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Jugendmusikschule

Unmut über Musikschulkosten

Der Gomaringer Gemeinderat debattierte über den Abmangel. Das Finanzierungsmodell soll optimiert werden.

02.12.2016
  • gs

Keine Frage: Die Gemeinde Gomaringen zahlt wie in den vergangenen drei Jahren ihren Teil am Abmangel der Jugendmusikschule Steinlach: Bei einer Enthaltung (Kirsten Gaiser-Dölker, FW) stimmte das Gremium dafür. Glücklich ist der Gemeinderat jedoch nicht über diese (voraussichtlich) 13504 Euro. Die Verwaltung hatte es in der Sitzungsvorlage vorsichtig ausgedrückt: Das Finanzierungsmodell solle „optimiert“ werden. Bürgermeister Steffen Heß präzisierte, man wolle mit „den anderen Beteiligten ins Gespräch gehen“. Bisher ist die Abmachung, dass die Steinlachtal-Gemeinden den Abmangel je nach Einwohner- und Schülerzahl unter sich aufteilen. Hinzu kommen in Gomaringen 15558 Euro an Zuschüssen.

„Man muss klar sagen, dass es nicht ein ,Musik ohne Grenzen‘ geben kann“, findet Geo Pflumm (FW). Musikschulleiter Wolfgang Schnitzer solle die Zahlen erklären „oder die Kosten in den
Griff kriegen“.

„Ein bisschen elitär“ wirkt die Jugendmusikschule auf Elvira Fischer (SPD). „Die Eltern zahlen ja einen erklecklichen Betrag! Sind es hochqualifizierte Lehrer, die viel Geld bekommen – oder woran liegt das?“ Andere Vereine bekämen von der Gemeinde nur sechs Euro pro Kind. Solche Berechnungen möchte Heß nicht anstellen, die Eins-zu-Eins-Betreuung in der JMS sei schließlich etwas anderes als beispielsweise ein Gruppentraining im Sportverein. Auch der Musikverein erteile Unterricht, bemerkte Fischer: „Ich finde die Differenz zu groß.“ Und beim Sportverein gebe es auch hochkarätige Trainer, ergänzte die TSV-Vorsitzende und SPD-Gemeinderätin Karin Larsen.

Bei Petra Rupp-Wiese (GL) haben schon besorgte Eltern angerufen, die um die JMS fürchten. Als „elitär“ mag Rupp-Wiese die Einrichtung nicht bezeichnen: „Aber die Beiträge sind trotz Zuschüssen so hoch, dass der Zugang gar nicht für alle da ist.“ Sie würde sich die Zahlen gern erklären lassen: „Wir haben überhaupt keinen Einblick.“ Die JMS solle zudem darstellen, was sie selbst unternimmt, um an Geld zu kommen – „über die Vorspiele vor Eltern hinaus“.

Im Steinlachtal, so erklärt Schulleiter Wolfgang Schnitzer auf TAGBLATT-Nachfrage, übernähmen die Kommunen 15 Prozent der Kosten, anderswo im Land trügen sie 33 Prozent. Die Gomaringer Zuschüsse seien seit dem Jahr 2000 nicht mehr erhöht worden. Finanziert wird die Schule ansonsten über Landeszuschüsse und die Elternbeiträge. Deswegen gebe es eine „Unterfinanzierung, die wir so gar nicht mehr auffangen können“. Die Gemeinden hätten sich 2012 darauf geeinigt, lieber einen Abmangel in Kauf zu nehmen als die Zuschüsse zu erhöhen. Letzteres wäre Schnitzer lieber gewesen: „Ein Abmangel hat immer den Geschmack, dass schlecht gewirtschaftet wurde.“ Der Haushaltsplan werde im Mössinger Gemeinderat und bei der Mitgliederversammlung mit allen Trägergemeinden vorgestellt oder diesen, wenn abwesend, zugeschickt.

„Wir haben eben 50 professionell arbeitende Lehrer, die ihren Lebensunterhalt mit Unterricht bestreiten“, erklärt Schnitzer die hohen Kosten. Sie würden  „überhaupt nicht übertariflich“ bezahlt, sondern bekämen sogar weniger als an manch‘ anderer Schule im Land. Gegen das Etikett „elitär“ kämpfe man immer wieder an: Man versuche, „die Gebühren so niedrig wie möglich zu halten“. Für finanziell schwache Familien gibt es einen Sozialrabatt von 30 Prozent, über das Förderpaket „Bildung und Teilhabe“ können sie den Monatsbeitrag zusätzlich um 10 Euro verringern.

Wer wöchentlichen Einzelunterricht à 45 Minuten bucht, zahlt in Gomaringen regulär jeden Monat 125,60 Euro – auch in den Ferien. Gomaringen gewährt vergleichsweise wenig Zuschüsse , so dass dort die Gebühren höher sind als in den meisten anderen Steinlach-Gemeinden. Mössingen unterstützt seine jungen Musiker jährlich mit 158,05 Euro pro Kopf, Bodelshausen mit 153,05 Euro, Ofterdingen mit 138,05 Euro, Dußlingen wie Gomaringen mit 86,92 Euro und Nehren mit 102,26 Euro.

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02.12.2016, 01:00 Uhr

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