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Schopfloch · Nachruf

Unternehmenspionier mit Tüftlergeist und Familiensinn

Mit dem Tode von Gerhard Schuler, dem Unternehmensgründer, der Unternehmerpersönlichkeit, verlieren die Region und die hiesige Wirtschaft auch eine besondere, das Wirtschaftsleben prägende Leitfigur.

26.02.2020

Von Siegfried Schmidt

Der spiritus rector und Mitgründer des Weltmarktführer-Unternehmens Homag, hier mit 90 Jahren. Redner würdigten ihn aus diesem Anlass als „Branchen-Urgestein“.Archivbild

Gerhard Schuler ist, wie gemeldet wird, am vergangenen Sonntag im Kreise seiner Familie zu Hause friedlich eingeschlafen. Mit 92 Jahren, nach einem bewegten, aber auch erfüllten langen Leben.

Gerhard Schuler gründete gemeinsam mit Eugen Hornberger 1960 die damalige Hornberger Maschinenbaugesellschaft OHG, den Vorläufer der heutigen Homag Group. Als Geschäftsführer und später dann als Vorstand hat Schuler das Weltunternehmen, den Weltmarktführer für holzbearbeitende Maschinen, mitaufgebaut, es groß gemacht und zum „champion“ gestempelt und das Unternehmen noch weit ins hohe Alter bis ins Jahr 2015 begleitet – zuletzt als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Homag Group AG.

Der Mitgründer der Homag hätte am 1. April seinen 93. Geburtstag gefeiert.

In den Trauer-Annoncen, die gestern auch landesweit verbreitet wurden, wird die große Unternehmerpersönlichkeit, die Schuler verkörpert hat, hervorgehoben. Verbanden sich in ihm doch der typisch schwäbische Tüftlergeist, die Ingenieurskunst, die technischen Innovationen zum Durchbruch verhalf, mit unternehmerischem Elan und strategischer Weitsicht. Wie anders hätte der Durchmarsch von Homag zum Weltmarktführer auch gelingen können!

Zusammen mit Eugen Hornberger hat Gerhard Schuler 1960 die Hornberger Maschinenbaugesellschaft OHG, die Vorstufe zur heutigen Homag Group, gegründet. Viele Innovationen gehen auf die beiden Gründer zurück. Er, Schuler, war auch von Anfang an Geschäftsführer im Start-up-Unternehmen. Nach der Umwandlung in eine AG war Schuler bis 1999 Vorsitzender des Vorstands der Homag AG. Danach übernahm er den Vorsitz im Aufsichtsrat und wurde 2006 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Besondere Verdienste erwarb sich Gerhard Schuler beim internationalen Ausbau der Homag. Ein Teilkonzern heute mit weltweit 14 spezialisierten Produktionswerken sowie 23 konzerneigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften. 6600 Mitarbeiter beschäftigt das seit Oktober 2014 mehrheitlich zum Dürr-Konzern gehörende Unternehmen heute.

Schuler setzte planvoll und weitsichtig auf Expansion und auf betriebswirtschaftlich durchkalkulierte Prozessketten. Er forcierte eine umfassend vereinheitlichte Produktpalette, ein weltweites Vertriebs- und Servicenetz und den konsequenten Ausbau der Kundennähe und Dienstleistungen. Unter seiner Leitung wurden ausländische Produktionswerke aufgebaut und etliche Unternehmen und Mitbewerber in die Gruppe einverleibt – immer mit dem Ziel, die gesamte Wertschöpfungskette für die Kunden abzudecken.

Schuler hatte nach einer Schreinerlehre 1952 in Heilbronn seine Meisterprüfung abgelegt – mit Auszeichnung. Danach absolvierte er in Rosenheim ein Studium als Holzingenieur. Nach solch gründlicher Berufsausbildung war der junge Ingenieur ein Jahr erfolgreicher Betriebsleiter einer Schwarzwälder Möbelfabrik. Und nahm von dort auch die Detailkenntnisse und -erfahrungen dieser Branche in sein weiteres Berufsleben mit. Mit 29 Jahren machte er sich als Unternehmensberater in der Holzbranche selbstständig. Die Schuler Consulting ist bis heute ein gefragter Partner der Branche.

Am 1. April 1956, also vor fast 64 Jahren, begann die Unternehmergeschichte des nun Verstorbenen. Mit der Gründung des Ingenieurbüros unter seinem Namen, dieser Entscheidung für die Selbständigkeit, legte Schuler damals den Grundstein für eine langjährige erfolgreiche Beratertätigkeit in der internationalen Holz- und Möbelindustrie – und ebenso für ein Weltunternehmen, die Homag.

Schuler Consulting leistet neben dem branchengängigen Unternehmens-Check, um Schwachstellen und Verbesserungspotenziale aufzuspüren, auch Beratung für eine effiziente Gestaltung von Arbeitsplätzen und eine Prozessoptimierung. Das Beraterteam widmet sich der strategischen Produktionsentwicklung, plant und designt den Informationsfluss bei den Kunden, begleitet auf dem Weg zu einer intelligenten Fertigung (Industrie 4.0) oder ortet auch Verschwendungsfallen und weist damit den Weg zu einer „Lean Production“.

