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Anwohner fürchten Lärm und kleine Verkehrslawine

Unmut in Entringen wegen Gemeinschaftsschul-Plänen

Das glücklich nach Entringen „verpflanzte“ Jahrhundertprojekt Gemeinschaftsschule wirft auch Schatten voraus: Anwohner fürchten um ihre Ruhe am Ortsrand, befürchten, künftig von einer kleinen Verkehrslawine überrollt zu werden.

01.07.2015
  • Ernst Bauer

Entringen. „Mir tun die Leute am Poltringer Weg dort unten jetzt schon leid“, meinte ein Bürger hinterher, auf dem Vorplatz noch im Smalltalk vertieft. Mit gut 50 anderen war er am Dienstag zu einem Infoabend der Gemeinde in die Entringer Bürgerkelter gekommen und hatte die fast dreistündige bewegte Debatte verfolgt. Immer wieder meldeten sich Anlieger des Gebiets am Bahnhof zu Wort, wo das Millionenprojekt aus dem Ackerboden gestampft werden soll. Man sei ja auf einiges gefasst, resümierte eine Frau am Schluss, sei auch bereit, für diesen mühevoll gefundenen, wiederentdeckten Schulstandort Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen. Sie wollte aber doch „darum bitten, die Anlieger bei allem Kostendruck nicht ganz zu vergessen!“

Wie mehrfach berichtet, hatten Gemeindeverwaltung und Gemeinderat die Reißleine gezogen, nachdem die neue Gemeinschaftsschule – die eigentlich am alten Standort in Altingen gebaut werden sollte – mit mehr als 30 Millionen Euro kostenmäßig ins Kraut schoss. Sogar der Bürgerentscheid pro Altingen wurde wegen drohender Überschuldung nachträglich noch gekippt. Im Moment liegt man bei knapp 29 Millionen (siehe Infobox). Doch Fachbereichsleiterin Gretel Rauscher hatte am Dienstag eine nicht gerade kostendämpfende Nachricht parat: Wie in Altingen muss auch in Entringen auf Bohrpfählen gegründet werden, bis zu elf Meter tief, wegen des „wenig tragfähigen“ Lehmbodens. Das Gelände ist auch recht hügelig.

Tausend „Bewegungen“ um die Schule

Der Balinger Umweltplaner Dr. Klaus Grossmann und sein Kollege Frank P. Schäfer, Chef der Ludwigsburger BS-Ingenieure, erläuterten in der Infoveranstaltung zunächst, dass eine ganze Planungsgruppe „da am Arbeiten ist“, Experten auch aus Stuttgart, Altensteig und Karlsruhe sich durch die schwierige Materie ackern. Ein Büro sei dabei, „das an Stuttgart 21 mitwirkt – ich nehm‘s hier mal als Empfehlung“, merkte Grossmann süffisant an. Zentrales Problem bei der Verkehrserschließung – um die es am Dienstag vor allem ging – sei die nötige Bahnquerung. „Wir müssen vom Bahnhof rüber ins Schulzentrum – entweder mit Brücke oder Unterführung.“

Schäfer erklärte, dass sein Büro seit 40 Jahren Verkehrsuntersuchungen macht und hier in Ammerbuch erstmal den Ist-Zustand analysiert. So gebe es entlang der Bundesstraße vorne eine „sehr hohe Verkehrsmenge“ von bis zu 8000 Fahrzeugen am Tag. Am Poltringer Weg habe man viel Radverkehr festgestellt. Die Frage sei: Wie viel Verkehrsaufkommen erzeugt die Schule? Je nach Erschließungskonzept sieht die Situation ein bisschen anders aus. Laut Schäfer sind auf jeden Fall mit „tausend Bewegungen in der morgendlichen Spitzenstunde“ zu rechnen.

