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Uneingelöste Versprechen
Das Horber Spital wurde Ende 2012 geschlossen. Heute befindet sich die geriatrische Klinik, die Strahlentherapie und das MVZ in dem historischen Gebäude. Schwarze Zahlen schreiben sie allerdings nicht. Luftbild: Kuball
Krankenhaus

Uneingelöste Versprechen

Von den Erwartungen nach der Schließung des Horber Spitals ist fast nichts geblieben. Im Ostkreis ist man entsprechend sauer.

14.12.2016
  • Dagmar Stepper

In den vergangenen 15 Jahren wurden in Baden-Württemberg 39 Kliniken geschlossen. Damit hat Baden-Württemberg die niedrigste Bettendichte im Südwesten. Der Trend geht zu größeren Zentren in den Städten, der ländliche Raum wird dagegen mit Notfall-Ambulanzen abgespeist. Davon kann Horb ein Lied singen. Zum 31. Dezember 2012 wurde das Horber „Spital zum Heiligen Geist“ aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Das beschloss der Freudenstädter Kreistag – gegen den Widerstand des Ostkreises, der sich eine andere Lösung gewünscht hätte. Doch die Befürworter argumentierten mit Kosteneinsparungen in Höhe von 3,4 Millionen Euro pro Jahr. Um die Schließung zu versüßen, wurde den Horbern dafür der Ausbau des ehemaligen Krankenhauses zur Geriatrie samt Medizinischem Versorgungszentrum (MVZ) versprochen.

Steigende Schulden

Vier Jahre später hat sich keins der Versprechen erfüllt. Als vor der Sommerpause im Kreistag der Grundsatzbeschluss für den Klinik-Teilneubau in Freudenstadt beschlossen wurde, kochten die Emotionen im Ostkreis wieder hoch. Denn von Einsparungen konnte keine Rede sein. Statt eine Reduzierung um 4,7 Millionen in den Jahren 2014 und 2015, kletterten die Schulden pro Jahr jeweils um 8 Millionen. Die Geriatrie schreibt Verluste, der Standort Horb darbt vor sich hin. Die Krankenhaus Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) hat zwar 13 Millionen Euro in das Klinikgebäude Horb investiert, aber von den sieben Fachpraxen im MVZ sind gerade mal drei besetzt. Die anderen vier sind noch nicht ausgebaut. Auf Nachfrage erklärte Landratsamtsprecherin Sabine Eisele im September: „Es wurden nur drei Praxen besetzt, weil es keine Nachfrage gab und keine weiteren Arztsitze für das MVZ am Standort Horb gewonnen werden konnten.“

Der frühere Horber Oberbürgermeister und FDP-Kreistagsmitglied Michael Theurer hatte im Sommer verkündet, dass er der Fusion des Horber und Freudenstädter Krankenhauses, die 2004 besiegelt wurde, heute nicht mehr zustimmen würde. „Im Rückblick wäre die einzige Chance, das Krankenhaus in Horb zu halten, eine private Trägerschaft gewesen“, sagte er im August gegenüber unserer Zeitung.

Vergangenen Montag waren die Verluste der KLF kurz Thema im Verwaltungs- und Sozialausschuss des Kreistags. Denn der Landkreis muss für das Jahr 2016 1,8 Millionen Euro nachschießen. Statt der anvisierten Ausgleichsleistung an die KLF in Höhe von 4,2 Millionen Euro, sind es 6 Millionen Euro (die SÜDWEST PRESSE berichtete). „2016 ist nicht so gut gelaufen, wie wir es erhofft haben“, entschuldigte sich Landrat Dr. Klaus Michael Rückert. Der Abmangel des Landkreises an die KLF lag im Jahr 2015 bei 7,5 Millionen Euro, 2016 bei 6 Millionen Euro, für 2017 wird 4,7 Millionen Euro anvisiert. KLF-Geschäftsführer Ralf Heimbach hofft, dass es im kommenden Jahr im Januar und Februar „keine Belegungseinbrüche“ wie in der Vergangenheit gibt. Außerdem habe man einige Ideen, wie die Wirtschaftlichkeit der KLF gestärkt werden könnte.

Die Kreisräte aus dem Ostkreis – allen voran Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger – äußerten schon mehrfach Kritik am Teilneubau des Freudenstädter Krankenhauses. Bei Kostenschätzungen in Höhe von 100 Millionen Euro wünschen sie sich mehr Transparenz und mehr Information. Horb hat mit der Schließung seine Akutklinik verloren, ist gleichzeitig aber größter Beitragszahler bei der Kreisumlage. Am kommenden Montag ist die KLF erneut auf der Tagesordnung des Kreistags. Dass es zu Diskussionen kommen könnte, dafür hat Rosenberger in der Ausschusssitzung ein Signal gesandt. Er stimmte gegen die Ausgleichsleistung für die KLF in Höhe von 1,8 Millionen Euro.

Hausärzte im MVZ

Vor fast genau einem Jahr hat OB Rosenberger im Gemeinderat angekündigt, dass sich zwei Hausärzte im MVZ niederlassen wollen. Die Pläne haben sich aber zerschlagen. Auf Anfrage erklärt Rosenberger, dass die beiden nun doch in ihren Praxen bleiben. Es wäre auch kein zusätzliches Angebot gewesen, sondern nur ein Ortswechsel. „Aber die beiden hätten den Standort gestärkt“, gibt er zu. Dafür hat die KLF eine eigene Hausärztin angestellt. Seit 2. Mai hat Dr. Maria Kaufmann im MVZ eine Praxis angemietet.

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14.12.2016, 01:00 Uhr

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