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Um eins klingelt der Wecker
Rosenköhlchen bis zum Horizont: Christian Merz auf seinem Feld in Rommelshausen. Foto: Ingrid Sachsenmaier
Gemüse

Um eins klingelt der Wecker

Das Anbaugebiet für Rosenkohl um Rommelshausen im Rems-Murr-Kreis gehört zu den größten in Deutschland. Jetzt ist Hochsaison.

15.12.2016
  • INGRID SACHSENMAIER

Rommelshausen. Beim Spaziergang über die Felder zwischen Fellbach, Waiblingen und dem Ortsteil Rommelshausen der Gemeinde Kernen sind sie unübersehbar: die Kulturen mit Rosenkohl. Rommelshausen ist eines der größten Anbaugebiete für dieses Gemüse in Deutschland. Derzeit ist Hochsaison.

Der Morgen ist frostig und trocken, die Sonne scheint. Ideale Bedingungen für die Erntehelfer des Gemüsebauers Merz. Mit einem kräftigen Buschmesser kappen sie die kniehohen Rosenkohl-Stauden. Männerarbeit. Jede Staude befreien sie danach von ihren dicken Blättern.

Die Rosenkohl-Röschen, die gleichmäßig um die Stange angeordnet sind, kommen zum Vorschein. Die Stangen sind schwer. Mit Schwung stapeln die Männer eine nach der anderen im großen Holzbehälter. Im Betrieb von Christian und Reiner Merz werden sie nachher wieder einzeln in eine Maschine gesteckt, vorne fallen die Röschen und einige dünne Stängel in einen Behälter, hinten kommt die kahle Stange raus.

Nach dem Aussortieren ist die Ware fertig für den Großmarkt. Christian Merz ist an sechs Tagen in der Woche dort und beliefert Händler. So hat es schon Vater Siegfried gemacht, und so machen es auch die Söhne. Reiner (50) ist Landmaschinenmechaniker, sein Bruder Christian (49) hat in Hohenheim studiert. Jeden Morgen um 1 Uhr klingelt bei ihm der Wecker.

Der Betrieb hat 25 Hektar Fläche. Auf den Feldern steht inzwischen fast nur noch Rosenkohl, der kleine Spitzkohl ist schon im Lagerhaus, Fenchel und Staudensellerie auch. Auch die Broccoli-Saison ist beendet. „Kohl haben wir mittlerweile fast ganzjährig im Sortiment“, erklärt der gelernte Gärtnermeister Christian Merz. 1,5 Hektar Rosenkohl hat er dieses Jahr angepflanzt. Zwei andere Gemüsebauern im Ort hätten noch größere Flächen, sagt er. „Rommelshausen hat gute Böden, hier ist ein Schwerpunkt für den Rosenkohlanbau, wir gehören zu den größten in Deutschland.“

Bei Merz gedeihen vier verschiedene Sorten in den schweren, sandigen Lehmböden – vom frühen bis zum späten Rosenkohl. So kann die Nachfrage der Kunden über mehrere Monate befriedigt werden. „Die frühe Sorte ist schon durch“, sagt Merz. Im Mai hat er sie gepflanzt, die Setzlinge bekommt er aus Essingen bei Aalen. Den Sommer hindurch muss er Unkraut beseitigen, Pflanzenschutz betreiben und die Felder kontinuierlich mit Wasser versorgen. Die frühen Sorten „köpft“ er. Merz: „Wir nehmen den Stauden den Gipfel.“ Das verhindert, dass die Pflanzen in die Höhe wachsen und dadurch an Qualität einbüßen. Allerdings seien sie durch das Köpfen frostempfindlicher.

Längst sind die Zeiten vorbei, als vor der Ernte Frost über den Rosenkohl gehen musste, damit er die Bitterstoffe verliert. Die Bitterstoffe seien bei den neuen Sorten rausgezüchtet worden, sagt Merz. Die großen Blätter schützen die zarten grün-weißen Röschen, die einen Durchmesser von zehn bis 50 Millimeter erreichen.

Nach der Beobachtung des Gemüsebauers erleben Rosenkohl und Grünkohl derzeit eine Renaissance: „Es soll ja das zweitgesündeste Gemüse nach Paprika sein.“ Dieses Jahr bekommt er 2,20 bis 2,40 Euro fürs Kilo auf dem Großmarkt. Letztes Jahr seien es nur 1,40 bis 1,60 Euro gewesen. „Da überlegt man sich dann schon, ob sich das noch rechnet.“ Immerhin ist er mit der Produktion von Rosenkohl das ganze Jahr beschäftigt. Wenn die Felder abgeerntet sind, werden Blätter und Stängel untergepflügt; Rosenkohl zehrt den Boden stark aus.

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15.12.2016, 06:00 Uhr

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