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„Unsere Sorge gilt den Vermissten“
Schwerstarbeit für die Feuerwehr: Die Rettungskräfte waren über Stunden mit der Bekämpfung des Brandes beschäftigt. Am Abend war das Feuer unter Kontrolle, aber noch nicht gelöscht. Foto: dpa
Ludwigshafen

„Unsere Sorge gilt den Vermissten“

Die BASF-Führung äußert sich noch nicht zu möglichen Ursachen für die große Explosion gestern in Ludwigshafen. Zwei Menschen starben, sechs wurden verletzt, zwei werden noch vermisst.

18.10.2016
  • WOLFGANG RISCH

Ludwigshafen. Es war eine gewaltige Explosion, die gestern den Norden von Ludwigshafen und Mannheim erschüttert hat. Mindestens zwei Mitarbeiter des Werks sind bei dem schweren Unglück auf dem Gelände der BASF ums Leben gekommen, sechs Personen kamen mit schweren Verletzungen in Kliniken, zwei weitere galten auch am Abend noch als vermisst.

Arbeiten an einem Rohr der in der Summe 3000 Kilometer langen Leitungen des Chemie-Unternehmens hatten zu der Detonation beim Ludwigshafener Nordhafen geführt. Die Druckwelle war selbst in einigen Mannheimer Stadtteilen und im zehn Kilometer entfernten rheinland-pfälzischen Frankenthal noch zu spüren, die Rauchsäule stieg kilometerweit in den Himmel.

Der Kommandant der Ludwigshafener Berufsfeuerwehr, Peter Friedrich, versicherte, dass die Anwohner beider Städte sie zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen waren. Die Rauchsäule sei in höhere Luftschichten aufgestiegen und nordöstlich Richtung Bergstraße gezogen. Der Hafen wurde mit einer Wassersperre abgeriegelt, Schadstoffe seien nicht in den Rhein gelangt.

Gleichwohl wurde die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Geruchsbelästigungen seien möglich. Die Mannheimer Verwaltung schloss anfänglich nicht aus, dass die Rauchwolke über die Stadt zieht. Messwagen waren beiderseits des Rheins unablässig im Einsatz. Erste Radiomeldungen, ein Tankschiff sei explodiert, haben sich nicht bestätigt. Ein glücklicher Umstand war, dass der Unfall in einem weitgehend unbewohnten Gebiet passierte.

Zur Explosion war es gegen 11.20 Uhr gekommen, die Ursache stand auch am Abend noch nicht fest. „Zunächst gilt unsere Sorgen den Vermissten“, sagte der Werksleiter der Ludwigshafener BASF-Niederlassung, Uwe Liebelt, in einer eilends einberufenen Pressekonferenz. Erst dann werde man Ursachenforschung betreiben und über mögliche Sicherheitslücken nachdenken. Zu diesem Zeitpunkt war der Brand unter Kontrolle, so Friedrich. Doch gelöscht war er nicht: Immer wieder loderten Flammen auf, weitere Explosionen seien nicht ausgeschlossen. Nach 15 Uhr stieg erneut eine hunderte Meter hohe Feuersäule in den Himmel auf.

Zwar hatte die BASF die betroffenen Anlagen komplett heruntergefahren. Doch die Chemikalien in den Rohrleitungen „laufen aus und verbrennen“, sagte der Feuerwehrchef. Er lobte auch die Kollegen der Mannheimer Feuerwehr, die mit ihrem Löschboot halfen.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) war gegen 12 Uhr über die Explosion informiert worden und von einem Termin im Norden des Landes herbeigeeilt. Er machte sich von einem Polizeihubschrauber aus ein Bild der Lage, der in größerem Abstand um die Unglücksstelle kreiste.

Der Minister erklärte, die Bevölkerung sei „sehr umfassend“ informiert worden, er habe den Eindruck gewonnen, dass der Einsatz der Hilfskräfte, auch der baden-württembergischen, „sehr effizient“ abgelaufen sei. Zu den Auswirkungen und Konsequenzen des Unglücks könne er noch nichts sagen. Lewentz beteuerte aber seine eigene Betroffenheit und die der Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Die BASF ist mit fast 40 000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Ludwigshafen und bildet der Nachrichtenagentur dpa zufolge das größte zusammenhängende Industrie-Areal der Welt. Früher auch als großer Luftverpester in der Metropolregion Rhein-Neckar verschrien, sind derlei Klagen heute kaum noch zu hören.

Zu Störfällen kommt es aber nach wie vor. Auch bei der Niederlassung im südhessischen Lampertheim gab es gestern einen Zwischenfall, der aber von den Vorgängen in Ludwigshafen bei weitem überschattet wurde. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Geschehnissen innerhalb weniger Stunden bestehe nicht, versicherte Liebelt.

Zwar sei bekannt, welche Stoffe durch die Rohre im nördlichen Teil des BASF-Geländes flössen, sagte Feuerwehrchef Friedrich. Doch wisse man nicht, welche genau sich in dem explodierten Rohr befanden. Liebelt ergänzte: Üblicherweise werde Flüssiggas von Tankschiffen entladen, aber auch andere Substanzen seien anzutreffen, Propylen und Ethylen etwa. Friedrich: „In solchen Situationen gehen wir immer vom schlimmsten Fall aus. So auch gestern: Um den Brandherd wurde eine Sperrzone von 500 Metern eingerichtet.

Zu möglichen innerbetrieblichen Fragen äußerte sich Liebelt gestern nicht.

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18.10.2016, 06:00 Uhr

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