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Nach Blaulicht-Karambolage bittet DRK Autofahrer um Rücksicht

Unfall-Risiko Rettungseinsatz

„Wenn Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht auf den normal fließenden Verkehr treffen“, sagt Rainer Wizenmann, der Chef des DRK-Rettungsdiensts, „bedeutet das einfach Stress.“ Manchmal scheppert es dabei auch – wie vergangenen Dienstag. Wie lässt sich sowas vermeiden? Mehr Umsicht, fordert das Rote Kreuz.

01.08.2012
  • Martin Mayer

Tübingen. Der Notarzt musste dringend zum Einsatz. Doch auch Blaulicht und Martinshorn verschafften dem Fahrer seines Wagens kein Durchkommen auf der belebten Kreuzung an der Einmündung der Hechinger- in die Reutlinger Straße. Ein LKW bremste, wollte den Notarzt durchlassen – der Autofahrer nebenan auf der linken Spur aber konnte nicht mehr halten: Drei Verletzte und 25 000 Euro Blechschaden waren die Folge des Crashs bei dieser sogenannten Blaulichtfahrt am Dienstag, 24. Juli.

„So etwas passiert immer wieder, wenn die Retter mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind“, erklärt der Tübinger DRK-Kreisverband. Über die Presse bittet er nun die Autofahrer „um einen umsichtigen Fahrstil“. Die Notarzt-Karambolage von vergangener Woche war laut DRK der zweite Blaulicht-Unfall in diesem Jahr. Im Vorjahr 2011 zählte das Rote Kreuz vier Unfälle mit Einsatzwägen.

Autofahrer reagieren ganz unterschiedlich

Blaulicht-Einsätze sind, wie man beim DRK weiß, für die Retter deutlich riskanter als normale Fahrten mit dem Auto: Kommt es dabei zum Crash mit anderen Verkehrsteilnehmern, ist für die Retter das Risiko, verletzt zu werden, achtmal so hoch, das Risiko eines tödlichen Unfalls ist vierfach erhöht. Fast die Hälfte solcher Einsatz-Unfälle passieren auf Kreuzungen.

Notärztin Lisa Federle, zugleich Vorsitzende des DRK-Kreisverbands, weiß, dass Fahrer von Rettungs- oder Notarztwagen „extrem umsichtig sein und alle anderen Verkehrsteilnehmer im Blick haben“ müssen. Sie und die Einsatz-Fahrer wissen aber auch, dass Autofahrer/innen „ganz unterschiedlich reagieren“, wenn sie das Martinshorn hören und vor sich, im Rückspiegel oder im Augenwinkel das Blaulicht sehen: Manche bremsen abrupt, andere geben Gas. Und wieder andere schalten das Warnlicht ein, statt dem Einsatzwagen mit dem Blinker zu zeigen, in welche Richtung sie ausweichen wollen.

Am liebsten wäre den Einsatzkräften (ob Notarzt, Feuerwehr oder Polizei), dass die Autofahrer „eine gut befahrbare Rettungsgasse“ bilden. Doch das klappt, wie es heißt, „nicht immer gleich gut“. Manche Fahrer sind von lauter Musik im eigenen Auto abgelenkt. „Die allermeisten reagieren aber sehr gut“, sagt Rettungsdienst-Leiter Wizenmann. Dafür dass das DRK im Kreis „über eine Million Kilometer im Jahr“ fahre, „passiert wirklich wenig“.

„Ein paar praktische Tipps“ fügt das DRK seiner Erklärung noch an:

Autofahrer, die an einer roten Ampel warten aber ein Rettungsfahrzeug durchlassen wollen, dürfen vorsichtig und ohne andere zu gefährden, auch über die Haltelinie in die Kreuzung hinein rollen, um Platz zu machen.

Am besten ist: ruhig bleiben

Wer in einer engen Gasse oder zwischen Fahrzeug-Kolonnen nicht ausweichen kann, „sollte nicht stehen bleiben, sondern eine sich auftuende Rettungsgasse nutzen und vor dem Einsatzwagen herfahren, bis es eine Gelegenheit zum Ausweichen gibt.

Am besten sei: „Ruhig bleiben“ und schauen, wie sich in der jeweiligen Umgebung am sichersten Platz machen lässt.

Unfall-Risiko Rettungseinsatz
Risiko Blaulicht-Einsatz: Schwer verletzt wurde an einem Sonntag im März 2001 der Fahrer eines Notarztwagens, der auf der Hirschauer Ortsdurchfahrt mit einem VW-Bus zusammenstieß. Der Notarztwagen von der Tübinger DRK-Leitstelle war laut Polizei mit Blaulicht unterwegs gewesen nach Tübingen. Archivbild: Metz

Blaulicht und Martinshorn dürfen die Rettungsfahrzeuge des DRK nur einsetzen, wenn es um lebensbedrohliche Situationen geht. So regelt das die Straßenverkehrsordnung. Bei der Fahrt zum Notfall bestimmt die Rettungsleitstelle nach ihren Richtlinien, ob die Sondersignale eingeschaltet werden. Auf der Rückfahrt entscheidet der Notarzt und das Rettungswagen-Team nach medizinischen Kriterien – je nachdem, wie es dem Patienten während des Transports geht.
Wenn die Kriterien für eine sogenannte Signalfahrt erfüllt sind, seien die Retter laut DRK „sogar verpflichtet, Blaulicht wie auch Martinshorn einzuschalten“. Sie dürfen die Signalanlage unterwegs dann auch nicht ausschalten – auch nicht, wenn das Martinshorn als Lärmbelästigung empfunden werden könnte.

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01.08.2012, 12:00 Uhr

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