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Negative Sternstunde

Unkündbare Vereinbarung mit der Kirche sorgt für Ärger

Turbulente Debatte im Kirchentellinsfurter Gemeinderat: Für eine Fortführung der jährlichen Zuwendung an die evangelische Kirchengemeinde fand sich nur eine knappe Mehrheit, ein zusätzlicher Zuschussantrag wurde abgelehnt.

27.10.2012
  • Stephan Gokeler

Kirchentellinsfurt. Die Sache hat eine sehr lange Vorgeschichte, genaugenommen sogar zwei. Teil 1: 1891 schlossen die bürgerliche und die evangelische Kirchengemeinde eine Vereinbarung, mit der die Martinskirche in den Besitz der Kirchengemeinde überging. Die bürgerliche Gemeinde wiederum verpflichtete sich in der unkündbaren „Vermögensausscheidungsurkunde“, die Hälfte der Unterhaltungskosten für Kirchturm und Glocken zu tragen und alle Reparaturen an der Kirchturmuhr komplett zu bezahlen – für alle Zeiten. Dies sei nicht mehr zeitgemäß, befand die bürgerliche Gemeinde und bat vor Jahren schon um eine Aufhebung der Vereinbarung, scheiterte damit aber beim Oberkirchenrat.

Teil 2: Vor fünf Jahren erbat die evangelische Kirchengemeinde eine Kostenbeteiligung der bürgerlichen Gemeinde für die Nutzung der Martinskirche bei Trauerfeiern. Weil es in Kirchentellinsfurt keine Aussegnungshalle gibt, finden Trauerfeiern in der Kirche statt. Gebühren dafür darf die Kirchengemeinde von ihren eigenen Gemeindemitgliedern aber nicht erheben.

Schon damals diskutierte der Gemeinderat intensiv, auch mit Blick auf die Verweigerung der Kirche in Sachen Urkunde von 1891. Der Beschluss: Auf fünf Jahre befristet zahlte die Gemeinde einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 4500 Euro an die Kirche, aber nicht als Nutzungsgebühr, sondern als Zuschuss für den Erhalt der ortsbildprägenden und denkmalgeschützten Martinskirche. Zusätzlich wurde ein einmaliger freiwilliger Zuschuss in Höhe von 5000 Euro für die anstehende Innenrenovierung der Kirche bewilligt.

Nun waren einerseits die fünf Jahre um, zudem flatterte eine Kostenaufstellung für Arbeiten am Kirchturm ins Rathaus. Mit rund 2000 Euro solle sich die Gemeinde bitte an den Kosten gemäß der Urkunde von 1891 beteiligen, hieß es im Begleitschreiben. Dem stellte die Gemeindeverwaltung den Antrag gegenüber, für weitere fünf Jahre jeweils 4500 Euro zu überweisen, die Kostenbeteiligung an den Kirchturmarbeiten aber abzulehnen.

Geteilte Meinungen über den Zuschuss

Als Begründung schrieb sie, erstens stünden die Kirchturmarbeiten im Zusammenhang mit der Innenrenovierung, für die bereits 5000 Euro geflossen seien, zweitens seien die Kosten auf vermeidbare Fehler bei vorangegangenen Arbeiten zurückzuführen.

Im Gemeinderat wurde es am Donnerstag dann grundsätzlich. Es gehe ihm nicht ums Geld, betonte Markus Appenzeller (FWV), aber schon vor fünf Jahren habe er die „faule Kompromissersatzlösung“ abgelehnt. Eine „Sternstunde des Gemeinderats im negativen Sinne“ sei es gewesen, jährlich einen Zuschuss als Ersatz für Gebühren zu bewilligen, obwohl die Kirche jedes Entgegenkommen ablehne. Bürgermeister Bernhard Knauss betonte, dass Gespräche über die Regelung aus dem 19. Jahrhundert nicht an der örtlichen Kirchengemeinde, sondern an „übergeordneten Stellen“ gescheitert seien. Manfred Wolpert-Gottwald (GAL) und Werner Rukaber (SPD) wiederum fanden, dass die Gemeinde mit der Lösung gut bedient sei, weil sie sich eine eigene Aussegnungshalle spare. „Es muss uns auch was wert sein, dass die Kirche etwas gleich sieht“, meinte Rukaber.

Marie-Luise Bausch (GAL) wiederum fand es „schäbig“, den zusätzlichen Antrag auf Kostenbeteiligung abzulehnen. Schließlich habe man an die frühere Zuwendung für die Innensanierung keine Bedingungen geknüpft. Und beim Rathausanbau akzeptiere der Gemeinderat ohne Murren Mehrkosten von etlichen hunderttausend Euro. Doch ihr Antrag, auch die Arbeiten am Turm zu unterstützen, fand nur drei Ja-Stimmen. Der ursprüngliche Vorschlag der Verwaltung wurde mit acht gegen fünf Stimmen akzeptiert – mit hörbarem Grummeln auch bei einigen Befürwortern.

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27.10.2012, 12:00 Uhr

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