Für Gerhard Schuler war einst die eigene Studienabschlussarbeit der Schlüssel, der Auslöser in die Unternehmerkarriere. Schuler rationalisierte eine Schlafzimmerfabrik und war damit überaus erfolgreich. Die Fabrik war danach in der Lage, statt 34 Einheiten pro Monat 110 Schlafzimmer herzustellen. Und das bei einer moderaten Personalsteigerung von 42 auf nur 50 Mitarbeiter.

Dieser sensationelle Leistungssprung und Produktivitätszuwachs wurde in der Branche rasch bekannt. Schuler konnte sich bald vor Angeboten, als technischer Leiter zu fungieren, kaum retten. Er tat freilich den richtigen Schritt und gründete ein eigenes Unternehmen, das „Ingenieurbüro Gerhard Schuler“. Dessen Behuf war die Unternehmensberatung für die Holz- und Möbelindustrie. Was es damals noch nirgendwo gab. Das erste Beratungshaus der Möbelindustrie weltweit war damit geboren.

Das Beratergeschäft stürmte den Markt. Erst regional, dann in den angrenzenden Bundesländern, schließlich auch im Ausland. Ein Augenmerk von Schuler lag von Anfang an auf der Entwicklung und dem Bau von Vorrichtungen für den Möbelbau. Was zu Beginn noch in der eigenen Werkstatt gefertigt wurde, wurde später, 1960, dann in größerem Stil bei der neu gegründeten Hornberger Maschinenbau oHG in Schopfloch betrieben – das war der Unternehmensstart, die Keimzelle von Homag.

Für sein Engagement und sein unternehmerisches Wirken hat Gerhard Schuler zahlreiche Auszeichnungen erhalten: Ehrensenator Fachhochschule Rosenheim, Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg, Verdienstmedaille der IHK Nordschwarzwald, Bundesverdienstkreuz am Bande, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, Ernennung zum Professor der Nanjing Forestry University China, Hugo-Laue-Medaille der Hochschule Rosenheim, Eumacop-Preis „für herausragende unternehmerische Lebensleistung zum Nutzen der gesamten Branche“ und die Bürgermedaille, der „Christophstaler in Gold“ der Stadt Freudenstadt.

Was aber den Unternehmer auch in anderer Hinsicht auszeichnete und ihn mit seiner Belegschaft, mit den Mitarbeitern verband, das war sein sozialbetriebliches Engagement. Auch in schwierigen Zeiten stand er stets zur Belegschaft, wie ein „Fels in der Brandung“, wie ihn mal der Betriebsrat würdigte. 2011 widmeten ihm die Homag-Mitarbeiter anlässlich des 50-jährigen Firmenbestehens einen symbolischen Granitstein, der vor der Schopflocher Unternehmenszentrale einen Ehrenplatz bekommen hat. Partnerschaftliche Strukturen und eine Beteiligung der Mitarbeiter am Erfolg der Firma waren Gerhard Schuler stets ein Herzensanliegen. Und mit diesem Bemühen um ein Teilhabe-Gefüge, etwa durch die Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung, 1974 eingeführt, durch die Implementierung von partnerschaftlichen Führungsrichtlinien oder den Ausbau der betrieblichen und überbetrieblichen Aus- und Weiterbildung entwickelte der Firmenchef auch eine beispielgebende Unternehmenskultur.

Diese Kategorie zählte für Gerhard Schuler entscheidend mit, wenn er von Unternehmenserfolg sprach oder von einer Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit.

In einer Rede zum 60-jährigen Bestehen seiner Consultingfirma, betonte der Firmengründer, bei ihm zählten engagierte und motivierte Mitarbeiter zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für ein Unternehmen. Wörtlich: „Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass sich die Homag’ler nicht nur als Weltmarktführer, sondern besonders auch als Familie fühlen. In der Familie spielt das Miteinander eine große Rolle und dies sollte in der Belegschaft auch so sein. Deshalb liegt mir auch das partnerschaftliche Miteinander besonders am Herzen.“ Voraussetzung für den Erfolg seien leistungsbereite Mitarbeiter und ein Familiensinn. Und wichtig sei, „dass man stolz ist auf seine Familie, auf sein Unternehmen – dass man es achtet und schätzt, ja, dass man sich dort wohlfühlt“.

Gerhard Schuler Schaffensverdienste wären nur unvollständig aufgezählt, würde man nicht auch und gerade sein großzügiges Fördern und Ermöglichen der Musen, der schönen Künste und der Kulturarbeit nennen. Ob für das Schwarzwald Musikfestival, dem der aufgeschlossene Konzertgänger in vielen Jahren ein begeisterter Gastgeber und Ausrichter war und ist oder für einen Museumsverein, wie den in Dietersweiler, stets hatte der große, alte Mann aus Schopfloch für diese Formen von Kunst und Bildung ein offenes Ohr. Und stellte namhafte Mittel unterstützend zur Verfügung.

60 Jahre Unternehmensberatung. Die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte von Schuler-Consulting. 2016 signierte Gerhard Schuler seinen Erinnerungsband.

Der Museumsverein Dietersweiler hat Gerhard Schuler 2017 ob seiner Gönner- und Mäzenatenrolle zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

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Erstellt:
26. Februar 2020, 19:15 Uhr
Aktualisiert:
26. Februar 2020, 19:15 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2020, 19:15 Uhr

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