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Prozessauftakt

Unister: Manager auf Anklagebank

Das Reiseportal-Unternehmen soll Steuern hinterzogen und Kunden bei Flügen betrogen haben.

12.01.2017
  • DPA

Leipzig. Äußerlich ungerührt nehmen die drei Angeklagten aus der ehemaligen Unister-Führungscrew im Landgericht Leipzig Platz. Gegen den ehemaligen Finanzchef (39) des Leipziger Internetunternehmens sowie zwei andere Manager (51 und 59) werden schwere Anschuldigungen erhoben. Es geht um das unerlaubte Betreiben von Versicherungsgeschäften, um Steuerhinterziehung und um den angeblichen Betrug an Zehntausenden Kunden des einstigen Schwergewichts im Internet-Reisegeschäft.

Die Vorwürfe umfassen zwei Komplexe: Zum einen wurden 2011 und 2012 über Unister-Portale wie fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de Reiserücktrittsprodukte etwa unter dem Namen „Flexifly“ verkauft. Rund 14 Mio. EUR nahm die Gruppe damit ein. Das seien jedoch Versicherungen gewesen, für die Unister eine Genehmigung der Finanzdienstleistungsaufsicht benötigt hätte, meint die Generalstaatsanwaltschaft. Zudem zahlte Unister darauf statt Versicherungs- lediglich Umsatzsteuern. So seien rund 1,1 Mio. EUR Steuern hinterzogen worden.

Zum anderen legt die Generalstaatsanwaltschaft den Unister-Managern die Praxis des sogenannten Runterbuchens zur Last: Die Kunden kauften ein Flugticket zu einem auf der Webseite angezeigten Preis, Unister erzielte aber hinter den Kulissen einen günstigeren Preis. Die Differenz behielt der Flugvermittler ein. 87 000 Kunden sei dadurch ein Gesamtschaden von 7,6 Mio. EUR entstanden. Zudem geht es auch bei diesem Anklageteil noch um eine weitere Steuerhinterhinterziehung mit einem Schaden von 790 000 EUR.

Unister hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Der frühere Finanzchef will sich im Prozess umfangreich äußern. „Ich hoffe, dass ich vollständig entlastet werde“, sagt der 39-Jährige. Das Vorgehen der Ermittler sei für ihn „nahezu existenzvernichtend in wirtschaftlicher wie in persönlicher Hinsicht.“ Sein Anwalt Thomas Filler nennt das Runterbuchen absolut üblich im Reisegeschäft: „Seit 30 Jahren wird runtergebucht. Kein Mensch in der Branche versteht, was hier los ist.“

Ursprünglich hatte die Generalstaatsanwaltschaft Dresden auch gegen Unister-Gründer Thomas Wagner ermittelt. Der 38-Jährige starb jedoch vergangenes Jahr bei einem Flugzeugabsturz. dpa

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12.01.2017, 06:00 Uhr

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