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Tausend Hiwis protestieren online

Uni erhöht Tarife und streicht das Weihnachtsgeld

Schon Anfang des Jahres beschloss die Uni Tübingen, das Weihnachtsgeld für wissenschaftliche Hilfskräfte (Hiwis) abzuschaffen. Die haben das aber erst jetzt mitbekommen – und bliesen zum Protest.

28.11.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Solidarität mit dem „wissenschaftlichen Prekariat“ forderte eine Internet-Petition der Tübinger Hiwis, die in wenigen Tagen 1054 Unterzeichner fand. Am morgigen Donnerstag um 15 Uhr wird sie Rektor Bernd Engler übergeben. Die Forderung: Die Uni soll das gestrichene Weihnachtsgeld doch noch auszahlen.

Der „Arbeitskreis studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte“, der die Petition organisiert hat, sieht in der Streichung der Sonderzahlung einen „inakzeptablen Rückbau einer bedeutenden Errungenschaft im Arbeitsverhältnis der Hilfskräfte“. Die Hiwis stören sich auch daran, dass die Streichung beschlossen wurde, ohne dass mit ihnen vorher darüber gesprochen wurde.

Die Universität weist die Behauptung zurück, mit der Streichung des Weihnachtsgelds werde der Nominallohn der Hiwis „deutlich gesenkt“. Im Gegenzug seien nämlich die Stundentarife für die Entlohnung der Hiwi-Tätigkeiten bis zu den im Land zulässigen Obergrenzen erhöht worden (siehe unten), lässt Uni-Kanzler Andreas Rothfuß wissen. Deshalb sei für die Uni auch keine Einsparung damit verbunden. „Die Institute erhalten für die Hiwis den gleichen Betrag zugewiesen wie vorher“, sagt Uni-Pressesprecher Michael Seifert.

Aus Sicht der Universität hat die Abschaffung des Weihnachtsgelds sogar für größere Gerechtigkeit gesorgt. In den Genuss kam nämlich bisher nur, wer am 1. Dezember unter Vertrag war. Da Hiwi-Arbeitsplätze oft nur für einzelne Semester vergeben werden, fielen alle aus der Sonderzahlung heraus, deren Job nach dem Sommersemester endete. In einzelnen Fällen hatten Hiwis durch das Weihnachtsgeld Nachteile, weil sie damit über die 400-Euro-Marke geschoben wurden und dann Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden mussten.

Von diesen Argumenten zeigen sich die Organisatoren des Protests unbeeindruckt, und sie bekommen in zahlreichen Internet-Kommentaren zu ihrer Unterschriftenaktion viel Beifall auch aus anderen Bundesländern: Die Streichung sei eine „Ohrfeige für alle Hiwis“, heißt es da; es wird darauf hingewiesen, dass viele Studierende mit den kargen Hiwi-Posten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ohnedies seien die Entgelte in Baden-Württemberg vergleichsweise niedrig. Da die Hiwis keine Personalvertretung haben, wird gemutmaßt, es solle mal wieder „bei den Schwächsten“ gespart werden. Ein Kommentator rechnet vor, dass das Weihnachtsgeld für ungeprüfte Hiwis im vergangenen Jahr rund 100 Euro betragen habe – die Lohnerhöhung liege aber weit darunter.

Immerhin hat die Streichung des Weihnachtsgelds, die zu den Betroffenen angeblich nur „durchsickerte“, die Hiwis nun zur Selbstorganisation motiviert. „Die Petition ist nur der Anfang“, sagt etwa Joana Terborg, die als Tutorin bei den Politikwissenschaftlern tätig ist. Hiwis hätten nämlich noch eine Reihe anderer Probleme wie die sehr kurzen Verträge und zahlreiche unbezahlte Überstunden und Leistungen. So bekommen Tutoren nur die Präsenz-Stunden im Tutorium vergütet, nicht aber die Zeit der Vor- und Nachbereitung. „Nur die Hälfte der Arbeitszeit wird bezahlt.“

Auch eine Erhöhung der Stundensätze wird beim Land angemahnt. Und mehr inhaltliche Anerkennung: In Freiburg könnten Tutoren für ihre Tätigkeit bereits Credit Points verbuchen – warum nicht in Tübingen?

Uni erhöht Tarife und streicht das Weihnachtsgeld
Den Hiwis geht es weniger ums Feiern als um den Lebensunterhalt: Protestplakat am Clubhaus der Universität in der Wilhelmstraße.

An der Uni Tübingen sind 2130 wissenschaftliche Hilfskräfte (Hiwis) beschäftigt, in der Mehrheit ungeprüfte Studierende (1500). Hiwis werden vor allem als Tutoren, als Zuarbeiter von Professoren, in den Bibliotheken für Aufsicht und Ausleihe eingesetzt.
Die Uni hat die Stundentarife für Hiwis in diesem Jahr geringfügig erhöht: Ungeprüfte Hiwis bekommen jetzt 8,51 Euro (vorher 8,39), Hiwis mit Bachelor-Abschluss 9,92 Euro (vorher 9,77), Hiwis mit Master- oder vergleichbarem Abschluss 13,46 Euro (vorher 13,27).

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28.11.2012, 12:00 Uhr

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