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Muslime stimmen für Tübingen

Uni hat beste Chancen auf das erste Islam-Zentrum

Die Universität Tübingen wird wohl Standort des ersten Islam-Zentrums in Deutschland. Nicht nur die islamischen Vereine haben sich mit großer Mehrheit für das Tübinger Konzept ausgesprochen.

29.09.2010
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Wissenschaftsminister Peter Frankenberg sagte gestern am Rande eines Pressegesprächs in Stuttgart, er gehe davon aus, dass das Stuttgarter Kabinett in seiner Sitzung am kommenden Montag Tübingen als Standort für das Islam-Zentrum auswählen werde. Offensichtlich ist der Standort in Baden-Württemberg auch bundesweit gesetzt. Zwar trifft das Bundeswissenschaftsministerium die endgültige Entscheidung erst im November. Nach unseren Informationen gilt ein Standort in Baden-Württemberg aber als sicher. Ungeklärt sei allerdings, wie sich der Bund an der Finanzierung beteiligt.

Unsicher war bislang auch, ob Tübingen oder Freiburg und Heidelberg für das Land ins Rennen gehen. Das Wissenschaftsministerium hatte noch ein Gutachten in Auftrag gegeben, ob Heidelberg und Freiburg gemeinsam Standort werden könnten. Am Ende sprachen dann doch die meisten Argumente für Tübingen.

Bei den geplanten Islam-Zentren handelt es sich um theologische Zentren. Der Wissenschaftsrat als Beratergremium der Bundesregierung hatte empfohlen, bundesweit drei bis vier solcher Zentren einzurichten. Sie sollen Ort der Wissenschaft sein. Darüber hinaus sollen dort Imame und Religionslehrer für den Schulunterricht ausgebildet werden. Bislang kommt die große Mehrheit der rund 2000 Imame in Deutschland aus der Türkei oder anderen arabisch-sprachigen Herkunftsländern. Viele von ihnen sind mit der Kultur, der Sprache und dem Alltagsleben in Deutschland nicht vertraut.

Mit muslimischen Vereinen an einem Tisch

Ähnlich wie bei katholischen und evangelischen Fakultäten soll die Religionsgemeinschaft ein Mitbestimmungsrecht bei der Berufung der Lehrenden und bei den Lehrinhalten haben. Hier hat Tübingen wohl gegenüber den Konkurrenten in Baden-Württemberg gepunktet. Wissenschaftlich, so Frankenberg, seien Heidelberg und Freiburg ähnlich gut wie Tübingen. Doch bei der gesellschaftlichen Verankerung des Konzepts habe Tübingen besser vorgearbeitet.

So hat die Universitätsleitung sich bereits mit Vertretern der vier größten islamischen Dachverbände und mehreren Einzelpersonen getroffen. Bei den Treffen saßen jeweils mehr als 20 Teilnehmer an einem Tisch und berieten über die Konzeption und den geplanten Beirat des Zentrums. Das Gleiche haben auch die anderen Universitäten versucht, allerdings nicht mit der selben Überzeugungskraft wie Uni-Rektor Bernd Engler.

Denn die vier Dachverbände – der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), die Türkisch-Islamische Union (Dipib), die Islamische Glaubensgemeinschaft Baden Württemberg (IGBW) und der Bosnisch-Islamische Verein Baden-Württemberg – haben sich intern wiederum ausgetauscht, welchem Konzept sie am meisten zutrauten. Einheitlich haben sie sich für die Universität Tübingen ausgesprochen und der Landesregierung eine entsprechende Empfehlung geschickt, wie Yavuz Kazanc vom Landesverband Islamischer Kulturzentren gestern auf einer landespolitischen Tagung in Hohenheim berichtete.

In dem Konzept der Universität Tübingen würden die organisierten muslimischen Vereine ernst genommen. Nicht nur Einzelpersonen, sondern vor allem die Vereine sollen im Beirat eine tragende Rolle bekommen. So sei das Tübinger Konzept auch in den muslimischen Gemeinschaften verankert, sagte Kazanc dem TAGBLATT.

Für Tübingen sprach zudem, dass die Universität (im Gegensatz zu Freiburg und Heidelberg) sowohl eine evangelische als auch eine katholische Fakultät hat. Beide haben bereits Erfahrung und zahlreiche Projekte auf dem Feld des interreligiösen Dialogs. Enge Verbindungen bestehen zu islamischen Fakultäten in der Türkei und in Bosnien.

Sechs Professuren sollen an dem Islam-Zentrum eingerichtet werden. Um diese mit international anerkannten Koran-Gelehrten zu besetzen, wird man auf ein internationales Bewerberfeld zurückgreifen. Das Prozedere wird ähnlich sein wie bei einer Berufung an der evangelischen oder der katholischen Fakultät: Es wird Berufungskommissionen geben. Diese wählen die Bewerber nach wissenschaftlicher Exzellenz aus.

Keine Berufung ohne Zustimmung des Beirats

So wie ein katholischer Professor das „nihil obstat“ – also das päpstliche Einverständnis zu seiner Berufung – braucht, wird auch der islamische Gelehrte nur mit dem Einverständnis des Beirats berufen. Dieser Beirat soll sich mehrheitlich aus führenden Persönlichkeiten muslimischer Gemeinschaften, weiterhin aus Vertretern der Universität zusammen setzen.

Die Universitätsleitung will sich zu dem Thema noch nicht äußern. Man wolle erst die offizielle Entscheidung des Kabinetts kommende Woche abwarten.

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29.09.2010, 12:00 Uhr

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