Vier Varianten zur Verkehrserschließung stellten die Planer vor, mit diversen Untervarianten. „Es hängt sich im wesentlichen daran auf, wo die Parkplätze sind“, so Grossmann – östlich der Bahn oder westlich. In der weiteren Diskussion wurde immer wieder angezweifelt, ob die genannte Mindestzahl von 44 Parkplätzen überhaupt ausreiche; zumal es in der Sporthalle auch größere Vereinsveranstaltungen gibt. Hier griff Bürgermeisterin Christel Halm in die Diskussion ein und meinte, dass solche größeren Veranstaltungen eher die Ausnahme sind, vielleicht zehnmal im Jahr stattfinden und dann auf der grünen Wiese notfalls schon genügend Ausweichparkplätze geschaffen würden.

Die Planer versicherten auch, dass sie die „Elterntaxis“ miteingerechnet hätten, zum „Kiss & Ride“ am Bahnhof, allerdings nicht die mögliche Parkkonkurrenz mit den Bahnpendlern. Die Anwohner hatten freilich noch ganz andere Probleme: Wie bekommt man den Verkehr über die Felder in den Griff? Wie sieht‘s mit dem Schallschutz aus? Wenn man da spazieren gehe, wusste eine Anliegerin, „versteht man jedes Wort“.

Für alle Parkvarianten im Osten sei eine Lärmschutzwand erforderlich, ließ Grossmann wissen, mindestens drei Meter hoch. „Sie werden geschützt, können Ihre Sonnenuntergänge aber nicht mehr so erleben wie bisher“, beschrieb er die Folgen für die Anwohner. Es gebe jedoch Ausgleichsmaßnahmen. „Dieter, du kriegst dann von der Gemeinde ein neues Haus!“, scherzte im Publikum einer, an seinen Nachbarn gewandt, der doch „sehr im Loch“ sitze, wie es hieß.

Ein Bürger befürchtete „Parkverkehr bis in die Abendstunden“, ein anderer erinnerte an viele Verbesserungsvorschläge, die er gemacht habe; denn er sei „ziemlich enttäuscht“ gewesen, als er gesehen habe, „dass 40 Parkplätze vor den Schlafzimmerfenstern der Anwohner entstehen sollen“. Alles geprüft, aber es sei nicht sinnvoll, „das umzudrehen“, führte Halm die Fachingenieure ins Feld. Man könne die Schulgebäude auch nicht einfach „ein Stück runterziehen“ oder „Richtung Penny rüberschieben“. Andere Vorschläge stießen hingegen auf offene Planer-Ohren: Zu- und Abfahrt etwa über die Zeppelinstraße oder Einbahnring – „weshalb nicht eine größere Schleife?“, fragte einer.

Noch im Juli soll nun alles im Rat erörtert werden. Im Herbst könnte der Entwurf fertig sein.

Unmut in Entringen wegen Gemeinschaftsschul-Plänen
Hier auf der „grünen Wiese“ hinterm Entringer Bahnhof soll die neue Gemeinschaftsschule samt Sporthalle hochgezogen werden.Bild: Bauer

„Wir sind jetzt bei Gesamtkosten von 28,9 Millionen“, ließ gestern Fachbereichsleiterin Gretel Rauscher wissen – inklusive zweizügiger Gemeinschaftsschule, zweizügiger Grundschule und handballtauglicher Sporthalle mit Multifunktionsraum. Jene soll allein 6,5 Millionen kosten („das ist unsere Zielgröße“).
Für das neue Ammerbucher Bildungszentrum beim Bahnhof in Entringen rechnet die Gemeinde mit einer Förderung in Höhe von 8,4 Millionen – „da wird eher noch etwas dazukommen“, so Rauscher; so dass sich eine Nettobelastung von 14,4 Millionen ergibt. Zur Gegenfinanzierung sind nämlich noch 6,15 Millionen Euro aus gesparten Sanierungskosten und Verkaufserlösen am bisherigen Grundschulstandort in Entringen einkalkuliert.

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01.07.2015, 12:00 Uhr

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