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Börse in Paris öffnet normal

Unruhige Zeiten für Anleger - Experte Burghof: Es gibt aber keinen Crash

Terror schafft Verunsicherung - und das kann an den Börsen Turbulenzen auslösen. Experten erwarten, dass die Märkte die Folgen der Anschläge in Paris zu spüren bekommen - wie auch die Wirtschaft allgemein.

16.11.2015
  • KAREN EMLER ROLF OBERTREIS

Ulm Nach dem Terror-Wochenende soll das Leben in der f ranzösischen Hauptstadt so normal wie nur möglich weiter gehen. Ein Baustein davon: Die Börse in Paris wird heute wie gewohnt ihren Handelsalltag durchziehen, teilte eine Sprecherin des Betreibers Euronext der Agentur Bloomberg mit.

Inwiefern sich die Anschläge auf die Finanzmärkte auswirken werden, ist noch nicht absehbar. Die meisten Experten sind sich aber in einem einig: Die Börsenwoche dürfte sehr unruhig werden. Die Termingeschäfte auf die wichtigen US-Indizes hatten bereits am Freitagabend nach US-Börsenschluss als Reaktion auf die Anschläge deutlich nachgegeben. Der Fernsehsender N-TV zitierte einen Börsianer, dass alles, was die weltpolitischen Risiken wieder ins Bewusstsein bringe, die Märkte belaste. Das werde deutlich zu spüren sein, "gerade, weil es in den vergangenen Wochen so deutlich nach oben gegangen ist".

Yogi Dewan von der britischen Investmentfirma Hassium Asset Management sagte gegenüber Bloomberg, es wäre nicht verwunderlich, wenn der Aktienmarkt um 2 bis 3 Prozent fallen würde - und das in ganz Europa. Er geht davon aus, dass vor allem die Versicherungsbranche sowie Aktien von Reiseveranstaltern wohl auf die Terroranschläge reagieren werden.

Was den Deutschen Aktienindex (Dax) angeht, so hatten diesem zuletzt vor allem Spekulationen auf eine mögliche Ausweitung der Geldflut im Euroraum dem Dax einen Höhenflug beschert. Seit Anfang Oktober bis Freitag hatte er rund 13 Prozent draufgesattelt. In der vergangenen Woche allerdings sank er aber um rund 2,5 Prozente auf nur noch gut 10 700 Punkte. Die Berichtsaison der Unternehmen läuft aus und das, was noch auf den Tisch kam, vermochte Anleger nicht zu überzeugen.

Weil in der Woche nur wenige Unternehmensdaten anstehen, erwartete Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank eher eine Stagnation. Auch Nord-LB-Börsenexperte Tobias Basse rechnete mit keinen großen Kurssprüngen. Doch diese Prognosen wurden vor den Anschlägen getroffen.

Zur Erinnerung: 2001 war der Dax nach den Attentaten auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington auf den tiefsten Stand seit Oktober 1998 gefallen. Er brach zeitweise um über 11 Prozent ein. Der Banken- und Finanzwissenschaftler Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim bewertet die aktuelle Situation aber anders: "So traurig es ist: Solche Attentate sind seit den Anschlägen vom 11. September an den Börsen schon eingepreist. Ich glaube deshalb nicht, dass es nach dem Terror von Paris zu einem Börsencrash kommt", sagte er der "Rheinischen Post". Aus Börsensicht hätten "die Anschläge von 2001 damals eine völlig neue Sicht auf die Welt und die grundsätzlichen Möglichkeiten des Terrors eröffnet." Die Attentate von Paris seien schrecklich, führten aber aus Börsensicht nicht zu grundsätzlich neuen Einschätzungen.

Marcel Fratzscher, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin), befürchtet dagegen, wie er dem "Tagesspiegel" sagte, dass die Anschläge der Wirtschaft "signifikanten Schaden" zufügen könnten. "Sie könnten zu einem Vertrauensverlust von Unternehmen und Konsumenten führen, und damit die wirtschaftliche Erholung Europas abwürgen", sagte er.

Unruhige Zeiten für Anleger - Experte Burghof: Es gibt aber keinen Crash
Hier soll heute normaler Handelsalltag herrschen: Blick in die Euronext Börse in Courbevoie bei Paris. Foto: Actionpress

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16.11.2015, 12:00 Uhr

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