Christ.

Für die Teilnahme am 17-tägigen Lauf hat die Angestellte Urlaub genommen. Für die Familie sei das Unternehmen keine große Überraschung gewesen, „die sind schon viel gewohnt und wissen, dass die Mama verrückt ist“, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern. Jeden Tag möchte sie sich per SMS zu Hause melden und darin kurz berichten, wie es ihr ergangen ist. An der Ziellinie in Lörrach wird sie dann von ihrer Familie erwartet, sofern sie bis dahin noch im Rennen ist.

Info Streckenübersicht und Informationen über den Deutschlandlauf im Internet unter www.deutschlandlauf.com

Ultralaufen: Die Mühringerin Heike Christ läuft 17 Tage lang durch die Republik
Heike Christ startet beim sechsten Deutschlandlauf.Archivbild

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04.09.2010, 12:00 Uhr

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