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Alles, was das Herz braucht

Uni-Klinik eröffnet „Deutsches Herzkompetenzzentrum“

Eine „neue Ära der Herzmedizin“ wurde am Freitag am Uni-Klinikum ausgerufen: Mit der Eröffnung eines hochmodernen Operationsraums wird das „Deutsche Herzkompetenzzentrum“ Tübingen Realität.

01.07.2012
  • Ulrike Pfeil

Uni-Klinik eröffnet „Deutsches Herzkompetenzzentrum“
Vor zwei Wochen wurde er in Betrieb genommen, auch gestern wurde im „Hybrid-Operationsraum“ des Tübinger Herzkompetenz-Zentrums operiert.

Tübingen. Schnelles ärztliches Handeln ist bei vielen Herzerkrankungen (wie einem Infarkt) geboten. Aber auch während eines geplanten Eingriffs können unterstützende Interventionen notwendig werden, ein Stent, ein Bypass. Dafür gibt es nun in einem Anbau an die Medizinische Klinik einen „Hybrid-OP“, der mit modernsten bildgebenden Methoden und Geräten für das eine wie das andere ausgerüstet ist: die klassische Chirurgie ebenso wie den minimalinvasiven Katheter-Eingriff.

Das neue OP-Labor gibt der seit einiger Zeit am Klinikum forcierten Aufwertung der Kardiologie nun den Anlass, sich mit dem Titel „Deutsches Herzkompetenzzentrum“ Tübingen zu präsentieren (Motto: „Innovativ, menschlich, nah“). Das Zentrum bündelt das Wissen und die Erfahrung aus vier herzrelevanten Kliniken beziehungsweise Instituten des Uni-Klinikums mit mehr als 30 Spezialisten – von der vorgeburtlichen Diagnose von Herzfehlern bis zum Schockprogramm bei lebensbedrohlicher Herzinsuffizienz, das schon in den Regionalkrankenhäusern der Erstversorgung beginnt.

Man müsse „sehr weit fahren“, sagte der Herzchirurg Prof. Christian Schlensak am Freitag bei der Pressevorstellung des Zentrums, um eine ähnlich geballte Herz-Expertise zu finden wie in Tübingen. In Baden-Württemberg zumindest gebe es „nichts Vergleichbares“, ergänzte der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Prof. Michael Bamberg.

Uni-Klinik eröffnet „Deutsches Herzkompetenzzentrum“
Die Väter des Herzkompetenz-Zentrums, von links: Prof. Reinhard Kandolf (Pathologie, Diagnostik), Prof. Christian Schlensak (Herz-, Gefäß- und Kinderherzchirurgie), Klinikumsdirektor Prof. Michael Bamberg, Prof. Meinard Gawaz (Kardiologie, Kreislauferkrankungen) und Prof. Michael Hofbeck (Kinderkardiologie).

Ein Tübinger Alleinstellungsmerkmal ist die Versorgung vom Ungeborenen bis zum Hochbetagten. Von den rund 80 Herzzentren in Deutschland mache das „nur eine Handvoll“, sagte Bamberg. Ein weiteres ist die Zugehörigkeit eines ausgewiesenen Herzpathologen (davon gibt es nur sehr wenige): Der Ruf von Prof. Reinhard Kandolf als Diagnostiker von Herzentzündungen und Virusinfektionen reicht von der Schweiz bis nach Schweden; 3000 Anfragen von anderen Herzzentren pro Jahr werden mit modernsten Analyseverfahren in seinem Referenzlabor bearbeitet.

Durch die enge Kooperation im Kompetenzzentrum sehen sich die Kardiologen am Uni-Klinikum für die zunehmende Komplexität der Herztherapien und -eingriffe bestens gerüstet. Diese haben sich in den letzten zehn bis 15 Jahren außerordentlich entwickelt und vervielfacht, zu „maßgeschneiderten“ Modellen, erklärte der Kardiologe Prof. Meinard Gawaz. Patienten mit schweren Herzklappenerkrankungen etwa, die früher als „nicht operabel“ galten, bekommen heute neue Klappen ohne Narkose schonend am schlagenden Herzen eingesetzt. Bei Herzrhythmuserkrankungen gibt es mindestens zehn verschiedene Therapiemöglichkeiten. „Ich alleine kann mein Fach gar nicht mehr überblicken“, sagte Gawaz, um die Bedeutung der Kooperation zu unterstreichen.

Die gebündelte Kompetenz soll sich auch in der Forschung niederschlagen. „Wir wollen nicht nur Therapien aus Boston und Berlin übernehmen, sondern selbst neue entwickeln, die international Maßstäbe setzen“, sagte Gawaz. Dies gilt auch für Herzunterstützungssysteme, die mit Medizintechnikfirmen aus der Region weiterentwickelt werden.

Neben der Behandlung von Kindern ist zunehmend die Betreuung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern ein weiterer Schwerpunkt des Tübinger Zentrums, das dafür als überregionale Anlaufstelle zertifiziert ist. „Wir ernten die Erfolge der Behandlung der Kinder“, sagt der Kinderkardiologe Prof. Michael Hofbeck. In der Spezialambulanz mit mehr als tausend Patientenkontakten pro Jahr werden schon heute mehr Erwachsene als Kinder betreut.

2015 soll der Neubau fürs Herzzentrum stehen

Selbstverständlich ist es auch ein Ziel des Zentrums, mehr Herzpatienten für Tübingen zu gewinnen. Dass hier keine Herztransplantationen gemacht werden (dafür sind im Land Freiburg und Heidelberg zuständig), spielt hingegen kaum noch eine Rolle: Durch die Fortschritte bei den Therapien für Herzerkrankungen werden Transplantationen immer weniger nötig. Ihre Zahl geht stetig zurück.

Noch sind die am Herzkompetenzzentrum Beteiligten auf vier Klinikumsgebäude verteilt: Crona, Medizinische Klinik, Kinderklinik, Pathologie im Talklinikum. Ziel ist es jedoch, die Herzkapazitäten auch baulich im Bereich des Schnarrenberg-Klinikums zusammenzuführen. 2015 soll das Schild „Deutsches Herzkompetenz Zentrum“ nicht nur für ein virtuelles, sondern ein reales neues Klinikgebäude stehen. Mit Verhandlungen über den Standort will Bamberg schon bald beginnen.

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01.07.2012, 12:00 Uhr

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