Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Überwiegend gute Kontakte

Umfrage unter Rottenburger Migranten: Wenig Probleme

Jeder zehnte Rottenburger ist anderer als deutscher Abstammung. Größere Probleme fürs Zusammenleben folgen daraus offenbar nicht – dies war das bemerkenswerte Ergebnis einer Umfrage unter Migranten, die am Dienstag im Gemeinderat vorgestellt wurde.

29.11.2012
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Der Integrationsprozess in Rottenburg dauert schon eine ganze Weile. Anfang der 80er Jahre organisierte der Arbeitskreis Ausländische Mitbürger internationale Feste, berichtete Bürgerengagement-Beauftragte Birgit Reinke. 2008 entstand ein Initiativkreis, um die Integration Rottenburger Bürger ausländischer Herkunft zu verbessern. Auf drei Integrationsforen 2009 und 2010 wurden viele Projektideen zur Verbesserung der Beziehung geboren; einige davon sind inzwischen mit Erfolg umgesetzt worden.

In Vorbereitung auf das vierte Integrationsforum (am 23. März 2013) erkundete der Initiativkreis Migration nun mit Hilfe eines Fragebogens bei rund 200 Rottenburgern ausländischer Abstammung, wie sie leben, sich fühlen, wie sie mit ihrer Situation zufrieden sind. Die Antworten wurden von Holger Mirek ausgewertet. Der Personal- und Organisationsentwickler staunte nicht schlecht, wie vielen es in Rottenburg gut gefällt, nämlich 178 von 205 Befragten. Nur zwölf hätten mit „Nein“ geantwortet, darunter eine Gruppe von sechs türkischstämmigen Schülern aus Ergenzingen.

Einschränkend musste Mirek allerdings einräumen, dass 205 von insgesamt 4327 Bürger(inne)n ausländischer Herkunft in Rottenburg keine besonders aussagekräftige Stichprobe sind – zumal die Auswahl gruppenspezifisch bei Vereinen, Schulen, Unternehmen und Institutionen erfolgte. Auch liegen offenbar nicht aus allen Teilorten Antworten vor. Dennoch gebe die Umfrage grobe Hinweise auf die Situation der hier lebenden Migranten, so Mirek.

Kaum Unterschiede zur deutschen Bevölkerung

Kaum Unterschiede zur deutschen Bevölkerung fanden die Fragesteller bezüglich der „Lieblingsplätze“ heraus: Jugendliche treffen sich gerne auf dem Marktplatz, Sportplätzen, bei Kaufland/Handelshof, am Bahnhof oder bei Mc Donalds. Bei den Erwachsenen stehen Marktplatz, Neckar, Schänzle und Weggental hoch im Kurs.

Orte, an denen sie sich unwohl fühlen, nannten nur Wenige: Bei 16 ist der Bahnhof negativ besetzt, sechs nannten Kaufland/Handelshof am Abend als Ort des Unwohlseins. 155 kreuzten „Nein“ an oder machten keine Angaben. Auch „Situationen des Unwohlseins“ gibt es offenbar nur für eine Hand voll: 80 Schüler und 91 Erwachsene nannten gar „keine“. Nur sieben Schülern wurde es beim Gedanken an die Schule unwohl, fünf Erwachsene nannten Ämter bei dieser Frage.

Zufriedenheit mit der Wohnsituation äußerte die große Mehrheit (149). Etwas mehr als die Hälfte (107) wohnt zur Miete, 96 haben ein eigenes Haus oder eine Wohnung. Mehr als drei Viertel leben in Familien, 17 im Mehrgenerationenhaus. Als Nachbarn werden 23 verschiedene Nationalitäten aufgezählt (siehe unten), die Kontakte zueinander als überwiegend „gut“ bezeichnet.

Nur Wenige hatten auch etwas an ihrer Arbeits- oder Ausbildungssituation auszusetzen. Ein Großteil der Erwachsenen hat eine Arbeitsstelle (69), ist mit der Arbeitssituation zufrieden (52) – auch wenn diese nicht immer der eigenen Qualifikation entspricht (48). Gut die Hälfte der Schüler ist mit der Schule zufrieden, nur sieben antworteten mit Nein auf diese Frage.

Nur wenige klagen über Rassismus und Vorurteile

Überwiegend gut beurteilten die Befragten auch ihre Kontakte zur deutschen Bevölkerung: 139 gaben an, Kontakte zu pflegen, eine überwiegende Mehrheit (174) fühlt sich in Rottenburg wohl und respektiert. Nur wenige klagten über Vorurteile und rassistische Einstellungen (ein Schüler). Über einen Mangel an Respekt klagten zwölf russische Einwanderer.

Fazit von Holger Mirek: Die Probleme im Zusammenleben, bei der Arbeit und in der Schule resultieren eher aus sozialen Lagen der Antwortgeber denn aus der ethnischen oder nationalen Herkunft. Von den Ratsfraktionen gab es viel Lob für diese Befragung.

Umfrage unter Rottenburger Migranten: Wenig Probleme
Überwiegend unterm Aspekt der Fremdheit – im Bild ein muslimisches Opferfest in der Moschee beim Bahnhof – wird die Integrationsfrage meist diskutiert. Eine Umfrage des Integrationsforums hat ergeben, dass eine Mehrheit unter den Migranten nur wenig Probleme im Zusammenleben mit Deutschen sieht. Archivbild: Mozer

Eine Frage bei der Diskussion am Dienstagabend im Gemeinderat richtete sich auch auf die Suche nach einer türkischen Partnerstadt. Man konzentriere sich dabei auf die Suche nach einer Schulpartnerschaft, antwortete Kulturamtsleiter Karlheinz Geppert, um einen „Brückenkopf“ zur Entwicklung einer erweiterten Partnerschaft zu bilden. Ihm liege mittlerweile das Angebot einer Schule aus Gaziantep vor, einer Stadt in Südostanatolien mit rund 1,3 Millionen Einwohnern. In Rottenburg habe sich das Eugen-Bolz-Gymnasium als größte Schule zu einer Partnerschaft bereit erklärt. Das Angebot sei gerade erst drei Wochen alt und werde noch geprüft, sagte Geppert.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.11.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball