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Gefahr für die Wirtschaft?

Umstrukturierungen bei Bosch Rexroth

46 Millionen Euro – eine gigantische Zahl. Das Sparpaket bei Bosch Rexroth, das bis 2018 allein in Horb umgesetzt werden soll, hat bedrohliche Ausmaße. Nicht nur auf die Mitarbeiter kommen schwere Zeiten zu. Allein 16 Millionen Euro will die Werksleitung im Bereich Einkauf einsparen. Dabei setzt Rexroth auf Bezug aus Niedrigkostenländern. Die Leidtragenden sind kleine Zulieferer aus der Region. Frage ist, wie viele an dem ohnehin harten Preiskampf zerbrechen werden.

15.08.2015
  • Benjamin Breitmaier

Horb. Sie sitzen in Empfingen, in Baiersbronn, in Vöhringen, in Horb selbst – mittelständische Betriebe, die den größten Arbeitgeber der Region mit ihren Teilen und Dienstleistungen beliefern. Für viele ist Bosch Rexroth Großkunde – teilweise mit mehr als 80 Prozent Auftragsvolumen. In Anbetracht der Restrukturierungsmaßnahmen am Horber Bosch-Rexroth-Werk könnte sich das bald ändern.

„Wie wollen Sie das denn bitte machen?“ – die Empörung in der Stimme des Mannes war deutlich. Die große Rexroth-Betriebsversammlung in der Horber Rundhalle am 29. Juli – vieles wurde nicht gesagt. Eine Zahl, die vom Podium genannt wurde, dürfte aber jedem Betrieb Angst machen, der bis dato an Bosch Rexroth liefert: 16 Millionen Euro sollen unter anderem durch „Reduzierung der Fertigungstiefe“ gespart werden. Es ist der größte Batzen im Sparprogramm „Fit for the Top“ für das Horber Werk. Der Mann, der laut die Frage nach dem „Wie“ stellte, ist Leiter der Abteilung Einkauf im Horber Werk.

Die Unternehmensführung hatte damals schon Antworten auf die Fragen – bequem sind sie nicht. Unterrichteten Kreisen zufolge wird vor allem beim Bezug von Material massiv gekürzt: Die Einkaufspreise sollen gedrückt werden. Außerdem will Bosch Rexroth Teile verstärkt aus dem Ausland beziehen. Doch der Umschwung auf Niedrigkostenländer wird von der hiesigen Industrie teilweise mit Schrecken beobachtet. Bei seinen regionalen Zulieferern ist Bosch Rexroth ohnehin für seine Härte in Preisverhandlungen bekannt. Dieser Druck soll nun weiter erhöht werden.

Ein regionaler Betrieb aus dem Raum Freudenstadt skizziert die Einkaufspraxis von Bosch Rexroth. Er zieht es vor anonym zu bleiben: „Die Preisverhandlungen sind so hart, dass wir teilweise die Rexroth-Aufträge mit anderen Aufträgen subventionieren müssen.“ Der Hebel des größten Arbeitgebers in der Region sei einfach zu groß. Bei den Ausschreibung wirft Rexroth seine gesamte Marktmacht in die Waagschale. „Die Preise, die teilweise genannt werden, können nicht von deutschen Herstellern sein.“ Der Unternehmer tippt, dass die vorgegebenen Preise, mit denen sich die regionalen Zulieferer messen müssen, aus dem asiatischen Raum stammen.

Spielraum für weitere Preissenkungen sieht der Unternehmer bei den regionalen Zulieferern nicht. Sollten nun aufgrund des Sparprogrammes die Bosch-Aufträge wegfallen zeichnet sich ein düsteres Zukunftsbild: „Andere Auftraggeber zu finden, ist schwierig. Als Neuer kommt man eigentlich nur über den Preis rein.“ Doch neue Produkte zu produzieren oder spezielle Dienstleistungen anzupassen koste zuerst einmal Geld: Anpassen der Maschinen, Entwickeln neuer Prozesse, die Überwindung von Anfangsschwierigkeiten – neue Kunden bedürfen oft hoher Investitionen. Doch hinreichendes Kapital, um derartige Risiken einzugehen, haben die wenigsten Mittelständler oder Handwerksbetriebe.

