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Proteste gegen Regime des ägyptischen Präsidenten Al-Sisi

Unmut am Nil wächst

Seit Wochen gärt es in Ägypten. Aus Protesten gegen die Abtretung zweier Inseln an Saudi-Arabien wird generelle Kritik am Regime.

26.04.2016
  • MARTIN GEHLEN

Kairo. Mit einem Großaufgebot an Sicherheitskräften hat das ägyptische Regime die angekündigten Demonstrationen gegen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi weitgehend unterdrückt. An zahlreichen Stellen in Kairo sammelten sich jeweils einige hundert Oppositionelle, die von der Polizei sofort mit Tränengas auseinandergetrieben wurden. Auch in Alexandria und einigen kleineren Städten gingen Menschen auf die Straße. Den Teilnehmern kann eine lange Haftstrafe drohen.

Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Tagen hatten säkulare Aktivisten, oppositionelle Politiker und Menschenrechtler zu Demonstrationen gegen das Regime von Abdel Fattah al-Sisi aufgerufen. Schon am 15. April hatten in zahlreichen Städten tausende Menschen demonstriert und den "Sturz des Regimes" gefordert. Es war das bislang heftigste Aufbegehren der Ägypter seit dem Amtsantritt des Ex-Feldmarschalls.

Ausgelöst wurden die Demonstrationen unter dem Motto "Ägypten steht nicht zum Verkauf" durch die Entscheidung der Führung, Saudi-Arabien als Gegenleistung für seine milliardenschweren Finanzhilfen zwei unbewohnte Inseln vor der Sinaiküste abzutreten, deren Besitz seit Jahrzehnten streitig war. Sisi-Kritiker sprechen von einem Ausverkauf ägyptischer Erde. Am Montag feierte Ägypten den Jahrestag der "Befreiung des Sinai", als die israelischen Truppen 1982 im Zuge des Camp-David-Vertrages von der Halbinsel abzogen.

Gleichzeitig jedoch entwickelt sich die Unruhe im Volk immer mehr zu einer generellen Kritik an dem Staatschef, der nicht nur die islamistische Muslimbruderschaft, sondern sämtliche säkularen Kritiker und Demokratieaktivisten drakonisch unterdrückt. "Sisi, pack deine Sachen", hieß es gestern spöttisch auf Twitter. Denn auch mit der Wirtschaft geht es bergab. Der Tourismus ist zusammengebrochen. Die ausländischen Investoren zögern. Vor allem dem Mittelstand, dessen Unternehmen die meisten Arbeitsplätze schaffen, ist die politische und soziale Lage am Nil zu unsicher. Bei der Erweiterung des Suezkanals 2015 wurden neun Milliarden Dollar in den Sand gesetzt, weil der Verkehr stagniert und die Investition keine zusätzlichen Schiffe anlockt. Obendrein plagt Ägypten eine Dollarkrise, die das einheimische Pfund allein im letzten Vierteljahr um rund 30 Prozent gegenüber den Devisenmärkten entwertete. Entsprechend rasant steigen die Preise, vor allem für importierte Lebensmittel, von denen Ägypten in hohem Maße abhängig ist. Die Inflation trifft vor allem die ärmeren Volksschichten, zu der mindestens die Hälfte der 90 Millionen Ägypter zählt. Umgekehrt verlassen gut ausgebildete junge Leute in Scharen ihre Heimat, weil sie für sich keine Zukunft mehr sehen.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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