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Kommentar

Ungerechtes System beim Schüler-Ticket

Der Kreistag hat am Mittwoch mit den Stimmen von CDU und FWV-Fraktion das bisherige Zuschuss-Modell der Schülerbeförderung vollends ad absurdum geführt. Ab August müssen Gemeinschaftsschüler knapp 19 Euro mehr für die Monatsfahrkarte bezahlen als Haupt- und Werkrealschüler.

23.07.2012

Der Hintergrund: Weil die grün-rote Landesregierung das dreigliedrige Schulsystem abschafft und nach den Sommerferien die Gemeinschaftsschule einführt, müssen Verwaltungen umdenken. Bisher nämlich haben sie je nach Schulart den Schülern einen höheren oder niedrigeren Zuschuss für ihr Bus-und Bahn-Ticket im ÖPNV-Verbund Naldo bezahlt.

Die Eltern von Haupt- oder Werkrealschülern müssen bis zur 9. Klasse nur knapp die Hälfte der Ticket-Kosten bezahlen. Realschüler und Gymnasiasten löhnen bis auf einen Kreis-Zuschuss von 2,50 Euro auf die Monatskarte den vollen Preis – das sind momentan 33,70 Euro. Die nächste Preiserhöhung von 3,5 Prozent ist bereits abzusehen. Kinder aus besonders einkommensschwachen Familien können den ÖPNV umsonst nutzen.

Erstmals werden nach den Sommerferien Kinder mit der (eigentlich abgeschafften) Haupt- und Realschulempfehlung zusammen die Gemeinschaftsschulen im Kreis besuchen. Sie müssen dafür aber laut Kreistags-Beschluss in den kommenden zwei Schuljahren den hohen Preis von derzeit 33,70 Euro bezahlen. Das hat absurde und ungerechte Folgen: Ein Werkrealschüler aus Wurmlingen zum Beispiel, der zur Werkrealschule Innenstadt in Tübingen pendelt, bekommt das Ticket für 14,80 Euro. Der Fünftklässler aus Wurmlingen aber, der die neue Gemeinschaftsschule am gleichen Standort besucht, muss knapp 19 Euro mehr fürs Ticket zahlen.

Schon länger fordert die Fraktion der Grünen – und in modifizierter Form auch die Linke – ein Zuschuss-System bei der Schülerbeförderung nach sozialen Kriterien. Eigentlich müssten bei den ständig steigenden Energiepreisen zwar alle Eltern mit schulpflichtigen Kindern beim ÖPNV-Ticket ent- statt weiter belastet werden. Doch das kann die Landesregierung nicht finanzieren. Sie will ja kleinere Schulen auf dem Land schließen. Damit wird der Pendelverkehr von Schülern aus Kreisgemeinden nach Tübingen, das gleich mit drei Gemeinschaftsschulen an den Start geht, eher zunehmen. Andererseits hat das Land seinen ÖPNV-Zuschuss, den es seit 17 Jahren eingefroren hat, erstmals in diesem Jahr auf 440 000 Euro erhöht.

Dieses Geld aber ist nie bei den Eltern angekommen. Die Kreisbehörde hat damit Kostensteigerungen wegen Tarifanpassungen oder Benzinpreiserhöhungen bei den Busunternehmen abgefedert, um ihr Defizit bei gut 200 000 Euro stabil halten zu können. Für alle Schüler sollte es in Zukunft ein finanziell erschwingliches Ticket ohne ständige Preistreiberei geben. Dass der Ticketpreis allein für Kinder der weiterführenden Schulen innerhalb der letzten zwei Jahre von 29,10 auf 33,70 Euro gestiegen ist, ist Grund genug, um gegen dieses indirekte Schulgeld auf die Straße zu gehen!

Christiane Hoyer

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23.07.2012, 12:00 Uhr

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