Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ein Schluss mit Fragezeichen

Uniradio ist nur noch bis Ende 2015 über UKW zu empfangen

Nur noch ein Jahr lang wird man das Tübinger Uniradio mit einem herkömmlichen Radiogerät empfangen können. Die Universität gibt ihre UKW- Frequenz zum 31. Dezember 2015 auf. Als Ausbildungseinrichtung soll das Uniradio erhalten bleiben. Aber wie, weiß noch niemand.

12.11.2014
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Das Uniradio hatte immer eine Doppelfunktion. Nach außen: über Universität und Wissenschaft zu informieren; nach innen: eine Gelegenheit für Studierende, das Radiomachen zu lernen. Dabei solle es auch nach dem Verzicht auf die Sendefrequenz bleiben, versichert die Uni-Pressestelle. Allerdings müsse man sich dem veränderten „Nutzerverhalten der jungen Generation“ anpassen: die höre auch Radio am liebsten übers Internet, vorzugsweise mittels Streaming-Technik.

„Wir sind in einer Zeitenwende“, sagt auch Sigi Lehmann, die Leiterin des Uniradios. Doch die kommt anders als von der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) erwartet. Das digitale Radio (Digital Audio Broadcasting, DBA) brachte bisher keine große Umwälzung. Es wird vom Publikum und von den meisten Sendern nicht angenommen: „Keiner schmeißt sein altes Radio weg“, sagt Lehmann. Die LFK vergab deshalb die privaten Sendelizenzen dieses Mal gleich für zehn statt für fünf Jahre. 2024 soll der DBA-Durchbruch kommen – wenn es dann nicht schon vom Internet überholt wurde.

Zehn Jahre erschienen der Uni eine zu lange Festlegung, zumal in näherer Zeit auch personelle Veränderungen anstehen, die dann Nachfolge-Lösungen erfordern würden: Lehmann, 63, geht Mitte 2017 in Rente. Fraglich, ob ihre Stelle wieder besetzt wird.

Lehmann: „UKW-Jahre waren ein Erfolg“

Für ihre einzige feste Mitarbeiterin (seit 2010) Manuela Mild bedeutet das Ende der Frequenz allerdings schon das Ende des Jobs. Der ist nämlich an die Lizenz gekoppelt. Lehmann äußert sich nicht dazu, wie sie dann weitermachen wird. „Wir waren in Tübingen präsent und werden es weiter sein, die Frage ist nur, in welcher Form“, lautet ihre sibyllinische Auskunft.

Das Uniradio diente anfangs dem Aufbaustudiengang Medienwissenschaft und -praxis als Ausbildungseinrichtung. Heute ist es für die Studierenden aller Fächer eine Möglichkeit, eine Schlüsselqualifikation zu erwerben, mit Einführungskursen in den Rundfunkjournalismus, Sprech-Erziehung, Workshops für Nachrichten, Recherche, Moderation. „Wir versuchen, den Leuten zu ordentlichen Arbeitsproben zu verhelfen, damit sie gute Praktikumsstellen bekommen“, sagt Lehmann.

Dass manche dabei journalistischen Ehrgeiz entwickeln, dass Sendungen des Uniradios immer wieder Preise gewonnen haben, dass es erfolgreiche Karrieren in Sendern und anderen Medien eröffnet hat, gehört zum schönen Feedback. „Unsere UKW-Jahre waren ein Erfolg“, sagt Lehmann nicht zuletzt mit Blick auf jene Schüler, aus denen etwas wurde. Freilich, mit den Bachelor-Studiengängen seien auch die Freiräume für solche Erkundungen verloren gegangen. Interview, Reportage, „dazu kommen wir gar nicht mehr“ – weil die Studierenden in ihre Fach-Curricula zu eingespannt sind.

Obwohl die Medienwissenschaften an der Uni Tübingen in den letzten Jahren zu einem großen Fach ausgebaut wurden, kommt von dort keine verstärkte Nachfrage nach Rundfunk-Praxis. Prof. Jürg Häusermann, der Spezialist für Hörmedien, geht fast gleichzeitig mit Lehmann in den Ruhestand. In der Lehre wird das Radio dann noch durch Mediendozent Ulrich Hägele abgedeckt, derzeit auf einer halben Stelle beim Zentrum für Medienkompetenz.

Public Relations statt Journalismus

„Es ist wichtig, dass das Uniradio weiterhin die Möglichkeit gibt, journalistische Sporen zu verdienen“, sagt Häusermann. Doch er räumt ein, dass immer mehr Medienstudenten sich für Public Relations (PR) interessieren, und weniger für klassischen Journalismus.

Was selbst eine leidenschaftliche Journalistin wie Lehmann nachvollziehen kann, wenn sie den Abbau von Arbeitsplätzen in den öffentlich-rechtlichen Medien betrachtet: „Was ist da die Berufsperspektive?“ Trotzdem rät sie den Studierenden: „Nutzt die Chance – beim Uniradio könnt ihr noch live moderieren!“

Uniradio ist nur noch bis Ende 2015 über UKW zu empfangen
„Wir sind in einer Zeitenwende“, sagt Sigi Lehmann (Mitte) – hier bei einer Redaktionskonferenz des Uniradios.Bild: Metz

Es war eine Gründung des langjährigen Tübinger Uni-Präsidenten Adolf Theis: 1988 eröffnete die Uni Tübingen als erste in Westdeutschland ein Campus-Radio, anfangs noch auf zwei verschiedenen Frequenzen.
1993 kam mit der Rundfunkjournalistin Sigi Lehmann eine professionelle Radiomacherin als Leiterin an den Sender.
Seit 1995 sendet die „Uniwelle“ auf der nichtkommerziellen Frequenz 96,6 Megahertz, die sie mit dem Freien Radio Wüste Welle teilt.
Das Programm wurde über die Jahre abgespeckt, von zwölf Stunden auf jetzt noch vier. Jeweils sonntags von 10 bis 14 Uhr bringt das Uniradio Wissenschaftsberichte, Buchbesprechungen, Musik, Interviews und Vortragsmitschnitte.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.11.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball