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Josef Ackermann geht mit Staatsanwaltschaft im Deutsche-Bank-Prozess hart ins Gericht

"Unterstellungen und Spekulationen"

Richter Noll findet keinen einzigen Beweis für die Anklage gegen die Bank-Manager: "Man sieht nichts, man hört nichts, man riecht nichts."

26.04.2016
  • PATRICK GUYTON

München. Die Angeklagten haben das letzte Wort, bevor das Urteil verkündet wird im Prozess gegen die fünf noch aktiven und ehemaligen Spitzenmanager der Deutschen Bank vor dem Münchner Landgericht. Josef Ackermann, Ex-Vorstandschef, nutzt als einziger die Gelegenheit. Im Ton freundlich bis charmant, attackiert er die Staatsanwaltschaft heftig. Deren Verhalten in dem Prozess, der fast auf den Tag genau ein Jahr angedauert hat, sei "erschreckend und befremdlich". 35 Verhandlungstage und viele Beweisanträge gab es - für Ackermann war das Verfahren "belastend". Das Verhalten der Ankläger sei "von Unterstellungen und Spekulationen geleitet gewesen".

Es ist dann keine Überraschung: Der Vorsitzende Richter Peter Noll spricht den Noch-Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere frühere Vorstandsmitglieder vom Vorwurf des versuchten Prozessbetruges frei. Denn in dem Verfahren hat sich einfach kein Beweis finden lassen.

Peter Noll gilt nicht nur als fachlich exzellenter, sondern auch als humoriger und belesener Richter. So erzählt er in der Urteilsbegründung, woran ihn die Anschuldigungen erinnern: an den Scheinriesen Tur Tur. Wer Michael Endes Kindergeschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer kennt, ist im Bilde. Tur Tur erscheint aus der Ferne ungeheuerlich groß. Je näher man ihm aber kommt, desto kleiner wird er - und entpuppt sich am Ende als ganz normaler Mensch.

Als ungeheuerlicher Scheinriese wirkten die Vorwürfe, die vor allem die Oberstaatsanwältin Christiane Serini gegen die heutige und vergangene Führungsgarde des Geldhauses erhob: 2002 wollten die Manager, so die Anklage, den Medienunternehmer Leo Kirch in die Pleite treiben, um selbst an der Neustrukturierung des Imperiums zu verdienen. Gezielt habe der damalige Vorstandsvorsitzende Breuer in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit bezweifelt, kurz darauf war dieser tatsächlich insolvent.

Im Schadenersatzprozess von Kirch und später dessen Erben gegen die Banker - ursprünglich ging es um mehr als 2 Mrd. EUR - sollen sie dann ihre Aussagen entgegen der Wahrheit aufeinander abgestimmt haben. Ein Fall von versuchten Prozessbetruges soll das gewesen sein. In einem Vergleich wurden den Kirch-Erben schließlich 925 Mio. EUR gezahlt, Ende 2012 war das. Also ein Schuldeingeständnis?

Richter Noll stellt sich erst einmal vor die auch von den Banker-Anwälten hart kritisierte Staatsanwältin Serini. Es habe anfangs "schwer wiegende Verdachtsmomente" gegeben. Auch habe es ein "eigentümliches Verhalten" der Deutschen Bank gegeben, die aus Angst vor einer Durchsuchung Unterlagen ausgelagert hatte. Der Staatsanwaltschaft bleibe da gar keine andere Wahl als zu ermitteln. Aber, und das ist die Grundmelodie von Nolls Urteilsbegründung: Es konnte kein einziger Beweis für die Anklage gefunden werden. Kein Zeuge hat ausgesagt, dass es einen Plan gegeben hat. Nirgends wird belegt, dass die Bank ein so genanntes Mandat von Kirch wollte. Dabei waren reichlich Akten gesammelt worden, sie entsprechen einem 25 Kilometer hoher Papierturm. Noll meint: "Man sieht nichts, man hört nichts, man riecht nichts."

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagt, dass man nun eine mögliche Revision vor dem Bundesgerichtshof prüfe. Jürgen Fitschen steht nach dem Urteil vor dem Gerichtssaal, er sieht müde aus. "Ich bin froh, dass es zu Ende ist", sagt er, "das Gericht hat uns voll bestätigt". Er hätte sich gewünscht, "dass es nicht so lange dauert".

Gleich fliegt er zurück nach Frankfurt und will sich an seinen Schreibtisch setzen. Viel Zeit hat Fitschen nicht mehr. Nach der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 19. Mai gibt er seinen Posten an John Cryan ab, der dann alleiniger Chef sein wird.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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