Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Schnitzereien der Ministranten

Um den alten Ministrantenschrank ranken sich Anekdoten / Kirchturmspendern wird gedankt

Die Schäden am Kirchturm der Sankt-Georg-Kirche waren enorm. In den vergangenen Monaten haben die Handwerker das weithin sichtbare Wahrzeichen in Beschlag genommen. Seit wenigen Wochen ist auf dem Kirchturm Ruhe eingekehrt.

21.11.2015

Von Emil Henger

Empfingen. Klopfen, Hämmern und Maschinengeräusche vermischten sich mit dem Glockengeläut. Die Steinmetze begannen die Arbeiten am 11. Mai. Nach dem Ende der Sanierungsarbeiten Mitte Oktober erstrahlt der Kirchturm nun in neuem Glanz. Dies auch, weil die Zifferblätter der Uhr mittlerweile komplett ersetzt worden sind und im kräftigem Rot leuchten. Übrigens: Drei Zifferblätter bietet Sankt Georg zum Kauf an, eines ist im Besitz des Heimatkreises.

108 000 Euro muss die Seelsorgeeinheit Empfingen-Dießener Tal für die Turmsanierung noch aufbringen. Für die finanziell klamme Kirchengemeinde Sankt-Georg ist dies ein Kraftakt und nur über Spendengelder möglich. Wie schon in den vergangenen Jahren bei der Orgelrenovierung und anderen Sanierungsarbeiten an der Kirche, zeigten sich die Empfinger Katholiken großzügig. Viele kleine und große Einzelspenden gingen ein, eine Briefaktion von Sankt Georg brachte 28 000 Euro, und der kirchliche Bauförderverein steuerte 10 000 Euro bei. Als letzten Akt vieler Spenden für die Kirchengemeinde übernahm die Frauengemeinschaft, ehe sie sich auflöste, die Sanierungskosten für einen Quadratmeter in Höhe von 240 Euro.

Nun möchte die Kirchengemeinde allen Spendern der Kirchturmsanierung danken. Nach dem Gottesdienst in der Sankt-Georg-Kirche am morgigen Sonntag, er beginnt um 10.30 Uhr, ist für die Geldgeber ein Stehempfang im Gemeindehaus. Danach, und dann den ganzen Sonntag lang, kann von der Bevölkerung der Kirchturm bestiegen und von innen besichtigt werden. Wenn es gewünscht wird, und davon kann man ausgehen, wird Josef Baiker die Interessenten führen. Der Capo für Bauangelegenheiten der Kirchengemeinde weiß viele Details und kennt sich im Kirchturm wie in seiner Westentasche aus.

Morgen in den

Kirchturm steigen

Wer das Gestühl hinauf geht, dem fällt auf, dass sich auch im Innern einiges getan hat. Der Holzboden in der Glockenstube wurde erneuert, die Kirchenglocken erhielten neue Klöppel, die Stahljoche am Glockengestühl sind gegen Holzjoche getauscht worden, Elektroleitungen wurden nach den neuesten Sicherheitsbestimmungen erneuert.

Beim Gang hinauf sehen die aufmerksamen Betrachter einen Schrank, der mit unzähligen Kritzeleien, Namen, Initialen oder Geburtstagen übersät ist. Der Holzschrank stand vor vielen Jahren in der Sakristei und diente den Ministranten zum Aufbewahren der Ministrantenkleidung.

Rudolf Kleindienst, einst Ministrant, kann sich daran erinnern, dass der eine oder andere Kirchendiener in den Schrank gesperrt wurde. „Aber nur wenn der Pfarrer nicht da war.? „Wir wollten uns halt verewigen und der Pfarrer hat´s akzeptiert?, entsinnt sich Thomas Henger. Weniger erfolgreich waren er und seine Klassenkameraden, als sie sich als 13-Jährige während eines Schullandheimaufenthalts in Südtirol über einen Schrank hermachten und ihre Namen ins Holz kritzelten. Der Hausherr bemerkte dies, die Schüler mussten blechen. „Das Taschengeld war hin?, blickt Henger auf die ereignisreichen Tage zurück.

Ein weiterer Schrank hat ein interessantes Innenleben. Darin ist das ehemalige Uhrwerk der Kirchturmuhr aus dem Jahr 1888 untergebracht. Wann genau die erste Uhr im Kirchturm die Zeit anzeigte, ist nicht überliefert. Mit der Turmerhöhung 1592 dürfte eine Uhr eingebaut worden sein, im Jahre 1608 wurde erstmalig eine Uhr erwähnt. Als 1952 der neue Glockenstuhl erbaut wurde, ist auch das Schlagwerk elektrifiziert worden. Die Uhr aus dem Jahre 1888, die noch einen Handaufzug hatte, tat bis 1969 ihren Dienst und fristet nun ihr Dasein im Holzschrank. Sie wurde durch eine vollelektrische Turmuhranlage mit neuen Zifferblättern ersetzt.

An das ehemalige Uhrwerk hat Emma Roth noch gute Erinnerungen. Die 76-Jährige und ihre Zwillingsschwester Fine hatten eine große Freude, wenn der Mesner Xaver Schäfer, im Flecken als „Kircha-Wanger? bekannt, die beiden Kinder die Glocke läuten ließ. Großen Spaß hatten sie, wenn sie vom Seil weit vom Erdboden in die Höhe gezogen wurden. Auch Emil Schenk, der Enkel des Mesners, durfte als Bub am Sonntagnachmittag mit dem Glockengeläut die Gläubigen zur Andacht rufen.

Das alte Uhrwerk aus dem Jahre 1888 auf der Bühne der Empfinger Pfarrkirche St. Georg.Bilder: emi

Der ehemalige Ministrantenschrank auf der Bühne der Empfinger Pfarrkirche St. Georg ist ein Kunstwerk geworden.

Zum Artikel

Erstellt:
21. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. November 2015, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Aus diesem Ressort