Folge: Die Sparmaßnahmen am Horber Bosch-Rexroth-Werk könnten negative Auswirkungen weit über den geplanten Stellenabbau im Werk selbst hinaus haben. Die Arbeitsplätze am Bosch- Rexroth-Standort selbst sind nicht die einzigen, die in Gefahr sind. Sollten von Bosch abhängige Unternehmen die verlorenen Aufträge nicht kompensieren können, droht auch bei ihnen Stellenabbau.

Ein großes Fragezeichen steht auch hinter der Zukunft des Empfinger Logistik-Zentrums, das bisher von Schäflein Logistics betrieben wird und ausschließlich das Horber Bosch-Rexroth-Werk mit Teilen beliefert. Internen Quellen zufolge geht der Vertrag nur bis 2018. Bis zu diesem Jahr sollen die Sparmaßnahmen umgesetzt sein. Vor dem Hintergrund, dass Bosch Rexroth große Teile der Produktion ins Ausland verlagert, scheint es fraglich, ob der Vertrag mit Schäflein verlängert wird. Dabei wurde das moderne Hochregallager erst 2013 eigens für den Produktionsstandort gebaut.

Das Geschehen am Bosch-Rexroth-Standort in Horb wird auch von der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald kritisch beobachtet. Stefan Hammes, Bereichsleiter für Wirtschaft und Regionalentwicklung, rät Bosch-Rexroth-Zulieferern dazu, heute schon an eine Produkt-Diversifikation zu denken, um die Abhängigkeit von dem strauchelnden Großkunden zu schmälern: „Die Abhängigkeit von einem Unternehmen ist immer ein sehr sehr heißes Eisen“, erklärt Hammes. Er geht davon aus, dass durch den Umbruch bei Bosch Rexroth „das eine oder andere Unternehmen in eine strukturelle Krise geraten könnte“. Auf die Entscheidungen der Konzernführung hätte die IHK keinen Einfluss. Sehr wohl könne sie aber Unternehmen unterstützen, die Opfer der Bosch-Rexroth-Unternehmenspolitik werden: „Es gibt öffentliche Förderprogramme, die auf strukturelle Herausforderungen zielen.“ Hammes ruft betroffene Betriebe daher dazu auf, aktiv auf ihre Kammer zuzugehen, um sich zu informieren. „Bei einer strategischen Neuausrichtung eines Betriebes können bis zu 50 Prozent der Beratungskosten gefördert werden.“ Gerade bei Mittelständlern wäre professionelle Beratung oft von Vorteil, wenn die Produkte oder Dienstleistungen auf neue Kunden ausgerichtet werden müssen, denn „gerade im qualitativ hochwertigen Zuliefersegment ist der Neueinstieg schwierig“, erklärt Hammes.

Für die Bosch-Rexroth-Strategie, auf Niedrigkostenländer auszuweichen, zeigt Hammes wenig Verständnis: „Wir sehen das sehr sehr kritisch. Beim verstärkten Bezug aus asiatischen Ländern steigt erfahrungsgemäß die Fehlerquote und die Qualität sinkt. Das kann sich ein Unternehmen wie Bosch Rexroth nicht leisten.“ Man müsse als Unternehmen sehr genau hinschauen, denn oft rechneten sich die niedrigen Einkaufspreise unter Einbezug von Qualitätsmängeln und Produktionsschwierigkeiten im Endeffekt nicht mehr.

Regionale Zulieferer könnten hingegen bei Qualitätsmängeln schnell reagieren. „Das Schiff aus Asien braucht dabei mindestens sechs Wochen“, erklärt Hammes.

Umstrukturierungen bei Bosch Rexroth
Wie groß ist die Gefahr für die Wirtschaft in der Region, wenn Bosch Rexroth 46 Millionen Euro am Standort Horb einsparen will?Bild: bbm

Umstrukturierungen bei Bosch Rexroth

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15.08.2015, 12:00 Uhr

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