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Zweite Lightshow überm Rammert

Unwetter umzingelte am Sonntagabend Rottenburgs Sommer-Open-Air, aber es kam nur Regen

Es war zum Glück nur ein fetttropfiger, ausdauernder und warmer Regen, der am Sonntagabend das Rottenburger Sommer-Open-Air übergoss. Hätte daraus ein gefährliches Unwetter werden können – und hätte das Konzert sogar abgesagt werden müssen?

11.08.2015
  • Gert Fleischer

Rottenburg.Vor zwei Monaten wurden beim „Rock am Ring“ in Rheinland-Pfalz 33 campende Leute verletzt, als bei einem Unwetter nachts und schon nach Konzert-Ende drei Blitze auf das Festval-Gelände einschlugen. Immer wieder in den vergangenen Jahren gab es Verletzte bei Freiluft-Konzerten in der Folge von Unwettern. Im Juli 2009 starb sogar ein Besucher im slowakischen Trencin, etwa 70 Leute wurden verletzt: Mitten in einem Konzert hatte der Sturm ein Festzelt zum Einsturz gebracht. Vor zwei Wochen brachen die Veranstalter abendliche Konzerte in Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und die Aufführung der Bregenzer Festspiele ab, weil die Meteorologen vor dem Sturmtief „Zeljko“ warnten.

Viele, vor allem die großen Open-Air-Konzerte finden außerhalb der Städte statt. Sind Veranstaltungsorte innerhalb der Siedlung wie der Rottenburger Eugen-Bolz-Platz (siehe Bericht oben) ungefährlich, weil umstehende Häuser gegebenenfalls die Blitze auf sich ziehen und die Menschen verschonen? „Um Gottes Willen“, sagt Uwe Kirsche, „da ist die gleiche Aufmerksamkeit nötig wie auf dem Land.“

Kirsche ist Pressesprecher des Deutschen Wetterdiensts in Offenbach. Professionelle Veranstalter versichern sich stets der Dienste von Meteorologen. Sobald Gewitter zu erwarten ist, ließen sich Blitzschläge, Windböen, Starkregen und bei bestimmten Konstellation Hagel nicht ausschließen.

Blitze seien zwar gefährlich, aber die größten Schäden entstünden durch Hagelschlag. Sturmböen können Absperrgitter oder Bühnenteile durch die Luft wirbeln, Lautsprechertürme umwehen und so Menschen schwer verletzen. Wenn Menschenmassen wegen Hagels fluchtartig davonstürmen, bergen Gedränge und Panik oft die größeren Gefahren als die Eiskörner selbst.

„Die Veranstalter sind verantwortlich“, sagt Kirsche. Sie seien gehalten, sich über die Wetterentwicklung zu informieren und nach Lage zu entscheiden. „Das ist eine Gratwanderung“, sagt er. Sagt ein Veranstalter ein Konzert ab, wenn das zu erwartende Unwetter noch nicht zu sehen ist, „ist schlechte Stimmung auf dem Platz“. Kommt das Unwetter dann tatsächlich, bleibt Kritik weitgehend aus. Geht der Veranstalter ein Risiko ein in der Hoffnung, das Unwetter zieht vorbei, und er irrt sich, kann es fatale Folgen haben.

„Das Land reagiert wesentlich sensibler“ auf solche Wetterereignisse, sagt Kirsche. Städter zählten solche Wetterunbilden ganz gern zum Eventcharakter.

Für den Veranstalter des Rottenburger Sommer-Open-Airs, die KOKO & DTK Entertainment GmbH aus Tübingen, gab es am Sonntagabend keine Zweifel. Das sagt Denise Jordan. „Wenn eine Gefahr besteht, sagen wir ab.“ Im vorigen Jahr habe die Agentur das Konzert von LaBrassBanda wegen Regens einmal unterbrochen. Vor zwei Jahren, als es die Millionenschäden durch Hagel in Tübingen und Reutlingen gab, hatte KOKO & DTK ein Open-Air-Konzert in Balingen wegen der Wettervorhersage früher begonnen. Das Gebiet war dann vom Unwetter nicht betroffen, und „die Fans moserten ein bissl“.

In Rottenburg habe sich kein Unwetter abgezeichnet, sagt Jordan. Es blitzte und donnerte zwar rundherum; Besucher verfolgten quasi eine zweite Lightshow, weil sie links und rechts der Bühne und überm Dach des „Martinshofs“ die Blitze überm Rammert zucken sahen. Auf dem Eugen-Bolz-Platz selbst kam aber nur Regen an, und zwar reichlich. Denise Jordan empfand eine ganz besondere Stimmung. „Sogar Rea Garvey hat eine Tour durchs Publikum gemacht und war hinterher auch klatschnass. Das hätt’ er nicht machen müssen. Das find ich solidarisch.“

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11.08.2015, 12:00 Uhr

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