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Ungewöhnliche Mitarbeiter
Felix (links) ist seit acht Jahren sozusagen Mitarbeiter im Ulmer Stadthaus-Büro. Sunny leistet ihm dabei Gesellschaft. Foto: Matthias Kessler Foto: Matthias Kessler
Arbeitsplatz

Ungewöhnliche Mitarbeiter

Hunde im Büro sind keine Seltenheit mehr. Was manche Kolleginnen und Kollegen stört, sorgt bei anderen für eine entspannte Atmosphäre.

21.04.2017
  • ANNE LAASS

Ulm. Gut die Hälfte des Tages verbringen Menschen an ihrem Arbeitsplatz, für manche ist es sogar das zweite Zuhause. Für Felix ist es das Stadthaus-Büro in Ulm, mit Blick auf den Münster. Seit 2009 gehört er zum Team, mit einem kleinen Unterschied: Felix Ratonero Bodeguero Andaluz ist ein Hund, ein Terrier, um genau zu sein. Er gehört Sabine Presuhn.

Bürohunde sind in Deutschland keine Seltenheit mehr, wie die Karte des Bundesverbandes für Bürohunde zeigt. Blaue-weiße Hundefiguren sind darauf im ganzen Land verteilt. Die Gründe dafür sieht Markus Beyer, Vorsitzender des Verbands, in den Vorteilen, die das Beieinander von Hund und Mensch hat. Denn laut einer Studie des US-Managementprofessors Randolph T. Barker reduzieren Hunde Stress bei Menschen.

Hundebesitzer, die ihre Tiere mit zur Arbeit nehmen dürfen, haben demnach ein niedrigeres Stresslevel als ihre Kollegen. Zudem kam heraus, dass sich Kolleginnen und Kollegen anboten, den Hund auszuführen.

Chief-Dog-Officer ernennen

Diese Erfahrung machte auch Sabine Presuhn, die im Ulmer Stadthaus-Büro für die Organisation und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Ihre Kollegin Sabine Schwarz macht von Zeit zu Zeit eine Mittagsrunde mit Felix.

Der Terrier aus Spanien wurde gewissermaßen als Mitglied mit besonderem Aufgabenbereich, wie auf der Homepage des Stadthauses zu lesen ist, integriert. Presuhn fragte zuvor jeden Kollegen im Büro, ob es okay wäre, einen Hund mitzubringen. „Ich habe sehr offene Türe eingerannt“, sagt sie. Niemand stimmte gegen den vierbeinigen Kollegen. Es gab weder Allergien noch Ängste, die Felix im Weg standen.

Verbandsfunktionär Beyer empfiehlt Unternehmen, die auf den Hund kommen, einen Vertrag aufzusetzen, um Regeln und Pflichten klar zu formulieren. Bei mehr als 30 Mitarbeitern biete sich zudem ein CDO an, ein Chief-Dog-Officer also. Der sollte als eine Art unabhängiger Richter zwischen Parteien verhandeln und darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden. Dazu gehören Sauberkeit, kein Stören der Betriebsabläufe und eine gute Erziehung sowie ein funktionierendes Verhältnis zwischen Hund und Halter.

Für Felix heißt das, Vertrauen zu Sabine Presuhn zu haben. Der Terriere sollte nicht das Gefühl haben, sie im Büro beschützen zu müssen, weil gerade ein ihm Unbekannter auftaucht. „Sonst funktioniert es für beide Seiten nicht“, erklärt Beyer. Der Stress für Hund und Halter wäre kontraproduktiv.

Liebeshormon ausgeschüttet

Die Wechselbeziehung zwischen Tier und Mensch untersuchte Linda Handlin von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften. Sie wollte herausfinden, ob das „Liebeshormon“ Oxytocin ausgeschüttet wird, wie es bei zwischenmenschlichen Beziehungen der Fall ist. Oxytocin hat Handlin zufolge eine Anti-Stress-Wirkung, es aktiviert das Belohnungshormon Dopamin und vermindert Depressionen.

„Das ist das gesamte Geheimnis“, erklärt Beyer. Diese Faktoren wirken sich positiv auf die Arbeit aus, weil beim Menschen Oxytocin ausgestoßen wird, wenn er einen Hund hat.

Ein Bürohund macht demnach leistungsfähiger und verringert das Risiko verschiedener Erkrankungen. „Ich habe seit 2012 weniger Krankheitstage“, bestätigt Ines Belgomri, beim Ulmer Stadthaus für die Finanzen verantwortlich, die Studie.

Der Grund dafür heißt Sunny. Die Schäferhündin ist seit knapp fünf Jahren Teil des Teams. Wegen der Hündin ist Ines Belgomri gezwungen, bei Wind und Wetter raus zu gehen, und das härtet ab. Außerdem hätten sowohl Sunny als auch Felix das richtige Gespür für notwendige Unterbrechungen. „Punkt zwölf ist Mittagspause“, scherzen Belgomri und Presuhn. Die Ablenkung hilft, einen klaren Kopf zu bekommen.

Im Büro haben beide Hunde ihren Rückzugsort, gewisse Spielregeln und eine geschwisterliche Beziehung zueinander. Nachteile können beide Halterinnen im Bürohund-Konzept nicht erkennen. Ganz im Gegenteil. Der Vorteil, den ihr Hund am Arbeitsplatz habe, sei klar: Man gehe konzentrierter an die Arbeit und im Büro ginge es insgesamt auch entspannter zu.

Bevor es aber soweit war, haben sich beide Frauen Gedanken gemacht, welcher Hund zu ihnen und zum Job passt. So ist Felix nicht nur beim Betriebsausflug dabei, sondern übernimmt mit Sabine Presuhn auch mal die Abendschicht.

Für ihn und Sunny sind die Mitarbeiter des Stadthauses eine zweite Familie. Ein wichtiger Faktor, wie Beyer sagt. Die Tiere seien kein Mittel zum Zweck und sollten respektiert werden.

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21.04.2017, 06:00 Uhr

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