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Unberührt schwanger?
Der Pfleger vor Gericht. Foto: dpa
Pfleger wegen sexuellen Missbrauchs einer behinderten Frau zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt

Unberührt schwanger?

Die DNA beweist es: Ein Pfleger hat einer schwerst Behinderten ein Kind gezeugt. Vor Gericht erstaunte der Mann mit seiner Version des Geschehens.

27.11.2015
  • SABINE DOBEL, DPA DPA

München. Es klingt sehr merkwürdig, wie der Angeklagte im Landgericht München die Empfängnis erklärt. Der Ex-Pfleger räumt zwar ein, dass er einer schwerbehinderten Frau in einer Behinderteneinrichtung im Landkreis Dachau ein Kind gezeugt hat. Er habe sie aber nicht sexuell berührt, "weder mit den Händen noch mit anderen Körperteilen", ließ der 52-Jährige über seinen Anwalt erklären.

Die heute 28-jährige Frau bekam im Mai einen gesunden Jungen. Das Kind sei gezeugt worden, als er sich nach dem Waschen hinter der nackten Frau selbst befriedigt habe. Sie habe das nicht einmal gesehen und von der Zeugung nichts mitbekommen. Er könne nicht sagen, was da im August 2014 über ihn gekommen sei. Er habe sich nach dem Vorfall gleich einem Pfarrer anvertraut.

"Es ist eine ungewöhnliche Beschreibung, wie es zur Schwangerschaft gekommen sein kann. Ausschließbar ist es nicht", sagte Gerichtsmediziner Wolfgang Eisenmenger aus. Auf eine prozentuale Einschätzung der Schwangerschaftschance auf diese Art ließ sich der erfahrene Mediziner nicht ein. "Ich würde mal sagen: sehr wahrscheinlich ist es nicht." Solche Fälle seien aber "in der Literatur immer wieder bejaht" worden.

Die Beweisfindung fiel schwer. Zeugen gibt es nicht - und die Frau, eine Autistin, ist selbst so schwer behindert, dass sie sich zu dem Vorfall nicht äußern kann.

Ohne die Schwangerschaft wäre der dem Mann vorgeworfene Missbrauch wahrscheinlich nie ans Licht gekommen.

Die Frau lässt Betreuern zufolge oft nur schwer jemanden an sich heran. Eine Routine-Untersuchung beim Frauenarzt scheiterte daran, dass sie sich wehrte. Auch deshalb kam die Schwangerschaft erst im Februar ans Licht, als sich ihr Bauch schon sehr sichtbar rundete.

Der Staatsanwalt warf dem Angeklagten schweren sexuellen Missbrauch einer Widerstandsunfähigen vor und ging davon aus, dass der Mann den Beischlaf vollzog. Ihm sei bewusst gewesen, dass die Frau "keinerlei Widerstand leisten konnte und solchen tatsächlich auch nicht leistete", sagte Staatsanwalt Florian Burkhardt.

"Ich stehe dazu, dass ich der Vater des später geborenen Kindes bin", sagt der Pfleger, der aus einer früheren Beziehung eine dreijährige Tochter hat. Der DNA-Test ließ hier freilich auch keinerlei Zweifel. Bis heute habe er "keine plausible Erklärung" für sein Fehlverhalten, sagte der Mann, der auch Landschaftsgärtner, Heilpraktiker und Yogalehrer gelernt hat. Er habe eine christliche Haltung und stets helfen wollen. "Ich schäme mich für mein Verhalten und entschuldige mich."

Das half ihm nichts: Am Ende verurteilte das Gericht den Mann zu achteinhalb Jahren Haft. In der Begründung sagte der Richter, die Version des Angeklagten sei "abwegig". Er habe die Widerstandsunfähigkeit der Frau "schamlos ausgenutzt."

Das Kind lebt inzwischen in einer Pflegefamilie. Es soll zur Adoption freigegeben werden.

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27.11.2015, 08:30 Uhr

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