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Unfall beim Start zum Mars?
Die ExoMars-Sonde (oben) und die vierte Raketenstufe Briz-M nach der Trennung in einer Visualisierung. Foto: Esa/ATG medialab/dpa
Rätsel um mögliche Raketenexplosion - Esa: Sonde funktioniert einwandfrei

Unfall beim Start zum Mars?

Die ExoMars-Sonde ist heil auf Kurs. Das beteuert die Europäische Raumfahrtagentur, obwohl es wochenlang aussah, als sei beim Start ein Unfall passiert. Russland dementiert die Unfallberichte. Zweifel bleiben.

08.04.2016
  • EGBERT MANNS

Darmstadt. Montag, 14. März, 21.13 Uhr: Die ExoMars-Sonde trennt sich mehr als 5000 Kilometer über Zentralafrika von der russischen Briz-M-Raketenstufe, die die Sonde auf den Kurs Richtung Mars gebracht hat. Jubel im Esoc, dem Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumbehörde (Esa) in Darmstadt. Das 4,3 Tonnen schwere Paket - bestehend aus dem Orbiter TGO, der von Oktober an den Mars umrunden soll, und dem Landegerät "Schiaparelli" - ist unterwegs.

Sechseinhalb Stunden später macht das Oasi-Observatorium in Brasilien eine beunruhigende Entdeckung, über die der Raumfahrtexperte Anatoly Zak am 22. März berichtet. Es entdeckt die Briz-M als hellen, sich bewegenden Punkt am Sternenhimmel. Mit diesem Punkt aber fliegt ein halbes dutzend anderer, kleinerer Punkte.

"Das war befremdlich", schreibt Zak. Seine Annahme: Die Briz-M-Raketenstufe ist auseinandergebrochen, nachdem die Sonde sich von ihr getrennt hat. Offensichtlich habe es eine Explosion gegeben. Was das brasilianische Observatorium gesehen hat, seien Trümmer.

Die Briz-M explodiert, das würde dreierlei bedeuten: Die ExoMars-Sonde könnte von Trümmern getroffen und beschädigt sein. Trümmer könnten auf den Mars gelangen. Die Briz-M würde unkontrollierbar herumirren, anstatt auf den geplanten Friedhofskurs zu gehen.

Die Esa verbreitet am 23. März Zuversicht. Ihre Botschaft: Die ExoMars-Sonde sei in einwandfreiem Zustand und auf dem Weg zum Mars. Gleichwohl geht auch sie von einer Explosion (an) der Briz aus. So zitiert der Blog spaceflightnow.com den Esa-Flugdirektor Michel Denis am gleichen Tag, die Sonde und die Briz-M seien einander während der Explosion noch relativ nahe gewesen, aber doch so weit voneinander entfernt, dass er sicher sagen könne, es gebe "überhaupt kein Risiko" für die Mars-Mission. Ein Check der Sonde am 17. März habe ergeben, dass sie funktioniere.

Donnerstag, 31. März. "Es gibt absolut kein Anzeichen dafür, dass es auf der Oberstufe eine Explosion oder ein Auseinanderbrechen gegeben hat." Das teilt der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roscosmos, Igor A. Komarov, einer Gruppe Journalisten mit. Er berufe sich auf den russischen Raketenhersteller GKNPZ Chrunitschew, heißt es in einem Bericht des Blogs space news.com am 5. April. Alle verfügbaren Daten der 26 Minuten von der Trennung bis zu den zwei Brems- und Abschaltmanövern der Briz-M hätten gezeigt, "dass alle Schritte erfolgreich zurückgelegt wurden, ohne irgendeine Anomalie".

Was zeigen die Oasi-Bilder denn dann? Spacenews.com zitiert ungenannte Experten mit der Aussage, außer einer Explosion könnten sie sich kaum etwas anderes vorstellen. Vielleicht noch, dass die Briz-M von einem Objekt getroffen worden sei.

Eine andere Version: Die Fotos des Oasi, des zweitgrößten brasilianischen Observatoriums, enthielten einen Fehler. Ein Experte sagte laut dem Blog, eigentlich sei auf den Fotos nur zu sehen, dass sich Bildpixel mit der Briz-M bewegen. "Das könnte von der Kamera herrühren."

In der Tat haben die Oasi-Astronomen die Kamera bewegt, um die Briz-M immer an der gleichen Stelle im Bild zu haben. Wenn an dieser Stelle ein Fehler an der Kamera gewesen sei, sagte der Experte, habe das die Astronomen zu der Annahme verleitet, da habe sich etwas mit der Briz-M bewegt.

Ein Fehler des Oasi? Ein deutscher Spezialist für astronomische Kamerabeobachtungen, der ungenannt bleiben will, sagte unserer Zeitung, er sei überzeugt davon, dass die Bilder sorgfältig bearbeitet wurden. Er könne die Hypothese, dass die Punkte Artefakte einer problematischen Bildbearbeitung seien, zwar nicht ausschließen. Er verwies jedoch darauf, dass die größeren Punkte "eindeutig aus mehreren zusammenhängenden Pixeln bestehen". Es scheine ihm deshalb sehr plausibel, dass das "reale Objekte" sind.

Nachschauen geht nicht. Längst sind weder Sonde noch Briz-M von der Erde aus zu sehen, dafür sind sie zu weit weg. Für die Esa ist wichtig, dass die Sonde funktioniert. In dieser Woche werden mehrere Instrumente routinemäßig getestet.

Die nächste große Bewährungsprobe kommt am 28. Juli. Dann vollführt die Sonde ihr erstes großes Manöver, das sie auf den genauen Kurs zum Mars bringen soll.

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08.04.2016, 06:00 Uhr

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