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GWG steht in der Kritik

Umstrukturierungen führen vors Arbeitsgericht

Ungewöhnlich heftige Kritik übten Sprecher von SPD, Grünen und RSÖ am Donnerstag im Gemeinderat an der GWG- Wohnungsgesellschaft, die an diesem Abend ihren Jahresabschluss für 2011 vorlegte.

29.09.2012
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Während draußen ein kurzer, heftiger Platzregen niederging, entlud sich in der Ratsdebatte ein verbales Gewitter über dem Haupt von GWG-Mitgeschäftsführer Ralf Güthert. Der hatte eigentlich die gewohnt erfreuliche Bilanz präsentiert (siehe Kasten), doch Kritik entzündete sich an anderen Punkten.

Die GWG führe laufend Arbeitsgerichtsprozesse, gab Sebastian Weigle (SPD) Gewerkschaftskritik weiter. Weigle mahnte modernes Personalmanagement an: „Wir wollen, dass die GWG ein guter Arbeitgeber ist.“ Auch CDU-Sprecher Andreas vom Scheidt fand die Prozesse „nicht ganz normal“. Mindestens sieben Mitarbeiter/innen hätten zuletzt gekündigt, ergänzte Rainer Buck (Grüne), der von „Angst“ und „schlechter Stimmung“ im Betrieb sprach.

Es gebe zwar Arbeitsgerichtsprozesse, „aber nicht in der Vielzahl“, verwahrte sich Güthert. Er führte diese auf die Umstrukturierung zurück, die Aufsichtsrat und Gemeinderat 2007 und 2008 angestoßen haben. „Ein Auftrag, das Unternehmen fit zu machen, bedeutet, Kalorien zu verlieren“, so Güthert. „Wir machen das mit Mitarbeitern, nicht mit Unternehmensberatungen. 99 Prozent der Mitarbeiter ziehen mit.“ Den übrigen stehe es frei, die GWG zu verlassen.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch erklärte: Die Debatte sei mit Rücksicht auf die Konkurrenz der GWG nichtöffentlich geführt worden. Güthert verwies auf eine Mitarbeiterbefragung: „Wir haben eine grundsätzlich positive Stimmung. Natürlich gibt es auch einzelne, die dagegen sind.“

Weigle und Thomas Ziegler (RSÖ) mahnten sozial verträglichen Wohnungsbau an. „Hier haben wir einen Mangel in Reutlingen“, fand Weigle. „Wir müssen schauen, dass preiswertes Wohnen nicht aus unserer Innenstadt herausgedrängt wird“, sagte Ziegler. Immer mehr zu sanierende Wohnungen gingen an Investoren. „Überlassen wir unsere Innenstadt der Wertschöpfung durch Dritte?“, fragte der RSÖ-Mann. CDU-Chef Vom Scheidt konterte: „Ich bedaure nicht, dass es Anleger gibt, die ihr Geld in Wohnungsbau investieren.“

OB Bosch sagte, die strategische Ausrichtung der kommunalen Wohnungsbaupolitik werde im Herbst im Rat verhandelt. Und die Mietpreise der GWG liegen laut Knut Hochleitner (FDP) immer noch unter fünf Euro pro Quadratmeter. „Wenn wir schon schimpfen, können wir auch über uns schimpfen“, ergänzte Jürgen Fuchs (FWV). Denn: „Seit über 15 Jahren hocken wir auf den Grundstücken in Orschel-Hagen Süd.“

Weigle kritisierte, dass GWG-Chef Karl-Heinz Walter nach Baumängeln am Altenheim Unterm Georgenberg die kommunale Ausschreibungspraxis angeprangert hatte. Wie berichtet, hatten die Flaschner geschlampt, und 14 Wohnungen waren nicht bewohnbar. Die Verantwortung liege bei der GWG, sagte Weigle. Vom Scheidt gab dem an diesem Abend verhinderten Walter nachträglich Recht: „Der billigste Anbieter ist nicht immer der beste.“

Ein weiterer Haupt-Kritikpunkt war die Praxis der GWG, mit Finanzanlagen Gewinne zu erzielen. Das hatte Buck schon in den vorigen Jahren immer wieder angeprangert, diesmal brachte Weigle das Thema aufs Tapet. Buck präzisierte: „Das sind faktisch öffentliche Gelder.“ Mehr als 50 Prozent der Gewinne würden über Finanzanlagen erwirtschaftet. „Wir sind ein Wohnungsunternehmen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel“, sagte Buck.

Dann müsse die GWG den Ertrag aus anderen Geschäftsfeldern wie der Bestandsverwaltung erwirtschaften oder ihn anderweitig generieren, erklärte Güthert. Die Oberbürgermeisterin wurde deutlicher: „Wenn sie das Geld nicht haben, können sie die vielen Wünsche nicht erfüllen. Die Alternative zu Gewinnen aus Finanzanlagen sind Gewinne aus Mieten“ – was wiederum Buck „nicht sachgerecht“ fand. Vom Scheidt schimpfte: „Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, dass das angelegte Geld Ertrag bringt. Sonst muss die GWG alle Anlagen auflösen und wird ein Zuschussbetrieb.“

Ende 2011 betreute die GWG 11 000 Wohnungen, Häuser und gewerbliche Einheiten, 296 Plätze in Studentenwohnheimen, tausende Garagen und Parkplätze. Elf Millionen Euro investierte die Wohnungsgesellschaft laut Mitgeschäftsführer Ralf Güthert in Neubauten, 18,9 Millionen in Sanierungen. Für 14,1 Millionen kaufte sie Grundstücke. Bauliche Investitionen wurden in Höhe von 44,3 Millionen getätigt. Ebenso hoch waren die Erlöse aus Hausbewirtschaftungen. Der Jahresumsatz belief sich auf 52,1 Millionen Euro. Der Überschuss lag bei 5,1 Millionen. Der Gemeinderat hat den Jahresabschluss schließlich einstimmig abgesegnet.

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29.09.2012, 12:00 Uhr

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