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Sorge vor Zentralisierung

Unser Dorf hat Zukunft (3): Ortsvorsteher Fleiner fordert Selbstständigkeit

Helmut Fleiner befindet sich mit 67 Jahren in seiner letzten Legislaturperiode als Ortsvorsteher von Glatt. Danach wird er nach 25 Dienstjahren das Amt abgeben. Fleiner macht sich große Sorgen um das Dorfleben. Er fordert weiterhin die Selbstständigkeit der Dörfer. Keine Probleme bereitet ihm dagegen das Vereinsleben im Ort – dies sei intakt.

01.09.2010
  • SAscha Eggebrecht

Glatt. Für den Sulzer Ortsteil Glatt wird der 30. Juni 1993 wahrscheinlich ein bedeutenderes Datum sein, als für andere Städte und Gemeinden. Warum? Zu dieser Zeit lebten zum einzigen Mal mehr als 700 Menschen im Ort – genau 712. Seit den vergangenen 17 Jahren hat sich die Einwohnerzahl auf 639 reduziert (Stand: 31. Dezember 2009). Und dass diese Zahl in den kommenden Monaten oder Jahren wieder ansteigen könnte, daran glaubt der Ortsvorsteher Fleiner nicht. Zum einen wegen des demografischen Wandels und zum anderen sprechen die nackten Zahlen eine klare Sprache. „Wir haben schon sehr lange keinen Bauplatz mehr verkauft“, bedauert Fleiner.

Ob es daran liegt, dass es im Ort keine gescheite Internetverbindung gibt, vermag der Ortsvorsteher nicht zu beurteilen. Doch auch in dieser Angelegenheit scheint nun Bewegung zu kommen. Nach dem sich lediglich nur 14 Bewohner für eine Satellitenverbindung interessiert hatten, wurden nun die Gespräche mit Kabel BW intensiviert. Ganz billig wird dieses Vorhaben allerdings nicht werden: 90 000 Euro. Doch Fleiner hat sich schon einen Plan zurechtgelegt, wie die Kosten gestemmt werden können. „Ich gehe davon aus, dass wir 200 Teilnehmer für dieses Projekt gewinnen können, wenn jeder von denen 200 Euro einmalig bezahlt, könnte das klappen“, sagt Fleiner. Das restliche Geld soll durch Zuschüsse reingeholt werden. „Vor allem für die Geschäftsleute, die in den Ort kommen, wäre es extrem wichtig, wenn es endliche eine schnelle Internetleitung geben würde“, betont der Ortsvorsteher. Davon würden auch die Hotels im Ort vielleicht profitieren und noch mehr Geschäftsleute anlocken.

Fleiner hat aber noch ganz andere Probleme zu bewältigen – natürlich nicht allein. Aber auch das Rathausdach in Glatt muss dringend saniert werden. Kosten: 260 000 Euro. „In der Vergangenheit lag der Sanierungsschwerpunkt in Sulz. In Zukunft muss auch mal wieder etwas Geld in die Stadtteile investiert werden“, fordert Fleiner, der sich auch in Zukunft eine Selbstständigkeit der Sulzer Stadtteile wünscht. „Von einer Zentralisierung halte ich gar nichts“, sagt Fleiner. Er hofft auch, dass die Feuerwehreinheiten Glatt und Hopfau zu einem Stützpunkt Hopfau nicht zusammengelegt werden. „Wir brauchen eine Feuerwehr im Ort – vor allem an Fasnet“, stellt er klar.

Ein weiterer Dorn im Auge ist ihm der elektronische Personalausweis. „Gegen diesen Ausweis habe ich grundsätzlich gar nichts, doch die Einführung dieses Ausweises ist eine versteckte Verwaltungsreform“, klagt er. Denn ein neuer Ausweis könne in Glatt gar nicht mehr beantragt werden, da es nur zwei und nicht neun von den so genannten Operatorkarten geben wird. Somit müssten die Einwohner eine Fahrt nach Sulz in Kauf nehmen. „Für mich ist das keine Bürgernähe mehr, wenn auch die Rathäuser dann nicht mehr so lange aufhaben werden“, kritisiert Fleiner, der einen Satz von den großen Politikern schon gar nicht mehr hören kann: Stärkung des ländlichen Raumes. „Alles nur Lippenbekenntnisse“, sagt er.

Auch dass die Postfiliale im Ort gestrichen worden ist, kann er nicht verstehen. „Wenn man im Ort schon einen Edeka-Markt hat, hätte man auch die Post dort lassen können. Doch es geht nur noch um Zahlen, stimmen die nicht ganz, wird alles zugemacht oder gestrichen“, ärgert sich Fleiner, der wenigstens hofft, dass der Einkaufsladen noch sehr lange im Ort bestand haben wird. „Ich kaufe auf jeden Fall dort ein“, beteuert er.

Zufrieden ist der Ortsvorsteher dagegen mit dem Vereinsleben, das sehr rege sei. „Der Sportverein und auch die Blasmusik sind nicht mehr aus dem Ort wegzudenken“, sagt Fleiner. Auch sei das Sportheim eine gute Möglichkeit, einkehren zu können. „Im Sommer ist zudem auch noch der Mini-Golfplatz ein beliebter Treffpunkt in Glatt“, sagt Helmut Fleiner. Und auch an die Jugend ist gedacht worden: Am Rande des Sportplatzes wurde ein Bauwagen hingestellt, in dem sich die Jugendliche aufhalten können.

Unser Dorf hat Zukunft (3):  Ortsvorsteher Fleiner fordert Selbstständigkeit
Immer wieder ein Anziehungspunkt in Glatt: das Wasserschloss.Bilder: Kuball

Unser Dorf hat Zukunft (3):  Ortsvorsteher Fleiner fordert Selbstständigkeit
Einen Steinwurf vom Wasserschloss entfernt, befindet sich das Rathaus.

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01.09.2010, 12:00 Uhr

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