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Leitartikel zu den Plänen des Stuttgarter Klinikums

Unruhe an Unikliniken

Mit Macht strebt das Klinikum Stuttgart den Status einer Uniklinik an. Zu Recht sind deshalb die bestehenden Unikliniken in Heidelberg mit dem Zweitstandort Mannheim, in Freiburg, vor allem aber in Tübingen und Ulm alarmiert. Denn was für die Landeshauptstadt ein Gewinn an Prestige, Patienten und nicht zuletzt Finanzmitteln bedeutete, würde die dezentrale baden-württembergische Struktur in Frage stellen.

21.03.2018
  • Roland Muschel

Die Gewichte würden sich klar in Richtung der Schwabenmetropole verschieben, auch mit Auswirkungen auf die Krankenhausstruktur im Großraum Stuttgart, die sich der Sogwirkung einer Uniklinik kaum entziehen könnte. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) wird daher in ihrem Prüfverfahren sehr genau abwägen müssen, ob die Stuttgarter Pläne allein im Interesse der Landeshauptstadt oder auch des ganzen Landes sind. Die bestehenden Unikliniken jedenfalls schneiden in den einschlägigen Rankings sehr gut ab. Wer den Status quo ändern will, muss das daher gut begründen.

Entscheidend sollten bei der Entscheidung drei Fragen sein: Benötigt das Land überhaupt mehr Medizin-Studienplätze? Falls ja: Ist dafür eine weitere Uniklinik tatsächlich der beste Weg? Und schließlich: Ist das Wünschenswerte auch finanzierbar?

Schon die Antwort auf die erste Frage fällt so eindeutig nicht aus. Denn einerseits klagt auch Baden-Württemberg über einen Mangel an Ärzten, speziell im ländlichen Raum. Angesichts der steigenden Zahl älterer Menschen und der Ausdünnung mancher Regionen wird sich die Problemstellung in Zukunft noch verschärfen. Andererseits bildet das Land derzeit über seinen Bedarf hinaus aus, viele suchen ihr Glück dann andernorts, etwa in der besser bezahlenden Schweiz. Das Problem ist also nicht unbedingt ein Mangel an Ärzten, sondern deren Verteilung. Deshalb versucht Baden-Württemberg mit Sonderprogrammen junge Mediziner in die Weiten des Flächenlandes zu locken.

Angesichts des demografischen Wandels kann eine Erhöhung der Studienplätze trotzdem Teil der Lösung sein. Dann aber spricht fast alles dafür, diese aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, aber auch der schnelleren Umsetzbarkeit an den bestehenden Standorten obendrauf zu packen. Denn aufs Geld wird die Landesregierung schon auch achten müssen. Eine Garantie, dass die Steuern auf alle Zeit so sprudeln wie derzeit, gibt es nicht. Dass die grün-schwarze Koalition mal eben ein Sanierungsprogramm über 400 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2018/19 für seine Unikliniken auflegen kann, dürfte die Ausnahme von der Regel bleiben.

Angesichts der Summen, die für das mit rund 300 000 Euro je Platz taxierte Medizinstudium aufgerufen werden, ist die von Stuttgart in Aussicht gestellte „Morgengabe“ einer großen Stiftung über eine auf zehn Jahre verteilte Gesamtsumme von 60 Millionen Euro zwar ein begrüßenswertes Engagement von privater Seite. Sie kann aber keine Grundlage für eine politische Jahrhundert-Entscheidung sein.

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21.03.2018, 06:00 Uhr

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