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Una und Ray

Una und Ray

Psychodrama um eine junge Frau, die 15 Jahre, nachdem sie sexuell missbraucht worden ist, den Täter zur Rede stellt.

Una und Ray

Una
Großbritannien 2016

Regie: Benedict Andrews
Mit: Rooney Mara, Ben Mendelsohn, Riz Ahmed

94 Min. - ab 12 Jahren

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05.01.2017
  • Klaus-Peter Eichele

Die ersten Bilder erinnern an David Lynch, und tatsächlich kommt hinter dem leicht surrealen Kleinstadt-Idyll, wie man es aus „Twin Peaks“ oder „Blue Velvet“ kennt, schnell das Grauen zum Vorschein.

Una (Rooney Mara aus „Carol“) ist als 13-Jährige von einem erwachsenen Nachbarn sexuell missbraucht worden. 15 Jahre später hat sich dieser Ray (Ben Mendelsohn aus „Rogue One“) nach verbüßter Haftstrafe eine neue Existenz aufgebaut, während Una noch immer bei ihrer Mutter lebt und an den Spätfolgen leidet, allen voran der Unfähigkeit zu stabilen Beziehungen. Als sie nach Recherchen im Internet auf Rays Arbeitsplatz stößt, beschließt sie, ihm dort einen Besuch abzustatten und ihn mit der Vergangenheit zu konfrontieren.

Das klingt nach einem zünftigen Rachethriller mit einer labyrinthischen Lagerhalle als unheimlichem Schauplatz, doch das Gegenteil ist der Fall.

Statt gängigen Empör- oder eben Vergeltungsimpulsen nachzugeben, verlegt sich Debüt-Regisseur Benedict Andrews (nach dem Theaterstück von David Harrower) darauf, das Vergangene nüchtern zu rekapitulieren und dabei manche moralische Gewissheit zu unterminieren. In ihrem langen, von Rückblenden illustrierten Disput verständigen sich Una und Ray zwischenzeitlich sogar darauf, dass damals gar kein Missbrauch stattgefunden hat, sondern eine große Liebe unter juristisch ungünstigen Bedingungen.

Eine Provokation ist das freilich nur für Zuschauer, die von den meist komplexen emotionalen Verstrickungen zwischen Opfer und Täter nichts wissen wollen. Um Unas noch längst nicht verheilte seelische Verwundung spürbar zu machen, bedarf es ohnehin keiner Worte – es genügt ein Blick in ihr Gesicht, in das sich Verstörung und Verunsicherung tief eingegraben haben.

Freilich scheint der Regisseur seinem aufs Verstehen statt aufs Verdammen zielenden Ansatz am Ende selbst nicht mehr zu trauen – und lässt den Film mit einer Volte ausklingen, mit der auch der Bild-Leser einigermaßen leben kann.

Analysiert den sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen in seiner verstörenden emotionalen und moralischen Komplexität.

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05.01.2017, 12:14 Uhr

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