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Kommentar

Unser Thüringen – auch ohne Dom schön

Willkommen zurück im schönen Tübingen am Neckar! Wie war denn Ihr Urlaub in Gießen? Wie – Sie waren noch nie in Gießen? Der jungen und quicklebendigen Stadt an der Lahn mit ihren rund 25 000 Studierenden an einer der ältesten Universitäten Deutschlands?

29.06.2012
  • Eike Freese

Und auch der Landkreis Gießen mit den Heuchelheimer Seen und dem Kloster Schiffenberg hat Sie noch nie zum Kofferpacken animiert?

Na dann. Willkommen in der Welt des Regionalmarketings. Die Schönheiten Tübingens und vor allem des Landkreises sind zwar wohlbekannt, doch das nur einer Minderheit von Deutschen. Je höher man in den Norden fährt, desto höher ist die Quote von Menschen, die Tübingen mit Thüringen verwechseln und Rottenburg, Rothenburg und Rottweil nicht auseinanderhalten können – von Mössingen, Metzingen und Memmingen ganz zu schweigen.

Bescheidenheit ist angesagt. Tübingen hat keine Lüneburger Heide vor der Haustür und beherbergt keinen Kölner Dom. Dass die Region dennoch immer mehr Touristen lockt, ist aller Ehren wert. Denn bundesweit vermarktbare Knüller-Namen, die eine breite Masse anziehen – selbst der gute Hölderlin sähe das wohl ähnlich – sind im 30-Kilometer-Umkreis um die Neckarfront schlicht nicht vorhanden.

Man muss darüber nicht unbedingt traurig sein. Für Einzelhandel und Gastronomie sind volle Hotelbetten zwar gut, von der Stadtkasse ganz zu schweigen. Doch selbst unter Touristikern im Kreis gibt es unterschiedliche Philosophien, wie das Reisen in der Region künftig aussehen soll.

So müssen sich Tourismusplaner – etwa diejenigen, die derzeit am neuen Stadttübinger Konzept arbeiten – nicht nur fragen, mit welchen Attraktionen sie Reisende anlocken. Sondern auch, mit welchen Mitteln sie diese länger als einen Shopping-Tag lang halten. Wenn Reisebusse nur am Samstagnachmittag rollen, dafür aber in Massen, ist weder dem Gewerbe noch den Tübingerinnen und Tübingern geholfen.

Habhaft erschlossene historische Reichtümer dagegen, ein dichtes Kulturangebot mit regelmäßigen Höhepunkten und eine Ladenvielfalt, in der es für Fremde auch nach Tagen noch etwas zu entdecken gibt – das sind Dinge, die Menschen lange begeistern und wiederkommen lassen.

In Stadt und Kreis Tübingen ist touristische Außenpolitik damit kommunale Innenpolitik. Gerade auch, weil alle derzeit für die Stadt Tübingen umhergeisternden Alleinstellungsmerkmale wie „Universitätsstadt“, „Sportstadt“, „Grüne Stadt“, „Kultur und Natur“, direkt an Alltag und Lebensqualität der Tübinger selbst gebunden sind. Die Stadt hat keinen Kölner Dom. Und das ist eigentlich ganz gut so.

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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