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Was macht ein Rheostat?

Uni-Museum erklärt, wie und womit einst geforscht wurde

Ein Resonator, ein Schlittenmikrotom, ein Spektrometer: Solch merkwürdige Dinge zeigt eine neue Ausstellung am Museum der Tübinger Universität.

16.07.2015
  • Ulrich Janssen

Tübingen. „Vom Sammeln. Strandgut der Wissenschaft“ So haben die Organisatoren ihre kleine, aber feine Ausstellung im Schloss Hohentübingen genannt. Mit dem Begriff „Strandgut“ wollten sie das Schicksal der Objekte beschreiben, die im Lauf der Jahre in den diversen Sammlungen der Tübinger Universität eintrudelten. Nicht der beherzte Zugriff eines erfahrenen und wohlbestallten Wissenschaftsarchivars vereinte die Objekte in der Sammlung. Es waren vor allem der Zufall und die subjektiven Interessen einzelner Mitarbeiter, die die wissenschaftlichen Hinterlassenschaften in eine Sammlung spülten.

Alle im Schloss ausgestellten Dinge hatten irgendwann einmal eine Funktion in der naturwissenschaftlichen Lehre und Forschung. Mit dem Rotationsapparat wurde die Farbwahrnehmung des Menschen erforscht. Die Sartorius-Waage konnte bis 0,1 Milligramm genau wiegen. Der Stöpselrheostat diente zum Erzeugen beliebiger elektrischer Widerstände. Und die Objektive aus dem Jahr 1842 (die ältesten Stücke der Sammlung) erleichterten das Sehen im Mikro-Bereich.

Heute braucht niemand mehr die ausgeklügelten und einstmals teuren Gerätschaften. Oft wurden sie entsorgt, wenn der Inhaber eines neuen Lehrstuhls die Forschungen seines Vorgängers beendete. Manche aber landeten nicht im Müll, sondern wurden aufgehoben, provisorisch geparkt in dunklen Kellerräumen. Zu verdanken ist dies dem aufmerksamen Blick Einzelner, ihrem Sinn fürs Sammeln, ihrer sentimentalen Erinnerung an aufwändige Versuchsreihen, ihrem Gefühl für die wissenschaftliche Bedeutung eines Geräts, für seine technische oder auch ästhetische Schönheit.

Einer dieser Sammler war der Parasitologe Alfons Renz, der in den Jahren 2002 und 2003 mit besonderer Hingabe die Bestände von mehr als 33 medizinischen und naturwissenschaftlichen Instituten sichtete. Was ihm dabei besonders auffiel (oder was von unmittelbarer Entsorgung bedroht schien), sicherte er für den neu eingerichteten „Tübinger Fundus Wissenschaftsgeschichte“. 500 Objekte zählt der Fundus mittlerweile, knapp 50 davon sind jetzt in den beiden Kabinettsräumen gleich hinter dem Eingang zum Unimuseum zu sehen.

Mit sichtlichem Stolz präsentierten die Macher ihre Ausstellung. Viele von ihnen studieren noch, sie haben sich freiwillig gemeldet, um die Geschichten der unterschiedlichen Objekte zu recherchieren und für die Ausstellung und den schönen Katalog nachzuerzählen.

Als Kuratorin engagierte sich insbesondere die Wissenschaftshistorikerin Christine Nawa, aber auch Svenja Heißner übernahm mit der Leitung der studentischen Arbeitsgruppen viel Verantwortung.

Es ist verblüffend zu sehen, wie die liebevolle Inszenierung, wie Beleuchtung und Umgebung den alten Geräten ein neues Leben verleihen. Was einst unbeachtet in einer Laborecke stand, strahlt plötzlich eine ungeahnte Würde aus. Geordnet ist die Ausstellung in vier Abteilungen. Sie illustrieren die verschiedenen Schritte beim Aufbau der universitären Sammlung.

Die von Nawa und den Studierenden geschriebenen Texte sind sachlich und leicht verständlich. Sie vermitteln ein aufschlussreiches, wenn auch naturgemäß sporadisches Bild vom Betrieb in der ältesten naturwissenschaftlichen Fakultät Deutschlands.

Dass die Ausstellungsmacher auch Sinn für Humor hatten und etwa eine Packung Zigarren in den Mittelpunkt des größten Schaukastens stellten, ehrt sie zusätzlich. Es zeigt, dass das Ausstellungsprojekt für sie mehr war als nur eine Pflichtaufgabe zur Erlangung von ECTS-Punkten.

Zumal die Zigarren in der Chemie durchaus genutzt wurden. Mit ihnen demonstrierte der Professor einst die Wirkung von Kohlenstoff und flüssigem Sauerstoff. Und überdeckte üble Gerüche.

Uni-Museum erklärt, wie und womit einst geforscht wurde
Strandgut der Naturwissenschaft: Zu sehen ab sofort im Museum der Universität Tübingen auf dem Schloss. Bild: Metz

Die Ausstellung ist bis 27. September von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet und am Donnerstag von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet 5,- Euro (ermäßigt 3,- Euro). „Strandgut“ ist das zweite von drei Teilprojekten des vom Land finanzierten großen Sammelprojekts „MamMut“.

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16.07.2015, 12:00 Uhr

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