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Unkontrolliert abgestürzt
Australische Experten untersuchen ein Flügelteil, das vor der Küste Tansanias gefunden worden war. Foto: afp
Flugzeugunglück

Unkontrolliert abgestürzt

Hat der Pilot von Flug MH370 Selbstmord begangen und 239 Menschen in den Tod gerissen? Eine neue Analyse widerspricht der Theorie.

03.11.2016
  • BARBARA BARKHAUSEN

Sydney. Was geschah an Bord von Flug MH370? Inzwischen gibt es ganze Bücher darüber. Sie erklären, wie und warum der Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah der einzig mögliche Schuldige am Unglück des vermissten Fliegers MH370 sein kann.

Die Passagiermaschine war vor mehr als zweieinhalb Jahren mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwunden. Satellitendaten zeigen, dass die Boeing 777 vom Kurs abkam und in Richtung südlicher Indischer Ozean steuerte. Irgendwo dort, tausende Kilometer westlich von Australien, muss sie ins Meer gestürzt sein.

Nun legte die australische Verkehrsbehörde (ATSB), die die Suche nach dem Flieger leitet, erstmals einen Bericht vor, der die Theorie einiger Experten widerlegt, der Flieger sei bewusst in einem Gleitflug ins Meer gesteuert worden. Eine Analyse der Satellitendaten zeige, „dass das Flugzeug mit hoher und ansteigender Geschwindigkeit“ abgestürzt sei.

Die Untersuchung einer Flügelklappe, eines von insgesamt drei Trümmerteilen, das dank der Nummerierungen eindeutig dem vermissten Flieger zugeordnet werden konnte, habe zusätzlich gezeigt, dass die Klappe vermutlich nicht ausgefahren gewesen sei. Letzteres hätte nur ein Pilot steuern können.

Suche soll erweitert werden

Die Aussagen widersprechen einigen Experten, die vermuten, dass ein Mensch, höchstwahrscheinlich der Flugkapitän, bis zum Ende am Steuer saß und die Geschicke des Flugzeuges lenkte. Die neuen Ergebnisse sprechen dabei aber auch niemanden von einer Schuld frei, zumal ein Pilot das Flugzeug bewusst hätte abstürzen lassen können, nachdem das Flugbenzin erschöpft war.

Driftanalysen der Trümmer, die bisher auf La Réunion, in Tansania und auf Mauritius, angespült wurden, würden einen Absturz in südlicher Richtung der momentan definierten Region unwahrscheinlich machen, schrieb die australische Verkehrsbehörde weiter. Auch weiter im Norden könne man einen Fund ausschließen. Bisher haben Spezialschiffe 110 000 der insgesamt 120 000 Quadratkilometer großen Suchregion abgesucht.

Laut dem staatlichen Sender ABC könnte die Suche nach dem Flugzeug, die schon jetzt bis Anfang nächsten Jahres andauern soll, nochmals erweitert werden. Bisher hatte es zwar geheißen, die Suche werde eingestellt, sollte die definierte Suchregion kein Ergebnis bringen und es keine „glaubwürdigen, neuen Informationen“ geben. Doch scheinbar halten die australischen Behörden ihre neuen Erkenntnisse für „glaubwürdig“ genug.

ABC zufolge will die Verkehrsbehörde die Suche in Richtung Norden verlegen, um den 34. Breitengrad. Weitere 30 Millionen australische Dollar (21 Millionen Euro) seien dafür nötig. Die bisherige erfolglose Suche hat bereits 180 Millionen Dollar gekostet.

Sämtliche Trümmer des Flugzeuges wurden bisher von Unbeteiligten gefunden, die etwa beim Spaziergang am Strand auf sie stießen. Neben den drei identifizierten Teilen wurden noch weitaus mehr an der afrikanischen Küste und vor allem auf Madagaskar angespült. Einige dieser Trümmer wurden untersucht, etliche werden bis heute jedoch von den Behörden ignoriert.

Der amerikanische Anwalt Blaine Gibson, der seit einem Jahr privat nach MH370-Trümmern sucht, hatte selbst bereits 14 mögliche Teile in Händen gehalten, darunter vier, die möglicherweise aus der Innenkabine des Flugzeuges stammen könnten.

Einen kleinen Sieg errangen die Angehörigen der Vermissten diese Woche jedoch. Malaysia Airlines stimmte zu, einige bisher geheime Dokumente an die Anwälte der Familien weiterzugeben. Darunter die Logbücher der Boeing sowie medizinische Daten der Crew.

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03.11.2016, 06:00 Uhr

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