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Glatt · Kunst

Unendlich viele Dächer und Fachwerk

Das Bad Saulgau-Stadtbild fordert Norbert Stockhus. Parallel dazu arbeitet der Maler aus Glatt an einem Portrait von Schiltach. Besuch bei einem Fleißigen.

15.08.2019

Von Cristina Priotto

Hunderte Hausdächer und -fassaden einschließlich Fenstern muss der Glatter Künstler auf dem Bad Saulgau-Bild noch ausmalen. Mit der
nötigen Dispziplin hofft Stockhus, bis Ende 2020 fertig zu sein.

Mit der bislang größten Retrospektive „Trugbilder und andere Wahrheiten“ über das Werk von Norbert Stockhus hat die Stadt Bad Saulgau dem Glatter Maler Ende 2016 eine außerordentliche Reverenz erwiesen. Die Ausstellung mit über 80 Bildern und Radierungen bespielte die komplette Galerie „Die Fähre“. Doch die Groß-Exposition bescherte dem Künstler auch viel Arbeit, denn Andreas Ruess war so begeistert von Stockhus‘ Malstil, dass der Saulgauer Kulturamtsleiter nach Rücksprache mit Bürgermeisterin Doris Schröter und dem Gemeinderat bei Norbert Stockhus aus Anlass des 1200. Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung ein Stadtbild von Bad Saulgau in Auftrag gab.

Da die Kur- und Bäderstadt im Oberschwäbischen flach wie ein Fladen in der Landschaft liegt, beauftragte der Künstler zunächst einen Helikopterpiloten, Luftaufnahmen der Stadt anzufertigen. Rund 20 ausgedruckte großformatige Fotos liegen auf dem größten Tisch im Atelierhaus in Glatt.

„Das größte Problem ist es, eine geeignete Perspektive zu finden“, erklärt der versierte Maler die schwierigste Herausforderung. Anfang Juli hat der 71-Jährige sich an die Arbeit gemacht und zunächst hunderte Gebäude auf der 1,80 auf 2,20 Meter großen Leinwand skizziert. Mit diesem Format wird die Ansicht von Bad Saulgau das bislang größte der Stockhus‘schen Stadtbilder. „Ich muss da viel Hintergrund mitreinnehmen“, begründet der Künstler die Entscheidung für die XXL-Leinwand. Denn neben dem alten Stadtkern mit etlichen Fachwerkhäusern und Resten der Stadtmauer sollen auf Wunsch der Auftraggeber auch die Bahnschiene sowie die außerhalb liegenden Kliniken von Norbert Stockhus wiedergegeben werden.

Für die genaue Ausgestaltung speziell der Schienen hat der 71-Jährige sich schon etwas Besonderes überlegt, doch umgesetzt ist dieser Teil des Bildes noch nicht.

Wer Stockhus’ fünf bisherige Stadtbilder kennt, weiß um deren typische Kennzeichen: die fantasievolle Verfremdung der Realität und Anspielungen. Während dies bei vertrauten Orten wie Haigerloch, Horb, Sulz, Rottweil und Glatt für den Künstler recht einfach war, gestaltet sich diese Aufgabe für das 100 Kilometer entfernte Bad Saulgau, das das Ehepaar Stockhus nur vom Durchfahren zu Bogenschieß-Turnieren kennt, deutlich schwieriger.

„Da werde ich was erfinden müssen“, sagt Norbert Stockhus schulterzuckend. Aus Büchern und Broschüren weiß der Maler, dass zum Saulgauer „Bächtlefest“ ein Umzug mit Kindern und über 250 Pferden gehört. Für die Belebung der Straßen ist dies ein Anfang. „Ich werde auch nochmal hinfahren“, kündigt der Maler an.

Fantasiegrün statt Flachdach

Künstlerische Freiheiten nimmt Stockhus sich vor allem angesichts der vielen architektonisch modernen Wohngebäude heraus: „Ich kann doch nicht einen Supermarkt inmitten von lauter Fachwerkhäusern malen“, sagt der Wahl-Glatter und zeigt entrüstet auf einen schmucklosen Flachdachbau auf einem Foto. Schnöde Wohngebiete will Norbert Stockhus etwa durch Schlösser und Fantasiegrün aufpeppen.

Die Frage „Und wo sind die Kugeln?“ bringt den 71-Jährigen zum Schmunzeln: „Die kommen mit Sicherheit, dagegen kann ich mich gar nicht wehren“, antwortet der Künstler mit dem Faible für Kugelförmiges in allen Größen.

Beim Malen eines so großen Auftragswerks wie dem Bad Saulgau-Stadtbild geht der erfahrene Maler systematisch vor: Nach dem Skizzieren der Gebäude widmet Stockhus sich zunächst den Dächern. Viel Arbeit bescheren auch die tausenden von Fenstern.

Zur Erholung zwischendurch belohnt der äußerst disziplinierte Maler sich mit Grün: Bäume, Sträucher und Wiesen fügt Norbert Stockhus dann zwischen denn vielen Gebäuden ein. „Ich kann erst richtig anfangen, alle Register zu ziehen, wenn die Grundstruktur steht“, begründet der Wahl-Glatter.

Im Atelierhaus steht bereits eine zweite grundierte Leinwand bereit – denn der 71-Jährige möchte parallel zum Bad Saulgau-Bild das Stadtportrait von Schiltach malen. „Darauf freue ich mich schon“, sagt Stockhus mit leuchtenden Wangen. Die Skizze der Fachwerk- und Flößerstadt existiert bislang nur im Kopf des Malers. Die Struktur ist dank der Flüsse Schiltach und Kinzig klarer.

Bad Saulgau möchte das Stadtbild möglichst bis Ende 2020 fertig haben, die Fertigstellung der Schiltach-Darstellung dauert wohl bis Anfang 2021. „Ich muss dranbleiben“, weiß der Maler
– und greift wieder zum Pinsel.

Erst Anfang Juli hat Norbert Stockhus mit dem Stadtbild von Bad Saulgau begonnen, aber bereits bei über 100 Häusern sind schon die Dächer, teils sogar die Ziegel, zu erkennen. Zur Abwechslung von den Gebäuden malt der Glatter Künstler zwischendurch Grün. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Dutzende Luftaufnahmen der Kurstadt an der Oberschwäbischen
Barockstraße helfen dem Maler, die Details für die Auftragsarbeit für das dann sechste Stadtbild stets vor Augen zu haben. Mehrfach hat Norbert Stockhus Bad Saulgau im Landkreis Sigmaringen aber auch schon bei Besuchen selbst genauer in Augenschein genommen.

Stockhus‘ Stadtbilder:

2004: Haigerloch

2010: Horb

2011: Sulz

2016: Rottweil

2018: Glatt

2020 (Ziel): Bad Saulgau, Schiltach

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Erstellt:
15. August 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
15. August 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 01:00 Uhr

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